Abtransport nach Asien
Von Obersulm aus werden Holzstämme nach Hokkaido verschifft

Obersulm - Blau züngelt die Flamme des Gasbrenners von Georg Matreux über die Schnittflächen der Buchenstämme. Mit dem Brenner treibt der Holzschützer aus Rechtenbach die Feuchtigkeit aus den Stämmen. Neben seinem Auto brodelt auf einem Gas-Stöfchen heißes Parafin in zwei Blecheimern und erfüllt die Luft auf dem Eichenholzlagerplatz der Gemeinde Obersulm mit einem intensiven Wachsgeruch.
Behandlung Mit Pinsel und flüssigem Paraffin versiegelt Matreuxs Mitarbeiter Dietmar Nübel die Schnittflächen der gefällten Bäume. „Das ist gegen die Verstockung“, erklärt Holzschutzspezialist Matreux. Er macht im Auftrag der Firma Mohl und Ohnemus aus Bremen, die das Holz beim Forstamt des Landkreises gekauft hat, die Stämme für ihren Transport nach Japan und China versandfertig.
Dadurch, dass die Feuchtigkeit aus dem Holz „gebrannt“ und die Schnittflächen mit Paraffin versiegelt werden, wird verhindert, dass Pilzkrankheiten das Holz befallen und die wertvolle Fracht beschädigen. Einen ganzen Tag brauchen die zwei Spezialisten, um rund 450 Buchenstämme – das entspricht in etwa 300 Festmetern – zu behandeln.
Bereits beim Holzhieb haben die Forstwirte S-Haken aus Eisen in die Schnittflächen der Stämme geschlagen, um ein Springen des Holzes zu verhindern. Zwei Tage später rollen fünf Lkw mit Überseecontainern zum Obersulmer Holzlagerplatz. Forstunternehmer Andreas Reinfurt aus Wertheim hat das Holz im Auftrag des Käufers aus Beilstein, Weinsberg und Obersulm zum Lagerplatz gefahren. Jetzt verlädt er mit seinem mobilen Langholzkran die Buchenstämme in die Container.
Möbelindustrie Es ist faszinierend, wie er mit dem Kranarm und dem rundum beweglichen Greifer hantiert, die Stämme aus dem Polter sortiert und die tonnenschweren Stämme in die Container „stopft“. 18 Meter lang ist der Container auf dem 40 Tonner-Lkw von Fahrer Vasily Makarev von der Spedition SCT, die den ersten Teil des Holztransports bis nach Stuttgart übernimmt. „Den kann ich nur zur Hälfte füllen“, sagt Andreas Reinfuhrt.
Mit einer Waage am Kranarm kann er das Gewicht ermitteln. Maximal 36 Tonnen dürfen in jeden Container verladen werden. Wo sonst die Gemeinde Obersulm ihr Eichenholz lagert, liegen jetzt Buchenstämme aus verschiedenen Landkreisgemeinden. „Das Holz hat einen Wert von rund 25 000 Euro“, sagt Jürgen Kuhn, im Forstamt beim Landratsamt Heilbronn für den Holzverkauf zuständig. Thomas Zwanzger, der Einkäufer von M&O, hat die Stämme nach ihren vier Qualitätsstufen und nach Empfänger farblich gekennzeichnet.
„Die werden zu Furnier geschält und sind hauptsächlich für die Möbelindustrie gedacht“, erläutert er den Verwendungszweck des Buchenholzes aus dem Landkreis Heilbronn. 90 Prozent gehen nach Japan, zehn Prozent nach China. Für den Landkreis Heilbronn ist der Holzversand nach Japan eine Premiere. Ziel des Buchenholzes, das in Bremen verschifft wird, ist Hokkaido.
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