Erholung pur ohne Strand und Palmen
Ferien der etwas anderen Art bietet der Familienurlaub in der Evangelischen Tagungsstätte

LÖwenstein - Anita Rietzler liegt auf dem Bauch, den Kopf auf ein Handtuch gebettet. Der Raum ist erfüllt von sanfter Musik. Anita Rietzler genießt die vierhändige Massage, die ihr Ursula Siller und Karla Bolyn verabreichen. Alle drei sind Teilnehmerinnen eines Sommerurlaubs der etwas anderen Art: der Familienfreizeit in der Evangelischen Tagungsstätte Löwenstein (ETL). Manche kommen von weit weg, für viele aber ist es ein Urlaub vor der eigenen Haustür.
Abschalten Strand, Palmen, Meer? Braucht Anita Rietzler nicht. Und auch die räumliche Nähe zu ihrem Wohnort Weinsberg stört sie nicht: „Ich kann trotzdem abschalten.“ Mit drei ihrer vier Kinder genießt sie in Löwenstein Übernachtungen und Vollpension. „Die Kindern finden das schön hier. Sie können Fußball und Beachvolleyball spielen oder kegeln.“ Was ihr besonders gefällt an der neuntägigen Familienfreizeit: „Für jedes Alter ist etwas dabei.“
Da die ETL ein kirchliches Bildungshaus ist, werden natürlich auch christliche Themen behandelt. Es gibt Andachten oder Familiengottesdienste. Aber nicht nur: „Es ist ganz bewusst keine reine Bibelfreizeit“, sagt der Theologische Leiter der ETL, Steven Häusinger. Er leitet auch den Familienurlaub. Jedes Jahr hat dieser ein anderes biblisch-kulturelles Doppelthema. 2007 heißt es „Ägypten - die antike Welt am Nil und Josefsgeschichten“. Im kulturellen Bereich geht es um das alte Ägypten. „Die Kinder malen zum Beispiel ägyptische Götter.“ Ist das nicht ein bisschen ketzerisch? Häusinger verneint. „Grenzüberschreitungen sind manchmal wichtig.“ Dann wisse man besser, wo man selbst steht.
Es gibt aber auch noch Zeit für eigene Unternehmungen und für andere Angebote und Workshops: Filzen, Aquarellieren, Walking oder Handwerken mit Ytong-Steinen zum Beispiel. Kinder und Jugendliche haben oft ihr eigenes Programm.
Beim Gipsen zum Beispiel. An diesem Morgen ist die zehnjährige Miriam aus Grenzach an der Grenze zur Schweiz an der Reihe. Die anderen haben Tücher in Gips getaucht und sie ihr um den Oberkörper gelegt. Jetzt liegt Miriam auf dem Boden und wartet, bis die Masse trocken ist und man den Abdruck abnehmen kann. Juckt’s? „Nein. Unbequem ist es auch nicht.“ Und langweilig schon gar nicht. Hier gibt’s viel zu lachen. Die Freizeit richtet sich nicht nur an die klassische Familie. Willkommen seien „Familien in allen Konstellationen, also auch Alleinerziehende, Patchwork-Familien, Großeltern mit ihren Enkeln oder nur Großeltern“, sagt Häusinger. Knapp 40 Leute zwischen fünf und 89 Jahren sind es dieses Mal. Ausgebucht ist der Urlaub nicht. Woran liegt das? Häusinger vermutet: Der Urlaub in der Region sei öfter ein Zweiturlaub. Den aber könnten sich immer weniger Menschen leisten. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker.“ Mangelnde Attraktivität sei jedenfalls kein Grund, warum es seit ein paar Jahren nicht mehr so viele Teilnehmer sind.
Dafür ist Ursula Siller aus Bitburg der Beweis. Schließlich ist sie schon zum zehnten Mal dabei. Pluspunkte für sie: „Die Kindern werden gut betreut. Außerdem lernt man interessante Leute kennen, die einem noch Wertschätzung entgegen bringen.“
Erholung Das klassische Urlaubsidyll mit Palmen und Strand - auch Markus und Melanie Holzwarth sowie ihre Töchter Celine (7) und Justine (10) aus Wüstenrot vermissen es nicht. „Wir erholen uns hier genauso“, sagt Markus Holzwarth, während er zwei kleine Mäuse filzt - eine für die Kinder, die andere für die Küche. Zum ersten Mal sind die Holzwarths beim Familienurlaub dabei - und begeistert. „Die Betreuung ist gut, und es gibt viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen.“


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