Lichtenstern und seine Menschen im Herzen behalten
Evangelische Stiftung verabschiedet den langjährigen Werkstattleiter Nikolaus Pflanzer in den Ruhestand.

Alle 246 Mitarbeiter der Lichtensterner Werkstätten, viele Freunde, Wegbegleiter, Familienmitglieder und andere Gäste haben bei einer emotionalen Veranstaltung Werkstattleiter Nikolaus Pflanzer in den Ruhestand verabschiedet. Seit April 1985 hatte der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau in Lichtenstern gewirkt, am 31. März 2016 war sein letzter Arbeitstag.
"Bevor er kam, waren wir mehr oder weniger ein Bastelladen, heute sind wir ein Partner der Industrie, beliefern Firmen wie Würth, Schweikert oder Kaco mit bei uns montierten Teilen", würdigte Josef Gmoser, dienstältester Werkstattmitarbeiter, die Verdienste seines ehemaligen Chefs. "Als ich vor 31 Jahren hier angefangen habe, war meine Motivation zu helfen groß, heute weiß ich, mir wurde geholfen, und dafür bin ich Euch allen sehr dankbar", sagte Nikolaus Pflanzer.
Grenzen
Bereits an seinem ersten Arbeitstag sei er an seine Grenzen gestoßen. "Ich wollte auf einer Wohngruppe einem Bewohner beim Anziehen helfen, dafür kassierte ich von ihm eine schallende Ohrfeige", berichtete der Neu-Ruheständler. Da seien ihm Zweifel gekommen, ob er am richtigen Ort sei. Aber seine Frau habe ihm gut zugeredet, und er sei am nächsten Tag wieder in der Wohngruppe erschienen.
Offenheit
"Die Zeit in Lichtenstern war für mich eine wertvolle persönliche Erfahrung, ich habe bei den Menschen hier wichtige Werte wie Offenheit, Ehrlichkeit, Direktheit, Liebe, herzlichen Optimismus, Humor und Freude am Leben schätzen gelernt", erklärte Pflanzer. Er habe begriffen, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit etwas Besonderes sei. "Dies ist der größte Erfolg meiner beruflichen Laufbahn, die ich in dem guten Gefühl beende, etwas bewegt zu haben." Er freue sich, dass sich Jürgen Keinert der Herausforderung der Werkstattleitung stelle - aber dieser habe ja die besten Mitarbeiter. Nun werde er mit seiner Frau Sigrid, die am Vortag in Rente gegangen sei, einen Neuanfang machen. Geplant sei ein Urlaub mit dem Wohnmobil.
"Sie alle signalisieren mit ihrem Kommen, dass auch Sie von dem Credo unserer Werkstattleiter, dass jeder Mensch ein Recht auf Arbeit hat, überzeugt sind", betonte Sybille Leiß, Vorstandsvorsitzende der Stiftung. "Vertrautheit, Klarheit, Verantwortungsgefühl und ganz viel Zuneigung zu den Menschen, diese Worte kommen mir in den Sinn, wenn ich an Sie denke", sagte Leiß. Alles münde in den einen Satz, den Pflanzer immer wiederholt habe: "Ich bin ein Teil von Lichtenstern." Er sei Vorbild für seine Mitarbeiter und stehe für viele Projekte, die er angestoßen und im Team umgesetzt habe.
Immer wieder brandete im Saal spontaner Beifall auf. Jürgen Czupalla, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, würdigte die Verdienste Pflanzers um die Rehabilitation und Inklusion von Menschen mit Behinderung. Die Grüße des Werkstattrats überbrachte Rene Höper. Robert Rühle am Klavier und seine Tochter Sarah mit der Violine umrahmen die Feier mit mehreren klassischen Musikstücken. Ein Abschiedsständchen spielt Lichtenstern-Bewohner Benny Ruoff auf seiner Mundharmonika.
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