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Obersulm

Vakanz bei St. Johann Baptist: Wie wird die Zeit überbrückt?

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Noch gibt es keinen Bewerber für die katholische Pfarrstelle. Auch deshalb ist viel Einsatz der Ehrenamtlichen gefragt.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich
Besonders gefordert: Pfarr-Administrator Mijo Blazanovic (von links), Uwe Diemer, Bärbel Bloching und Kenneth Kurumeh in St. Johann Baptist.
Foto: Mugler
Besonders gefordert: Pfarr-Administrator Mijo Blazanovic (von links), Uwe Diemer, Bärbel Bloching und Kenneth Kurumeh in St. Johann Baptist. Foto: Mugler  Foto: Mugler

"Das ist attraktiv. Jeder Pfarrer wünscht sich, drei Kirchen zu haben", meint Mijo Blazanovic mit dem Brustton der Überzeugung. Pastoralreferentin Bärbel Bloching sieht es etwas nüchterner als der Administrator, der Pfarrer der benachbarten Seelsorgeeinheit Unteres Weinsberger Tal. Sie blickt auf die Lage, schließlich befinde sich die katholische Kirchengemeinde St. Johann Baptist Obersulm-Löwenstein-Wüstenrot am Rande der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Und in der Diaspora.

Ob es daran liegt, dass sich noch kein Pfarrer auf die wiederholte Ausschreibung beworben hat? Wenig Einstellungen, viele freie Pfarrsitze, beschreibt Bloching die allgemeine Situation. Allerdings sieht sie einen Vorteil darin, dass trotz der drei Orte die Kirchengemeinde kompakt sei und keine Riesen-Seelsorgeeinheit. Seit Mitte September 2015 ist die Stelle vakant. "Ich denke, es gibt schon eine Chance", hofft Bloching auf eine Wiederbesetzung. In der Zwischenzeit gibt es für sie, die anderen Hauptamtlichen und für die Ehrenamtlichen viel zu tun.

Ist die pfarrerlose Zeit eine Belastung für die Kirchengemeinde? Uwe Diemer, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats, schüttelt den Kopf. "Ich denke, das hat uns zusammengeschweißt." Man habe die Herausforderung angenommen. "Wir haben tolle Pläne für dieses Jahr", verneint er einen Stillstand. Im Gegenteil: "Ökumene im Herzen - Taizé im Weinsberger Tal" ist ein dreitägiges Angebot im Sommer, das St. Johann Baptist organisiert.

Bloching spricht von sehr motivierten Engagierten. "Es läuft sehr gut", sagt sie. Mit den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern könne man die Aufgaben eine zeitlang aufrechterhalten. "Wir haben Glück mit dem Pastoralteam", lobt Diemer das Trio aus Pfarr-Administrator, Pastoralreferentin und Pfarrvikar. "Ich sage immer, Frau Bloching ist unsere Päpstin", hebt er deren Leistung hervor.

Die Pastoralreferentin hat durch die Vakanz ihre halbe in eine Vollzeitstelle umwandeln können. Zu ihren pastoralen Aufgaben - von Gottesdiensten über Beerdigungen hin zu Religionsunterricht, Kommunionvorbereitung, Erwachsenenbildung - habe sie nun auch viel Verwaltung zu erledigen. Hier kann sie auf die Unterstützung von Pfarrsekretärin Cornelia Steinmacher bauen, die auf 60 Prozent aufgestockt hat. "Sie arbeitet uns viel zu."

Danke sagen

Für die priesterlichen Aufgaben - bis auf die Leitung - ist seit Oktober Dr. Kenneth Kurumeh zuständig, so dass in Affaltrach, Willsbach, Neuhütten und in der Klinik Löwenstein keine Gottesdienste gestrichen werden müssen. Die herzliche, unkonventionelle Art des Nigerianers komme gut an, beobachtet Diemer. "Guten Morgen, haben Sie gut geschlafen?", begrüßt der Pfarrvikar auf ungewöhnliche Weise die Gläubigen. Und dankt zum Schluss Ministranten, Mesnerinnen und sonstigen Beteiligten. "Gottesdienst ist keine traurige Situation, sondern ein lebendiges Zusammensein. Wer viel leistet, braucht auch mal einen Dank", schildert der 46-Jährige seine Einstellung.

Eine Art Berufung

Zu denen, die viel leisten, gehört Uwe Diemer. 15 bis 20 Stunden pro Woche investiert er neben seinem Beruf in die Kirchengemeinde. "Es ist für mich eine Art Berufung", sagt der Löwensteiner. "Ich habe viel von der Kirche bekommen und kann jetzt einiges zurückgeben." In Kurt Gschwendtner hat er einen Stellvertreter, den er als treibende Kraft im Bauausschuss bezeichnet. Dieser befasst sich mit den "Ruinen" (Diemer), den reparaturbedürftigen Kirchen in Affaltrach und Willsbach.

Nicht nur ein Nachfolger von Thomas Müller fehlt, auch die 75-Prozent-Stelle der Gemeindereferentin ist seit Herbst 2015 nicht besetzt, führt Blazanovic aus. Für Bloching sehr bedauerlich, weil ein großer Teil dieser Stelle auf die Klinik Löwenstein entfalle. Da springt der Pfarr-Administrator bei der seelsorgerischen Betreuung jetzt einmal wöchentlich ein.

Porträt der Kirchengemeinde

Die katholische Kirchengemeinde St. Johann Baptist hat rund 4000 Gemeindeglieder in Obersulm, Löwenstein und Wüstenrot. Es gibt drei Kirchen: neben der namensgebenden in Affaltrach, die Vaterunserkirche in Willsbach und St. Barbara in Neuhütten. Nicht nur in der Ökumene ist man laut Bärbel Bloching sehr aktiv. Sie zählt mehr als ein Dutzend Themenbereiche und Gruppen auf, für die rund 200 Ehrenamtliche tätig sind. Angefangen von den Krabbelgruppen über Jugend-, Frauen- und Seniorenarbeit hin zu Miteinander-Füreinander, Taizé-Gruppe, Bibelkreise, Besuchsdienste, Kolping, KAB.

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