Der Name Ernst Roller steht für anspruchsvolle Kultur
Der Träger des Bundesverdienstkreuzes und ehemalige Realschulrektor war viele Jahre lang Vorsitzender des Kulturvereins

Porträt
Von Gustav Döttling
Obersulm „Ich habe immer gesagt, mit 75 will ich alle meine Ämtle los sein.“ Das hat Ernst Roller geschafft. Der Pensionär hat im vergangenen Jahr seinen 75. Geburtstag gefeiert und hat all seine Ehrenämter in jüngere Hände gelegt. 37 Jahre stand der ehemalige Realschulrektor der Realschule Obersulm an der Spitze des Obersulmer Kulturbetriebs, davon 15 Jahre als erster Vorsitzender des 1991 gegründeten Obersulmer Kulturvereins und 21 Jahre als zweiter Vorsitzender im Synagogenverein. Dieser wurde 1985 gegründet.
Seit Mitte der 60er-Jahre war er zudem Organist und Kirchenchorleiter der evangelischen Kirchengemeinde. Den Vereinsvorsitz im Kulturverein trat Ernst Roller, der auch mit dem Bundesverdienstkreuz dekoriert ist, bereits im vergangenen Jahr an Musikschulleiter Michael Graf ab, dem er noch ein Jahr als zweiter Vorsitzender zur Seite stand.
Ernst Roller ist 1931 in Heidenheim an der Brenz geboren. Sein Vater war Bauschlosser bei Voith. „Die Familie Roller lässt sich im Brenztal bis zum Jahr 1678 zurückverfolgen“, ist er auf die lange Familientradition stolz. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der junge Schlossersohn blieb vom Kriegsdienst verschont, besuchte er die ehemalige Lehreroberschule in Michelbach an der Bilz, wo er 1950 sein Abitur ablegte. Er besuchte das pädagogische Institut in Stuttgart und legte 1952 seine erste Dienstprüfung ab. Seine Frau Gertrud, die aus Ellhofen stammt und ebenfalls Lehrerin war, heiratete Ernst Roller 1954. Fünf Kinder und neun Enkel sorgen noch heute im Hause Roller für Leben.
Seine erste Lehrerstelle trat er in Temmenhausen auf der Ulmer Alb an. Es folgten berufliche Stationen in Hohenlohe und im Brenztal, ehe er 1964 nach Willsbach kam, wo es an der damaligen Volksschule einen zweiklassigen Mittelschulzug gab. 1966 wurde die Realschule selbstständig und Ernst Roller ihr erster Schulleiter. „Wir haben an fünf verschiedenen Orten unterrichtet“, erinnert sich der Pensionär an die Aufbauzeit, als der Unterricht in der alten Schule und verschiedenen Gaststättensälen stattfand, ehe man 1975 das heutige Schulgebäude einweihen konnte. „Meine Fächer sind Musik, Geschichte und Gemeinschaftskunde, aber ich habe auch Deutsch und Mathe unterrichtet“, erzählt Ernst Roller aus den Zeiten des Lehrermangels.
„Ich habe mir gedacht, wenn ein Dorf eine weiterführende Schule hat, braucht es auch gehobene kulturelle Veranstaltungen.“ Das brachte Ernst Roller auf die Idee, zusammen mit den Freunden und Förderern der Realschule, aus denen später der Kulturverein hervorging, Konzerte und Vorträge in der Realschule zu veranstalten. Durch seine guten persönlichen Beziehungen gelang es ihm im Laufe der Zeit, Musiker und Historiker von Rang nach Obersulm zu holen.
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