Der Kiosk wird abgerissen

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Vera Vogt schließt ihr Geschäft − Stadt wartet auf Nutzungskonzept für Bahnhof

Von Joachim Kinzinger
Direkt neben dem Weinsberger Bahnhofsgebäude liegt der Kiosk mit kleiner Bahnhofsgaststätte.Fotos: Joachim Kinzinger
Direkt neben dem Weinsberger Bahnhofsgebäude liegt der Kiosk mit kleiner Bahnhofsgaststätte.Fotos: Joachim Kinzinger

Weinsberg - Die Eistruhe brauche ich nicht mehr", sagt Vera Vogt traurig. Zwei Arbeiter tragen sie weg. Der Bahnhofskiosk in Weinsberg gehört bald der Vergangenheit an. "Ich muss am 14. Dezember nach 32 Jahren mein Geschäft schließen", lesen Kunden am Aushang. Die kleine Bahnhofsgaststätte wird abgerissen. Zur zukünftigen Nutzung des Bahnhofsgebäudes gibt der Käufer keine Stellungnahme ab: "Ich erstelle ein Konzept, mehr möchte ich dazu nicht sagen."

Klausel Seit 1954 steht der Kiosk neben dem Bahnhofsgebäude. 1978 hat ihn die Sülzbacherin Vera Vogt gekauft. "Für 40 000 Mark", erzählt die heute 56-Jährige. Das Grundstück bleibt im Eigentum der Bahn. "Sie hat mir es nie verkauft." In Vogts Vertrag steht die Klausel, dass sie nach einer Kündigung den ursprünglichen Zustand herstellen lassen muss. Im Klartext: Alles abreißen. Ende des vergangenen Jahres flattert ihr die DB-Kündigung ins Haus: auf Ende 2010. Seit Januar zahlt die Kioskbesitzerin die "Bodenpacht" an den neuen Eigentümer, einen städtischen Physiotherapeuten.

In über 30 Jahren hat Vera Vogt rund um den Bahnhof viel erlebt. Sie ist ab 5.45 Uhr vor Ort, wenn die Pendler auf dem Weg zur Arbeit eine Zeitung oder eine Zeitschrift kaufen. Sie gibt Süßigkeiten oder Eis aus, die Schüler morgens oder mittags verlangen. Und ist für die Stammgäste da, die ab 9 und 10 Uhr kommen. "Das ist sehr schlecht, dass sie aufhört", sagen ein Grantschener Rentner und ein Weinsberger. Denn im kleinen Raum ist das Rauchen gestattet.

"Es hat sich rumgesprochen, dass ich aufhören muss", erzählt die Sülzbacherin. Deshalb hat Vera Vogt auch den Aushang ans Kioskfenster zum Dank an die "treuen Kunden" befestigt. Und im Weinsberger Rathaus ihr Gewerbe zum 14. Dezember abgemeldet. "Bahnhofsgaststätte, Zigaretten, Zeitschriften", so lautete die Erlaubnis. Für Baurechtsamtsleiter Thomas Goth hat die Stadt mit dem Aus des Kiosk nichts zu tun: "Die Bahn hat das Gelände verkauft."

Was passiert dann mit dem Bahnhofsgebäude? Wird es bald umgebaut? Welche Ideen werden realisiert? "Es liegen noch keine Planungen vor, die zur Baugenehmigung führen könnten", so formuliert es Goth. Der neue Eigentümer lässt sich nicht in die Karten schauen: Ein Konzept werde erstellt.

Belebung Der Weinsberger Bürgermeister Stefan Thoma hofft, dass die schriftlichen Pläne demnächst in der Verwaltung eingereicht werden. Das habe ihm der neue Besitzer angekündigt. "Wir warten darauf, der Bahnhof ist derzeit wahrlich kein Aushängeschild", betont der Stadtchef. Die Umgestaltung soll auch zu einer Belebung des Bahnhofsvorplatzes beitragen.

Bei der hauchdünnen Entscheidung des Weinsberger Gemeinderats im Sommer 2009 zum Bahnhofverkauf habe der jetzige Besitzer bei seiner Präsentation eine Konzeption von Praxis und gastronomischer Mitnutzung in Aussicht gestellt, erklärt Thoma. Damals lehnte das Gremium Barfüßer ab. Der Gastronom hat sich seit Juni mit seinem Barfüßer Haxenkeller im früheren Traubenkeller und auf dem Traubenplatz etabliert. Auch ein Radlerhotel wollten die Räte damals nicht.

Wie es im nächsten Jahr weiter geht, weiß Vera Vogt noch nicht. Sie hat sich schon in der Gastronomie umgehört. Mit 56 Jahren ist es kritisch. Mehrfach hat sie schon telefoniert. Aber: "Sie fragen nach dem Alter, dann ist es gegessen."

Vera Vogt ist traurig: Nach 32 Jahren muss sie ihren Kiosk schließen.
Vera Vogt ist traurig: Nach 32 Jahren muss sie ihren Kiosk schließen.
Zwei Arbeiter tragen die Eistruhe weg. Sie wird nicht mehr gebraucht.
Zwei Arbeiter tragen die Eistruhe weg. Sie wird nicht mehr gebraucht.
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