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Mörike-Gedicht im Kleid einer Kantate

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Dichtermuseum erhält eine Original-Partitur über den „alten Turmhahn“

Von Waltraud Langer
Freuen sich über die Partitur: Die Mitglieder des Vereins der Freunde des Mörike-Museums Cleversulzbach mit Bezirkskantor David Dehn (rechts).Foto: Waltraud Langer
Freuen sich über die Partitur: Die Mitglieder des Vereins der Freunde des Mörike-Museums Cleversulzbach mit Bezirkskantor David Dehn (rechts).Foto: Waltraud Langer

Neuenstadt - „Zu Cleversulzbach im Unterland, hundertunddreizehn Jahr ich stand“, beginnt eines der populärsten Mörike-Gedichte - der alte Turmhahn. Man kennt es fein rezitiert. Manch einer hat es schon im Stillen vor sich hingelesen. Aber gesungen? Dietrich Manicke, emeritierter Professor der Musikhochschule Detmold, hat im Zuge der Ordnung seines Nachlasses dem Freundeskreis Mörike-Museum die Original-Partitur einer von ihm komponierten Kantate über den Turmhahn vermacht.

„Der Stuttgarter Bezirkskantor Hans-Rudolf Krüger, er ist mit dem Komponisten persönlich bekannt, hat sich an die Stadt gewandt, und die haben uns verständigt“, sagt der Vorstand des Vereins, Werner Uhlmann. Er freut sich über die wertvolle und noch dazu kostenlose Bereicherung des Museums. Vor gut zwei Wochen kam der Stuttgarter Musiker im Auftrag von Dietrich Manicke vorbei und überbrachte das Werk: 86 Seiten, sorgfältig gebunden und wie gestochen beschrieben mit Noten aus der Tintenfeder.

1949 wurde es erstmals aufgeführt, und zwar im Rahmen der Dresdner Musiktage. Der berühmte Dresdner Kreuzchor stand zur Verfügung. Dirigent war Rudolf Mauersberger, ein Bruder des damaligen Thomaskantors in Leipzig.

Bezirkskantor David Dehn hat schon mal einen Blick auf die Partitur geworfen. „Farbig“, so sein Kommentar. „Er versucht den Text nachzuzeichnen mit romantischem Touch aber durchaus eigenständiger Tonsprache.“ Den Turmhahn als kleines weltliches Oratorium, aufgeführt am Wirkungsort des Dichters, mit einer Lesung und passender Instrumental- oder Vokalmusik - eine verlockende Vorstellung für den Mörike-Verein. „Das Werk ist musikalisch sehr anspruchsvoll“, meint David Dehn. Ein Kammerorchester, bestückt mit Pauken und Trompeten, ein Solotenor und ein vier- bis sechsstimmiger Chor sind vorgeschrieben. „Das braucht Saft“, so Dehn. Und wohl auch einiges an Geld. „Vielleicht könnten wir dafür Sponsoren gewinnen“, überlegt Werner Uhlmann. Aber das ist Zukunftsmusik.

Zunächst hat der Mörike-Verein für die Originalpartitur eine Vitrine freigemacht. Schriftführer Michael Speck verspricht eine Kopie zu organisieren, damit David Dehn das Werk am Klavier anspielen kann. Auch Museumsführerin Meta Merkle freut sich: „Bei meiner nächsten Führung werde ich den musikalischen Turmhahn gleich einbauen.“

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