Häckselplatz wird als Müllhalde missbraucht

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Gelände ist nicht eingezäunt und bereitet Gemeinde deshalb Probleme

Von Gustav Döttling
Teppich gefällig? Bauhofleiter Bernd Schmidt zieht einen Teppich aus dem Schnittgut, den jemand auf dem Lehrensteinsfelder Häckselplatz entsorgt hat.Foto: Döttling
Teppich gefällig? Bauhofleiter Bernd Schmidt zieht einen Teppich aus dem Schnittgut, den jemand auf dem Lehrensteinsfelder Häckselplatz entsorgt hat.Foto: Döttling

Lehrensteinsfeld - Manfred Berg startet den 80-PS-Traktor mit Frontlader und Kippschaufel der Gemeinde Lehrensteinsfeld. Mit Schwung fährt der Bauhofmitarbeiter in einen Haufen mit Reisig und Ästen und schiebt ihn zu dem großen Berg mit Hecken- und Baumschnittabfällen, der sich im hinteren Teil des kommunalen Häckselplatzes türmt. „Riechen Sie das?“, fragt Bauhofleiter Bernd Schmidt Bürgermeister Björn Steinbach. „Das ist Kompost und hat eigentlich auf einem Häckselplatz nichts verloren“, erklärt Schmidt den modrigen Geruch. Der Häckselplatz in Lehrensteinsfeld ist einer der wenigen Häckselplätze im Landkreis, der noch nicht eingezäunt ist. „Das wird oft schamlos ausgenutzt“, sagt Schmidt und zieht einen alten Teppich aus dem Reisig, den ein gedankenloser Mitbürger „entsorgt“ hat.

Der Häckselplatz und der Feldweg, der zu ihm führt, bereiten der Gemeinde zunehmend Sorgen. Ursprünglich als Reisigplatz ausschließlich für Lehrensteinsfelder gedacht, missbrauchen immer mehr gewerbliche Nutzer und Bürger, die ihren Müll, Kompost und Kleintiermist kostenlos entsorgen wollen, die abgelegene Einrichtung. „Die kommen von überall her“, glaubt Schmidt, dass der Häckselplatz von „Anlieferern“ aus dem ganzen Landkreis angefahren wird. „In der Hauptzeit bin ich bis zu sechs Stunden pro Woche im Einsatz“, berichtet Manfred Berg. Sonst würden zwei Stunden in der Woche zum Schieben und Aufräumen reichen. Plastiksäcke, Pflanzkübel aus Ton und Plastik landen auf dem Platz.

Den gröbsten Müll, ganze Baumwurzeln und dicke Holzstämme holt Berg mit dem Frontlader aus dem Reisigberg. „Das ist nicht nur für die Gemeinde ein großes Ärgernis, das uns einiges an Zusatzkosten beschert“, sagt Bürgermeister Björn Steinbach. Oft würde das Schnittgut so dicht an den angrenzenden Weinberg gekippt, dass die Weingärtner diesen nicht richtig bearbeiten könnten.

Schlaglöcher Der Zustand des Feldwegs hat dem Bürgermeister bereits eine Anfrage im Gemeinderat eingebracht. In zahllosen Schlaglöchern sammelt sich das Regenwasser. „Ein Sachverständiger hat uns gesagt, die Schlaglöcher kommen nicht von der landwirtschaftlichen Nutzung sondern von den vielen Pkw, die Schnittmaterial anliefern“, sagt der Bürgermeister.

Plastikschnipsel Jetzt lässt die Gemeinde den Feldweg auf 600 Metern für 2000 Euro mit 80 Tonnen Schotter reparieren. Zwei Mal im Jahr kommt die Häckselmaschine aus Bad Rappenau und macht das Schnittgut klein. „Wegen der Plastikschnippsel wollen manche Landwirte das Häckselgut gar nicht mehr abholen“, weiß Schmidt.

Wie lange es den Lehrensteinsfelder Häckselplatz noch gibt, ist ungewiss. „In Ellhofen wird ein umzäunter Häckselplatz gebaut, der so dimensioniert ist, dass Lehrensteinsfeld ihn mitnutzen kann“, sagt Klaus Waidelich vom Amt für Abfallwirtschaft des Landkreises Heilbronn. Dann wolle man im Einvernehmen mit der Gemeinde entscheiden, ob und wann der Lehrensteinsfelder Platz geschlossen wird. Für die Häckselarbeiten auf seinen 40 Häckselplätzen hat der Landkreis 500 000 Euro im Haushalt stehen. Für die Pflege der Container- und Häckselplätze erhält Lehrensteinsfeld eine Pauschale von 1,75 Euro pro Einwohner. Das summiert sich auf 3671,50 Euro. Seine Personal- und Maschinenkosten für die Betreuung des Platzes schätzt der Bürgermeister auf rund 10 000 Euro pro Jahr.

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