Stimme+
Weinsberg

Osterbrot fürs Frühstück und fürs Abendmahl

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Schon am Mittwoch vor Ostern ist in Gellmersbach erstmals der typische Rauch über dem Backhaus zu sehen: Schon seit vielen Jahren gibt es dort eine "Osterbrot-Backaktion" mit Susanne Weingart-Fink.

Von Karin Freudenberger
Susanne Weingart-Fink knetet den Teig nochmals durch, bevor er in den Ofen geschoben wird.
Fotos: Karin Freudenberger
Susanne Weingart-Fink knetet den Teig nochmals durch, bevor er in den Ofen geschoben wird. Fotos: Karin Freudenberger  Foto: Freudenberger

Schon am Mittwoch vor Ostern ist in Gellmersbach erstmals der typische Rauch über dem Backhaus zu sehen: "Heizer" Reinhold Bayer feuert den Ofen als erste Hitzegrundlage für das Osterbrot backen an. Den zweiten Temperaturschub gibt"s dann am Gründonnerstag. Ab 9 Uhr folgt der nächste Einbrand mit Rebenbüscheln, die für eine gleichmäßige Temperatur beim späteren Backen sorgen. Parallel dazu geht in den Küchen einiger Gellmersbacher Hausfrauen ein eifriges Mischen, Rühren und Kneten los: Die Bäckerinnen bereiten den Teig fürs Osterbrot vor.

Wie schon seit vielen Jahren liegt die Federführung bei Susanne Weingart-Fink, der Vorsitzenden des Kirchengemeinderats. "Ich habe meine Kindheit auf einem Bauernhof nahe Schwäbisch Gmünd verbracht, und wir haben immer Brot im Backhaus selbst gebacken", führt sie ihre jahrzehntelangen Erfahrungen ins Feld. Was sie dabei alles von ihrer Mutter gelernt hat, gibt sie gerne weiter, seit sie in Gellmersbach wohnt. Dazu zählen am Gründonnerstag auch einige Flammkuchen und süße Kuchen, die als erstes hinter der Ofentür verschwinden und schon fertig sind zum Probieren für alle, die mit eigenem Teig kommen. Darunter natürlich auch Pfarrersfrau Ingrid Vogt mit ihrer Familie.

Oder Brigitte Barthau, die gleich mit mehreren Formen den Tisch im Backhaus belegt. Auch ein leckerer Kartoffelkuchen gehört dazu, für den sogar ihr Sohn extra aus Fürstenfeldbruck wieder an Mamas Tisch kommt. "Ich mische beim Brot unter das Weizen- und Roggenmehl noch ein paar Tropfen Olivenöl, dann schmeckt es wie Ciabatta", nennt sie ein Spezialrezept. Und holt gleich noch weit aus in die Vergangenheit, die kein Zuckerschlecken war. Sie erzählt, wie ihre Schwiegermutter Hilde Barthau vor rund einem halben Jahrhundert manchmal frühmorgens noch in der Dunkelheit zuerst ins Backhaus ging und dann zum Melken in den Stall.

Als gerade die ersten der rund 20 Brote im Ofen verschwunden sind, kommt Vincenz Schelling mit einem großen "Paket". Um die Hefe nicht zu erschrecken, hat seine Frau Gudrun die Brotform in eine dicke Wolldecke eingepackt. Während Schelling wartet, werden Rezeptideen für die Feiertage ausgetauscht. Er erzählt, wie es am Nachmittag gleich weitergeht mit den Festvorbereitungen: "Wir machen auch die Maultaschen selbst." Dazu gehören natürlich sowohl vegetarische mit Spinat als auch Fleischtaschen zum Einfrieren. Selbstverständlich mit untergemischtem Bärlauch! Worauf sich unter den Wartenden weitere Diskussionen entspinnen über die besten Bärlauchplätze der Region und über Rezepte.

Aus Heilbronn ist Monika Deckert gekommen, um eine Backlektion zu lernen. Sie singt bei Weingart-Fink im Chor der Bonhoeffer-Gemeinde und hat in deren Küche nun den ersten Brotteig ihres Lebens geknetet. Genauer gesagt sogar drei verschiedene. "Wir haben Roggenbrot, Sechskornbrot und Weizenvollkornbrot vorbereitet", so Weingart-Fink. Bevor die Laibe im Ofen verschwinden, werden sie rasch noch einmal kräftig durchgeknetet und mit etwas Mehl bestäubt. "Die ersten Schnitten bringe ich schon zum Abendmahl am Gründonnerstag in Sontheim mit", verrät Susanne Weingart-Fink. Als Extra-Idee für ihre beiden Chöre in Sontheim und Gellmersbach könnte sie sich beim nächsten Backen vor Weihnachten eine kulinarische Chorprobe vorstellen. Singen, Kneten und Backen im Wechsel würde das dann bedeuten. Späteres Naschen inbegriffen. Wenn das nicht schon an Ostern die Vorfreude aufs Weihnachtsfest steigert...

Susanne Weingart-Fink schiebt gemeinsam mit Brigitte Barthau und Ingrid Vogt (von links) die Brote in den Backofen.
Susanne Weingart-Fink schiebt gemeinsam mit Brigitte Barthau und Ingrid Vogt (von links) die Brote in den Backofen.  Foto: Freudenberger
Nach oben  Nach oben