Zurück zu den Wurzeln
Obersulm/Löwenstein - Für Alexander Fichtner hat sein Forstrevier viele Reize

Obersulm/Löwenstein - Es ist nicht nur ein harter Winter gewesen, sondern auch ein arbeitsreicher Einstieg für Alexander Fichtner. Kaum hat der neue Leiter des Forstreviers Eschenau im vergangenen Jahr seine Stelle angetreten, ist es los gegangen mit dem Holzeinschlag. Jetzt ist diese Aufgabe erledigt. Nach drei Versteigerungsterminen in Löwenstein, Wüstenrot und Obersulm ist auch das Brennholz verkauft. "Es sind gute Preise zustande gekommen", ist der Verwalter des Gemeindewalds Obersulm, des Löwensteiner Stadtwalds, des Staats- und Privatwaldes auf diesen Gemarkungen zufrieden. Der 36-Jährige fühlt sich wohl an seiner neuen Wirkungsstätte, die näher bei der Verwandschaft und den Freunden im Bottwartal liegt als die frühere Stelle in Böblingen. "Was mir gefällt, sind die Berge, die Klingen, die Täler, der See und das Weinbaugebiet", stimmen für ihn die Rahmenbedingungen.
Nein, jeden Baum kennt er noch nicht, schüttelt der gebürtige Kleinbottwarer lachend den Kopf. Aber die Distrikte im 1400 Hektar großen Revier sind ihm nach einem dreiviertel Jahr gut bekannt. Die Struktur des Reviers mit den vielen Baumarten und Höhenlagen von 200 bis 520 Meter reizen den Mann, der schon als Kind gewusst hat, dass er Förster werden will. "Weil das der schönste Beruf der Welt ist", sagt Fichtner, der ein leidenschaftlicher Jäger ist und die Revierjagd betreut.
Aufgabenspektrum
Zwar fällt er keine Bäume − das erledigen die sieben kommunalen und staatlichen Waldarbeiter unter seiner Regie − dennoch ist der Forstamtmann drei Viertel seiner Arbeitszeit im Revier unterwegs. Mit der Sprühdose markiert er die Bäume, die krank oder "reif" zur Ernte sind, kümmert sich um die Jungbestandspflege, die Sicherung von Kulturen und die Holzauszeichnung. Arbeitsorganisation im Wald, Öffentlichkeitsarbeit und Betreuung der Kommunen zeugen davon, wie vielfältig der Beruf ist.
"Letztendlich ist man Richter im Wald", überlegt der Revierleiter. "Mit einem Farbstrich entscheidet man, dass ein 250 Jahre alter Baum umgesägt wird." Fichtner hat Ehrfurcht vor der Natur. Wenn man sehe, was ein Stamm auf dem Buckel habe, werde einem bewusst, was für ein kleines Licht man sei.
Klar, dass Stürme den Diplom-Forstingenieur unruhig machen. Xynthia hat jedoch keine Schäden angerichtet. "Die labilen Bestände sind durch Lothar und Wiebke ausgemustert worden. Was übrig geblieben ist, ist stabil." Der harte Winter habe dem Wald gut getan. Schädlinge seien zurückgedrängt worden, der Schnee habe das Wasser dosiert an den Boden abgegeben, die gefrorene Erde die Rückeschäden gering gehalten. "Und zum Schaffen ist es schön. Man schwitzt nicht so arg", sagt der Naturbursche, gegen Wind und Wetter gestählt.
Naturnaher Waldbau
"Back to the roots" − zurück zu den Wurzeln − propagiert Fichtner naturnahen Waldbau. Die Anforderungen der FSC-Zertifizierung beeinflussten zwar die Arbeit enorm, er verteidigt sie jedoch. Die ökonomischen Ziele in den Vordergrund rücken, ohne die Ökologie zu vernachlässigen, das ist sein Ziel. Vorgänger Otto Hahn hat nach 31 Jahren in Eschenau große Fußstapfen hinterlassen. Fichtner möchte nicht in sie treten. "Das ist für mich kein Thema. Er hat sich ehrenhaft zurückgezogen und schwätzt nicht mit rein", ist ihm wichtig. Bald haben er, seine Frau und sein fast zweijähriger Sohn ihren Wohnsitz im Revier, in der Seemühle in Löwenstein. Dort ist auch Platz für die fünf Hunde.

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