Schöne neue Kirchenwelt

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Kabarett präsentiert skurrile Szenen

Von Margit Stöhr-Michalsky
Das Freie Kirchen-Kabarett mit (von links) Ulrike Engelhardt, Geifertshofen, Andrea Sturm-Masanek, Weinsberg, Renate Meixner, Schwäbisch-Hall, Wolfgang Bayer, Fichtenberg, und Michael Scheiber, Michelbach/Bilz.Foto: Margit Stöhr-Michalsky
Das Freie Kirchen-Kabarett mit (von links) Ulrike Engelhardt, Geifertshofen, Andrea Sturm-Masanek, Weinsberg, Renate Meixner, Schwäbisch-Hall, Wolfgang Bayer, Fichtenberg, und Michael Scheiber, Michelbach/Bilz.Foto: Margit Stöhr-Michalsky

Weinsberg - Wenn alles im Wandel ist, geht die Zeit auch nicht an der Kirche vorbei. „Aufregend, bunt, kompromisslos, trendy“, so konnte sich das Freie Kirchen-Kabarett die schöne neue Kirchenwelt vorstellen. Alles handgemacht und selbst geschrieben, überzogen und provokativ, selbstkritisch und humorvoll trafen die fünf „Vollblutpfarrer“ den Nerv der Zeit und die Lachmuskeln der 130 Besucher im Erhard-Schnepf-Haus.

Wolfgang Bayer, Pfarrer in Fichtenberg, gründete vor vier Jahren mit Kollegen das Freie Kirchen-Kabarett. Mittlerweile tritt die Gruppe etwa vier Mal im Jahr in der Region auf. Am Klavier wurde sie von Hartmut Schreiber begleitet. Die Veranstaltung in Weinsberg fand im Rahmen der Mittendrin-Gottesdienste statt, die eine andere Form am Sonntagabend bieten.

Erste Szene: Im professionalisierten Kirchen-Personalmanagement-Büro findet der Coach das perfekte Profil des Stellen suchenden Pfarrers heraus. Wenn seine Neigungen und Hobbys auf dem Tisch liegen, könne er neben der 75-Prozent-Stelle als Pfarrer noch als Animateur oder als Tierbändiger im Tierpark arbeiten. Nächste Szene: Die Gottesdienste müssen modernisiert werden, sind sich die Akteure sicher. Die Pfarrerin könnte zum Beispiel das eintretende Ehepaar so begrüßen: „Willkommen, die zweite Reihe in der VIP-Lounge, wie immer?“ Dazu wählt die Frau zur prickelnden Predigt den passenden Champagner. Noch eine Möglichkeit mit der Zeit zu gehen: ein Psalmen-Rap im Gottesdienst mit der Anbetungs-Band.

Weitere skurrile Szenen zeigten ein Pfarrer-Fortbildungsseminar oder die TV-Runde mit den Kandidaten für das Kirchenparlament 2013. Finanznöte der Kirche riefen geradezu nach einem kreativen Einsparmodell. Mit dem hochmodernen Pilot-Klo der Landeskirche, das übliche Klos ersetzten sollte. „Hiermit könnte man 50 Pfarrstellen finanzieren“, lautete die kabarettistische Einlage. Die Spitze der Vorstellung einer schönen neuen Kirchenwelt setzte der Allda-Markt mit seinem Hochzeitsstand nebst Verkäufer und Katalog auf. Da galt es, das etwas teuere „Dekan-Model“ oder den „Event-Pfarrer“ auszusuchen - selbstredend mit Frühbucher-Rabatt.

„Überall in der Gesellschaft finden Umbrüche statt, auch in der Institution Kirche“, sagte die Weinsberger Pfarrerin und Kabarett-Mitglied Andrea Sturm-Masanek. Und wie in jedem Beruf gebe es auch hier Frusterlebnisse. Kabarett erlaube, kreativ und kritisch damit umzugehen und zum Nachdenken anzuregen. „Wir lachen oft und herzlich dabei.“

Nach oben  Nach oben