Das Holz lässt ihn nicht los: Säger hat den Beruf zum Hobby gemacht
Grillstelle im Lautertal verwildert - Wüstenrot, Beilstein oder Forst für Pflege zuständig?
Moos bildet die Tischdecke, Unkraut rankt sich zwischen Sitzfläche und Rückenlehne durch. Ganz so rustikal muss es selbst in der Natur nicht sein. Diese Sitzgruppen der Grillstelle beim Wanderparkplatz Lautertal zwischen Lohmühle und Wüstenrot-Neulautern laden nicht dazu ein, das Vesper auszupacken. Über der gemauerten Feuerstelle hängt ein zerbrochener Rost am Haken. Zumindest der Tisch, die Bänke und Baumstamm-Stühle unter dem schützenden Holzdach bieten eine ordentliche Rast-Möglichkeit. Tja, wer hat denn die Pflege dieser Feuerstelle versäumt? Wüstenrots Bürgermeister Roland Awe winkt ab, verweist an das Staatliche Forstamt Löwenstein. Der Platz sei "nicht in der bewussten Obhut der Forstleute, zumindest seit zehn, 15 Jahren nicht", ist sich Forstdirektor Wolf Thiry für seinen Amtsbezirk sicher. Bei seinen Nachforschungen in Sachen Betreuungszuständigkeit hat er auf der Flurkarte entdeckt, dass die Lauter Gemarkungsgrenze ist, das gegenüberliegende Sportgelände des FC Neulautern gehört - man staune - zu Beilstein, forstlich also zu Heilbronn. Man müsste also gucken, wer Grundstückseigentümer der Feuerstelle sei , so Thiry. Vielleicht klärt sich das, bevor der Grillplatz vollends verwildert. Handwerk, das noch mit alten Maschinen betrieben wird, übt eine Faszination aus. So weht ein Hauch von Nostalgie durch die offene Halle der Sägerei Berger in der Lohmühle. Über Zahnräder und Walzen läuft der elektrisch betriebene "Vollgatter" aus dem Jahr 1957. Die scharfen Sägen fressen sich in der rhythmischen Auf- und Abbewegung in den Stamm, der zwischen den beiden auf Schienen laufenden Spannwagen eingekeilt ist. Mit dem Besen fegt Berger das Sägemehl weg. Bis zu 14 Meter lange Bäume spaltet die Maschine in wenigen Minuten. "Nein, ich schaff' nicht mehr", schickt der Säger einen Motorradfahrer weiter, der bei ihm Dielen kaufen wollte. Vor sechs Jahren hat er seinen Ein-Mann-Betrieb gewerbsmäßig aufgegeben, aber "das Holz lässt mich nicht los". Und so ist der Beruf jetzt Hobby - ein arbeitsreiches. Fast täglich fünf bis sechs Stunden verarbeitet der Säger Bäume aus seinem Wald - zu Brennholz oder Brettern. "Es gibt immer was zu basteln", sagt er und verweist auf das gegenüberliegende Wohngebäude, die einstige Mahlmühle mit Nebengebäuden. Schon 1760 habe es hier eine Sägerei gegeben, weiß der 69-Jährige, dessen Großvater Friedrich Berger 1904 den gleichnamigen Holzbetrieb gründete, der an den Sohn und schließlich den Enkel überging. "Ich bin so ziemlich das älteste und unmodernste Sägewerk in der Gegend", lacht der Wüstenroter. Aber gerade das macht den Charme aus. Gabriele Greiner ist es gewohnt, dass die Spaziergänger vor ihrer Haustür stehen bleiben und neugierig gucken. Der Grund sind Penny und Maggie, die es sich auch an diesem Morgen auf dem Felsblock im Garten im Kirchenweg so richtig bequem gemacht haben und seelenruhig den Blick über Stangenbach schweifen lassen. Kamerascheu sind sie nicht. Zur Geburt der beiden Enkel hat Greiner jeweils eine Ziege angeschafft - Maggie vor vier Jahren und Zwergziege Penny vor zwei Jahren. "Die Enkelkinder, die aus der Stadt kommen, haben ihren Spaß an ihnen", erzählt die Großmama.
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