Dinner for One: Es ist angerichtet
"Dinner for One" mit brillantem Butler: Der echte James quittiert die Aufforderung von Miss Sophie, sie ihn ihr Schlafgemach zu geleiten, nur mit einem Augenzwinkern. Nicht so der Butler auf der Theaterbühne in der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg.

Der echte James quittiert die Aufforderung von Miss Sophie, sie in ihr Schlafgemach zu geleiten, nur mit einem Augenzwinkern. Nicht so der Butler auf der Theaterbühne in der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg. Der grinst übers ganze Gesicht spitzbübisch nach dem berühmten Refrain "The same procedure als every year, James" - und ist voller Zuversicht, auch das noch leisten zu können, was nach dem 90.-Geburtstag-Schmaus von ihm erwartet wird. "Well - I"ll do my very best", lallt er den Schlussakkord in dem skurrilen Dinner-for-One-Sketch, Silvester-Renner im Fernsehen seit den 1960ern.
Bravo-Rufe
Andreas Jäger ist in der Weihnachtsproduktion des Theatervereins Weinsberg eine brillante Kopie des englischen Komikers Freddie Frinton. Mit Bravo-Rufen, begeisternde Pfiffen und langem Beifall belohnt das Premierenpublikum die Darsteller, ehe es sein eigenes Dinner mit dem Original-Dessert - fruits - abrundet. Gespannt ist nicht nur Dr. Uwe Deuster, der mit Sabine Trinckauf Regie führt, auch die Zuschauer wissen nicht so genau, worauf sie sich da am Donnerstagabend einlassen.
Ungewöhnlich die Location im Maische-Abtropfraum. Zwischen Weintanks und unter dem Rohrleitungssystem an der Decke nehmen sie an Tafeln, mit weißen Tischtüchern stilvoll eingedeckt, Platz. Drei Kronleuchter und viele Teelichter tauchen die nüchterne Industriehalle in ein anderes Licht. Gegen die Kälte sind die 65 Premierengäste eingemummelt in Mantel, Schal und Decken. Die Mulligatawny-Soup - auch für den Ellhofener Caterer, Metzger Dieter Reinhardt, eine Premiere - wärmt von innen.

Andreas Jäger, Michael Thelo und Petra Schlampp müssen sich erst warmlaufen, ehe das Vorspiel "Dinner for One - wie alles begann" an Fahrt gewinnt. Dann geht"s rasant zu beim Casting für die Butler- und Miss-Sophie-Rolle. Dem Regisseur, den Thelo mal arrogant herablassend, mal überfordert angesichts des widerspenstigen Schauspielers Klaus gibt, drohen die Fäden aus der Hand zu gleiten.
Köstlich die Antigone-Monologe Jägers, der sich in Rage spielt, amüsant das Gezänke mit seiner Partnerin, Schickse Elvira. Das Gekeife setzt sich als Überraschungseffekte im "zweiten Akt", dem Dinner-Klassiker, fort, in dem Thelo stilecht der Conférencier gelingt - in der tollen Kulisse eines Herrenzimmers.
Jäger haut die Hacken zusammen, röhrt das "Skål!" als Admiral von Schneider, piepst das "Happy-New Year, Miss Sophie" von Mr. Pommeroy, schenkt im Sprung Sir Toby nach, rattert die ausschweifenden Tiraden als Mr. Winterbottom herunter - und trinkt und trinkt, Runde für Runde. Jeden Running Gag beherrscht der Laiendarsteller perfekt, natürlich auch das Stolpern über den Tigerschädel. Jäger lebt diesen Butler mit wehenden Rockschößen und Seemannstorkeln.

Gesamtpaket
"Super gespielt, es hat alles geklappt", findet Ingrid Marian aus Lehrensteinsfeld dieselben Worte für das Gesamtpaket wie Regisseur Deuster. Lob hat sie auch für den aufmerksamen Service. Vereinsmitglieder um den Vorsitzenden Matthias Pfitzenmaier sind diesmal in den Rollen von Kellnern. "Einfach toll", sind sich auch Ralph Hofmann und Ulrike Borchers aus Weinsberg über das Dinner auf der Bühne und am Tisch einig.
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