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Weinsberg

Die letzte Station soll heimelig sein

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Der Besucherandrang zeigt, wie groß das Informationsbedürfnis und das Interesse am Franken-Hospiz ist, das am Sonntag die neuen Räume in einer Etage des Stadtquartiers in Weinsberg in Betrieb genommen hat.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

 

In der ersten Stunde waren schon 100 Leute da", schätzt Claus Colberg, der wie andere Mitglieder des Freundeskreises Stationäres Hospiz Weinsberg das Personal bei den Rundgängen unterstützt.

Der Besucherandrang am Samstagnachmittag zeigt, wie groß das Informationsbedürfnis und das Interesse am Franken-Hospiz ist, das am Sonntag die neuen Räume in einer Etage des Stadtquartiers in der Schwabstraße in Betrieb genommen hat. "Ja, es ist immer noch ein Tabuthema, ins Hospiz zu gehen", weiß Pflegedienstleiterin Elke Frei. Silvia Krummhauer verdrängt dieses Sujet nicht. "Man muss sich darum kümmern. Viele Leute schieben den Tod weg, aber er gehört zum Leben", sagt die Ellhofenerin. "Das Hospiz ist zwar die letzte Station, aber es muss schön sein." Und so stimmt die Besucherin in das positive Echo mit ein, das Frei bereits am Donnerstag bei der offiziellen Einweihung erhalten hat (wir berichteten). "Die Geladenen haben sich sehr lobend ausgedrückt."

Farbakzente

"Wir haben versucht, die Atmosphäre des alten Gebäudes mit hierher zu bringen", sagt Krankenschwester Patricia Hörtkorn zum Neubau. Im Altbau sei es kuscheliger gewesen, habe es sich doch um ein umgebautes Wohnhaus gehandelt. "Die Räumlichkeiten waren wie ein Zuhause." Mit viel Liebe zum Detail bei der Gestaltung und Einrichtung der acht Zimmer für die Gäste - so werden die Patienten im Hospiz genannt - ist das auch in der modernen Architektur gelungen. Pflegedienstleiterin Frei hat die Farben der Blätter und Blumenmotive auf den Gardinen für Wandpartien aufgegriffen. Und die finden sich auch in den Bildern, die Mitarbeiter der Kunsttherapie am Klinikum am Weissenhof zur Einweihung geschenkt haben, wieder. "Komischerweise haben die Bilder dazu gepasst", wundert sie sich, hat es doch keinerlei Absprache gegeben.

"Was Beruhigendes, auf das man länger gucken kann", hat sich Frei von der Kunsttherapie gewünscht. Die Mitarbeiter haben das Thema Landschaft abstrahiert, so dass die zwei sich begegnenden Flächen Horizonte entstehen lassen.

Erich Krummhauer gefallen die Farbakzente. Die Umgebung müsse vergessen lassen, dass man hier zum Sterben sei. "Das ist gelungen", sagt seine Frau Silvia, die eine "heimelige Atmosphäre" spürt.

Ruth Mauser wird beim Rundgang durch die Gästezimmer, Aufenthalts-, Sozial- und Funktionsräume und die Terrasse die "Breite des Themas" bewusst. Sei drei Jahren unterrichtet die Sozialarbeiterin an der Berufsfachschule für Altenpflege in Heilbronn-Sontheim. Sie hat den Eindruck, dass die meisten Schüler in Sachen Sterbebegleitung "nicht das kriegen, was sie brauchen". Dabei sei das dringend nötig für die Arbeit im Pflegeheim.

Tabu "Ich vermute, dass die Palliativ- und Hospizkultur noch zu wenig im Bewusstsein ist", sucht Mauser nach einer Erklärung. Frei wünscht sich von Ärzten und Krankenhäusern eine längere Vorbereitungszeit und bessere Informationen für die Patienten. Es sei anfangs eine schwere Arbeit, die Gäste zu überzeugen, dass sie im Hospiz noch eine gute Lebensqualität hätten.

"Es ist nicht nur ein Sterbehaus", betont Krankenschwester Hörtkorn. "Dass das Leben noch lebenswert ist, versuchen wir mit Fürsorge und auch Humor zu leisten." Ihren Beruf empfindet sie nicht als belastend, sondern als sehr erfüllend. "Eigentlich ist es eine schöne Aufgabe, jemanden auf seinem letzten Weg zu begleiten."

Kosten

Für die Investition von einer Million Euro für das neue Domizil hat der Freundeskreis Stationäres Hospiz Weinsberg einen Kredit von 650.000 Euro aufgenommen, der durch Spenden abgetragen werden muss. 100.000 Euro hat die Stadt Weinsberg beigesteuert. Jedes der acht Gästezimmer in der Schwabstraße 12 hat nun eine Nasszelle. Den bisherigen Altbau gegenüber hatte der Verein 2001 für 490.000 DM (nicht Euro) gekauft.

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