Autoknacker sind im Schutz der Dunkelheit unterwegs
Pkw-Aufbrüche im Weinsberger Revierbereich nehmen im Herbst und Winter wieder zu - Orte wie Abstatt besonders betroffen
Es wird früher dunkel, und es ist länger dunkel. Die Menschen sind abends nicht mehr in ihren Gärten, es sind weniger Spaziergänger unterwegs. Die Straßen in den Wohngebieten erscheinen wie ausgestorben, die Rollläden sind herunter gelassen - ideale Bedingungen für Kriminelle, ungestört Autos zu knacken.
Während von Mai bis September - mit Ausnahme einer Spitze im Juli - beim Weinsberger Polizeirevier zwischen sieben und 13 Autoaufbrüche angezeigt wurden, schnellte die Zahl im Oktober auf 16 und im November sogar auf 26 hoch. Übrigens kein Phänomen dieses Revierbereichs im Weinsberger-, Schozach- und Bottwartal, sondern ein Übel, mit dem auch die anderen Reviere in Stadt- und Landkreis Heilbronn zu kämpfen haben. "Witterungsbedingt" wie auch bei den Wohnungseinbrüchen lautet die Begründung von Thorsten Weidemann, Sprecher der Polizeidirektion Heilbronn.
Zuletzt schlugen Automarder am 23. November gleich sechs Mal in Lehrensteinsfeld zu. Ungewöhnlich dabei: Die Tatzeit lag zwischen 6 und 6.30 Uhr und nicht - wie sonst die Regel - in der Nacht. Anfang November machten sich unbekannte Täter in Ellhofen an neun Fahrzeugen zu schaffen. Genau so viele Aufbrüche waren Ende Oktober in Eberstadt zu beklagen. Beilstein und Talheim mit jeweils vier Fällen tauchen ebenso in den Berichten der vergangenen Monate auf wie regelmäßig Abstatt mit sieben Autoaufbrüchen im August, vier im September und acht im November.
Die Tatorte haben eines gemeinsam: Sie liegen alle an oder in der Nähe der Autobahn. Die Täter sind meist schnell über alle Berge. Wer sie sind, das weiß die Polizei nicht. Es kommen Einzeltäter genauso in Frage wie organisierte Gruppen. In der Vergangenheit konnten Kriminelle aus Osteuropa und mit chilenischem Pass für solche Straftaten dingfest gemacht werden.
Die Aufbruch-Technik variiert. Mal wird ein Seitenfenster eingeschlagen, mal das Cabrio-Dach aufgeschlitzt, mal am Schloss manipuliert. Oder brachiale Gewalt angewendet und mit dem Brecheisen die (Bei-)Fahrertür aufgestemmt. "Rumänenknick" heißt das in Ermittlungskreisen.
Auf Radios und Wertgegenstände hätten es die Autoknacker früher abgesehen, heute gelte der High-Tech-Ausstattung das Augenmerk, schildert Weidemann den Wandel. Musikanlagen, CD-Wechsler, Subwoofer oder Navigationsgeräte erforderten mehr Zeitaufwand und technische Fertigkeiten bei den Dieben. Im Durchschnitt liege der Wert der Beute zwischen 100 und 1000 Euro, der Schaden am Wagen zwischen 100 und 300 Euro. Bei den Aufbruch-Serien geht die Polizei von Bestellungsdiebstählen aus.
Mit verstärkten Streifen nachts in Wohngebieten hofft die Polizei, Täter abzuschrecken oder zu entdecken. Wie kann sich der Bürger schützen? "Nichts im Auto lassen", rät Weidemann. Und es vor allem abschließen. Oder das Fahrzeug mit einer Alarmanlage ausstatten. Der Polizeisprecher appelliert an das "neighbourhood-watching", also an das wachsame Auge der Nachbarn. Wenn etwas Verdächtiges auffalle, lieber einmal zu viel die Polizei anrufen als gar nicht.
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