Er hat die Stadt als Persönlichkeit geprägt

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Justinus-Kerner-Verein und Verwaltung legen zum 150. Todestag des Dichterarztes Kranz nieder

Von unserem Redakteur Joachim Kinzinger
An den Kernergräbern: (von links) Kerner-Vereins-Ehrenvorsitzender Emil Englert, die Kerner-Nachfahren Michaela Köhler, Ortwin Köhler, Gabriele Buchberger und die stellvertretende Bürgermeisterin Margit Frisch.Foto: Joachim Kinzinger
An den Kernergräbern: (von links) Kerner-Vereins-Ehrenvorsitzender Emil Englert, die Kerner-Nachfahren Michaela Köhler, Ortwin Köhler, Gabriele Buchberger und die stellvertretende Bürgermeisterin Margit Frisch.Foto: Joachim Kinzinger

Weinsberg - Wer zur Weibertreu oder auf den Geisterturm schaut, sieht die schwarze Flagge. Sie erinnert als Symbol an den 150. Todestag von Justinus Kerner (1786 − 1862). Gestern haben Kerner-Verein und Stadt zum Gedenken an den Arzt, Dichter und Retter der Burgruine einen Kranz an den Kernergräbern auf dem Weinsberger Friedhof nieder gelegt. "Die Faszination der Persönlichkeit Justinus Kerners hat bis heute kaum etwas eingebüßt", sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Margit Frisch.

Nachfahren Rund 30 Bürger, darunter die direkten Kerner-Nachfahren Michaela Köhler und ihr Sohn Ortwin aus Großerlach sowie Gabriele Buchberger aus München sind dabei. Der Kranz mit weißen Nelken, Chrysanthemen sowie blau-weißen Bändern steht neben der Grabplatte von Friederike und Justinus Kerner.

Margit Frisch erinnert an die Persönlichkeit Kerners, der über Jahrzehnte das geistige und gesellschaftliche Leben Weinsberg entscheidend und nachhaltig geprägt hat. Nicht nur als romantischer Dichter und Arzt, sondern vor allem als Mensch. Er habe in Weinsberg "ein großes Leben versammelt". Dessen Engagement für die Geschichte der Stadt, für die Rettung und Erhaltung der Burgruine und die Gründung von Vereinen haben sich laut Frisch "äußert befruchtend auf unser Gemeinwesen ausgewirkt" und die Stadt weit über die Landesgrenzen bekannt gemacht.

Zum 150. Todestag hat der Weinsberger Historiker Dr. Bernd Liebig unter dem Titel "Die Endlichkeit in der Romantik" einen Beitrag über die letzten Lebensjahre des Dichters und Arztes verfasst. Den eigenen Tod habe er nicht gefürchtet, den seiner geliebten Ehefrau Friederike umso mehr, die am 16. April 1854 starb. "Die Kraft, an ihrer Beisetzung teilzunehmen, brachte er nicht auf", betont Liebig. 1859 erschien Kerners letzter Gedichtband "Winterblüthen". Er litt im hohen Alter unter Schlaflosigkeit, Gicht, verlor zunehmend die Sehkraft durch Grauen Star. In der Nacht vom 21. auf den 22. Februar 1862 starb Kerner bei vollem Bewusstsein, "nachdem er allen Umstehenden die Hand gegeben und sie zu gegenseitiger Liebe ermahnt hatte", so Liebig. Seine letzten Worte waren: "Herr, dein Werk ist vollbracht." Und kurz darauf: "Gute Nacht, gute Nacht, schlaft alle wohl."

Wille Seinen letzten Willen verfasste der Dichter 1850: "Meine Leiche soll man in aller Stille ohne Gesang und Klang wie die meines Vaters begleiten." Keine Reden am Grab, ein stilles Vaterunser. 1857 fügte er hinzu: Die Ruhestätte soll von einem liegenden Grabstein bedeckt werden, kein Blumenschmuck, nur Efeu, welches das Grab wild umrankt. So ist es noch heute. Am 24. Februar 1862 trugen Weinsberger Bürger den Sarg durch die Stadt zum Friedhof, gefolgt von einem langen Zug der Trauergäste. Als Zeichen der Trauer wehte eine Woche die schwarze Fahne von Weibertreu und Geisterturm. So wie jetzt.

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