Wählen zwischen G8 und G9
Schüler, Eltern, Lehrer sagen, was sie wollen

Kampf mit G8-System Kira Marche, Schülerin, Oedheim
... dann wäre wohl doch nicht alles so einfach, wie ich mir das im ersten Moment vorstelle. Doch auch ich mache mir sehr viele Gedanken über die derzeitige Schulpolitik, da ich als Schülerin der Jahrgangsstufe 1, wie es jetzt so schön heißt, vor allem mit dem neuen G8-System zu kämpfen habe. Wir sind doppelt so viele Schüler als wir es kennen, was sich nicht nur in den Klassengrößen bemerkbar macht. Das größte Problem, das wir uns leider alle vor Augen halten müssen, ist unsere Zukunft. (...) Doppelt so viele Gymnasiasten kommen aus der Schule, mehr als sonst üblich bekommen Wartesemester und entscheiden sich doch eher für eine Lehre. Welche Lehrplätze bekommt dann noch ein Absolvent der Mittleren Reife oder der Hauptschule? Es führt zu einem Rattenschwanz, diese G8 Regelung. (...)
Einheitliche Schuluniform Dr. Ekkehard Grau, Heilbronn
... würde ich als erste Amtshandlung einen Erlass an alle Schulen des Landes Baden-Württemberg (...) herausgeben mit folgendem Inhalt: Vom ersten Tag der Einschulung an − über die ganze Schulzeit hinweg − muss der Schüler wissen, dass er nicht für den Lehrer, nicht für die Schule und nicht für die Eltern lernt, sondern ausschließlich für sich selbst. Das ist die wichtigste Erkenntnis für den Schüler überhaupt. (...) Die Schulzeit und das Lernen sind keine Spaßveranstaltung. (...) Außerdem würde ich auf Landeskosten eine Schuluniform in allen Klassen einführen, damit ein gutes Sozialverhalten und Gemeinschaftsgefühl gewährleistet ist. (...)
Länger schlafen Brigitte Breuninger, Gundelsheim-Obergriesheim
... würde ich Folgendes ändern: Schulbeginn am Morgen nicht vor 8.15 Uhr; Ganztagsschulen flächendeckend bis nachmittags 15 Uhr und damit keine Hausaufgaben; Stundenplan den heutigen Gegebenheiten anpassen und entrümpeln. Viele Sachen müssen so nicht gepaukt werden, Grundlagen schaffen, weitere Informationen erhält man heute alle im Internet. Unsere Kinder sind heute auf einem anderen Stand als noch vor 20 Jahren. Und, und, und...
Wer überwacht die Wächter? Marc Hornung
... würde ich ein Kontrollsystem für Lehrer einführen, das den Unterricht und die Lehrmethoden sowie deren Subjektivität überprüft und die dort herrschende Willkür unterbindet. (...) Lehrer ist ein Beruf, in dem Kinder eine zentrale Rolle spielen. Genau deshalb ist eine Grundvoraussetzung für den Lehrerberuf eine Grundzuneigung Kindern gegenüber. Die Realität sieht aber auch hier anders aus. (...)
Dreigliedrigkeit beibehalten Monika Janke, Heilbronn
... würde ich genau wie Frau Schick das dreigliedrige Schulsystem verteidigen und gegen alle Widerstände aufrecht erhalten − denn nur dort können alle Kinder/Jugendlichen nach ihrer Begabung individuell gefördert werden! Noch mehr betonen würde ich die Durchlässigkeit dieses Systems( "kein Abschluss ohne Anschluss") und dass das Heil der Welt nicht im Gymnasiumsbesuch nach Klasse 4 liegt (...) Außerdem sollte es keine Klassen mit mehr als 25 Schülern geben. Last but not least: Schule von 8.30 bis 15.30, für alle, montags bis freitags. (...)
Keine Schulschließungen Dr. Erhard Jöst, Heilbronn
... dann würde ich das G8-Experiment sofort stoppen und zum 9-jährigen Gymnasium zurückkehren; (...) die Privatisierungstendenzen stoppen (...); die Schließung von Schulen im ländlichen Raum verhindern, die mit der verkehrten Konzeption der Werkrealschule verbunden sind; die Lehrkräfte würdigen, damit ihre Arbeit in der Gesellschaft die verdiente Anerkennung findet. (...)
Benotung ändern Reinhold Henn, Talheim
... würde ich den Sportunterricht beziehungsweise die Benotung dessen an Gymnasien ändern. Es kann doch nicht sein, dass ein arroganter Sportlehrer zwei durchaus intelligenten, aber absolut unsportlichen Schülern mit seiner Sechs den Weg zum Abitur versperrt. Nur durch einen Schulwechsel kamen die beiden Schüler noch zum Abitur, konnten studieren und stehen heute erfolgreich im Berufsleben.
Mehr Sportunterricht Markus Wiedemann, Realschullehrer, Bad Friedrichshall
... hätten alle Schülerinnen und Schüler jeden Tag Sport.
Grundschulzeit verlängern Ralph Späth, Bad Rappenau
... würde ich die Grundschule auf sechs Jahre verlängern; die Noten in Englisch und im Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur in die Grundschulempfehlung einbeziehen; die Notendurchschnitte bei der Grundschulempfehlung für die weiterführenden Schulen verändern.
Mehr Vergleichbarkeit Jennifer Gern, Erlenbach
... (...) fände ich es wichtig, dass in der Oberstufe, zumindest in allen vierstündigen Fächern kursübergreifend dieselben Klausuren geschrieben werden. (...) Schließlich zählt jede geschriebene Klausur zum Abitur und schlägt sich so im Endzeugnis nieder. Hier wäre eine stärkere Transparenz doch wünschenswert. Jeder Lehrer hat unterschiedlich hohe Anforderungen und jeder Lehrer korrigiert anders. Das macht es sehr schwer, die Noten zu vergleichen. (...)
G8 besser durchdenken Anna-Lena Manderschied, Schülerin, Erlenbach
... dann würde ich einige Dinge ändern. (...) Ich würde wahrscheinlich das G8 abschaffen oder den Lehrplan so ausführlich besprochen werden. Es sollte mehr auf die Schüler und auch Lehrer eingegangen werden, denn diese haben dieses Konzept zu bewältigen. Prinzipiell hat dieses Konzept auch gute Seiten, allerdings ist der Übergang vom G9 zum G8 nicht geregelt. (...) Ein anderer Aspekt den ich erweitern würde, wären die Möglichkeiten für Schüler aller Schulen an Austauschprogrammen teilzunehmen, da meiner Meinung nach diese das Erlernen der Sprache, die Selbstständigkeit und auch das Selbstbewusstsein enorm verbessert. (...)
G8 teilweise abschaffen Sven Kadegge, Bad Wimpfen
... dann würde ich dafür sorgen, dass kein Grundschüler Mittagsschule haben muss, dass das G8-System an Gymnasien wieder teilweise abgeschafft wird und den Schülern die Wahl zwischen acht- und neunjährigem Gymnasium gegeben wird. Genauso würde ich es mit der Ganztagsschule handhaben, so dass nur die Schüler den ganzen Tag in der Schule bleiben müssen, die das auch wollen oder von zu Hause aus müssen. Das dreigliedrige Schulsystem würde ich beibehalten (...)
Gerechter Leistungsvergleich Carina Keicher, Erlenbach
... dann würde ich veranlassen, dass Schulnoten als gerechter Leistungsvergleich brauchbar sind. Die Abschlussprüfung an Haupt-, Realschulen und Gymnasien ist in ganz Baden-Württemberg jeweils identisch. Zweck dieser einheitlichen Prüfungen ist ein Vergleich der Schülerleistungen. Doch der Notenschnitt errechnet sich (...) zu einem großen Anteil aus dem gesamten Schuljahr und dort gibt es meiner Meinung nach ein großes Defizit an Gerechtigkeit. (...)
Weniger Ferien Julia Model, Weinsberg, berufstätige Mutter; Tochter, Enkelin von Lehrern
... würde ich eine Woche Ferien im Jahr streichen. Die berufstätigen Eltern hätten weniger Schwierigkeiten, ihre Kinder in den Ferien unterzubringen, und für den Lernstoff beziehungsweise die Projektwoche bliebe eine Woche mehr Zeit. Gerade im Zeitraum zwischen Faschingsferien bis Sommerferien wird der Unterrichtsrhythmus durch Ferien und Feiertage ständig unterbrochen, so dass das "Wiederreinkommen" nach den Ferien schwerer fällt und länger dauert, als wenn es weniger Pause geben würde. (...)
Mehr Praxis Ann-Kathrin Schork und Christian Saup, Neckarsulm
... dann würden wir zu allererst dafür sorgen, dass die Schüler auch an den Gymnasien im Land praxisorientierter und lebensnäher ausgebildet werden. (...) Des Weiteren sehen wir keine Notwendigkeit, Religionsunterricht aus dem Fächerkanon hervorzuheben. Wir sind der Meinung, dass bis zum 14. Lebensjahr die Eltern und danach die Schüler selbst entscheiden sollten, ob sie den Religions- beziehungsweise Ethikunterricht oder ersatzweise eine AG besuchen möchten. Somit wären die Schulen auch verpflichtet, ein breitgefächertes AG-Angebot bereitzustellen. (...)
Ministerium umkrempeln Nicole Müller, Schülerin, Oedheim
... würde ich als Erstes meine eigene Position und mein Ministerium völlig umkrempeln. Neuerungen wie die G8-Reform an Gymnasien wurden von Leuten geplant und beschlossen, die viel zu weit weg vom Schulalltag und den betroffenen Schülern sind. Denn was genau bringen uns Abiturienten, die perfekt auswendig lernen können, aber nicht mal einen Dreisatz beherrschen? Deshalb sollten im Ministerium Leute arbeiten, die "näher dran" sind, sollten Schüler befragt werden, was sie für sinnvoll und wichtig halten und sollten vor allem solche einschneidenden Reformen frei von irgendwelchen Interessen von Politikern entschieden werden. (...)
Beamtenstatus abschaffen Uwe Tiedemann
... würde ich dafür sorgen, dass die Kinder länger gemeinsam lernen, und nicht in der vierten Klasse getrennte Wege gehen; die Schulklassen bedeutend kleiner werden; es eine bessere Lehrerversorgung gibt; es echte Ganztagsschulen gibt und nicht nur Mittagessen und ein bisschen Hausaufgabenbetreuung; es ein Gesamtschulkonzept mit Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems gibt, G 8 wieder abgeschafft wird und dafür ein individuelles Klassenaufstiegssystem; es mehr engagierte Lehrer gibt (Abschaffung des Beamtensystems); (...) und, und, und...
Lebenspraktische Inhalte Gabi Benz-Herrmann
... würde ich den Beamtenstatus der Lehrer reformieren und eine leistungsorientierte Bezahlung einführen (...); würde ich festlegen, in welchem Zeitraum Klassenarbeiten zurückgegeben werden müssen (...); würde ich neue lebenspraktische Inhalte, wie zum Beispiel Grundlagen der Kindererziehung, Umgang mit Geld, Ernährung, Haushaltsführung... in die Lehrpläne aller Schulen aufnehmen. (...)
Kochen, Waschen, Nähen Tanja und Sonja Petri, Ober-, Christine Zwipp, Untereisesheim
... würden wir das G8 auf die freiwillige Basis zurücksetzen (...). Außerdem würden wir am Gymnasium ein Fach einführen, das den Schülern beibringt, wie man grundlegende Dinge im Haushalt bewältigt, wie Kochen, Waschen, Nähen, aber auch handwerkliche Dinge, wie ein Bild gerade an die Wand hängen oder sonstiges. (...)
Mehr Fachkompetenz Larissa Kruck, Schülerin, Neckarsulm
... würde ich das Thema G8 noch einmal überdenken. (...) In den meisten Kursen zeigen sich große Altersunterschiede, die von 16 bis 18 Jahre reichen. So werde auch ich mit 17 mein Abitur machen. (...) Mit 17 Jahren kann man sich weder eine eigene Wohnung nehmen, noch selbstständig Auto fahren und ist in der Geschäftsfähigkeit stark eingeschränkt. Deswegen werden die meisten Schüler nach ihrem Abitur nicht studieren gehen, sondern mit Auslandsaufenthalten oder Praktika die Zeit überbrücken. War dies das Ziel?


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