Raupen werden vor hungrigen Vögeln beschützt

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Ein Rentner-Ehepaar aus Öhringen sammelt seit 25 Jahren Raupen des seltenen Schwalbenschwanz-Schmetterlings

Von Michael Schwarz
Der Schwalbenschwanz wurde zum „Schmetterling des Jahres 2006“ gewählt. Er kommt selten vor und ist in Deutschland geschützt. Der Falter ist einer der größten und auffälligsten einheimischen Schmetterlinge. (Foto: privat)
Der Schwalbenschwanz wurde zum „Schmetterling des Jahres 2006“ gewählt. Er kommt selten vor und ist in Deutschland geschützt. Der Falter ist einer der größten und auffälligsten einheimischen Schmetterlinge. (Foto: privat)

Von Michael Schwarz

Erich Rausenberger greift zur Lupe. In überdimensionaler Größe schlängeln sich die normalerweise fingernagel-großen Raupen um grüne Blättchen. Neun der winzigen Tierchen beherbergen Irma und Erich Rausenberger aus Öhringen - in einem Eimer in der sicheren Küche weitab von gefräßigen Vögeln.

Aus der schwarz-grün gestreiften und gelb gepunkteten Haut der Tiere schlüpft schon in naher Zukunft der Schwalbenschwanz. Er ist der „Schmetterling des Jahres 2006“. Ein leichtes Kribbeln ist zu spüren, wenn die Raupe über die Hand kriecht. Ein Kribbeln, dass Irma Rausenberger ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Seit 25 Jahren beherbergt sie mit ihrem Mann die Tierchen. Regelmäßig durchsuchen die Rausenbergers ihren Garten nach den kleinen Würmern. Am Grünzeug der Karotten oder am Dill werden die beiden 73-Jährigen häufig fündig. „Vor zwei Jahren hatten wir über den Sommer insgesamt 75 Raupen“, erinnert sich Erich Rausenberger. Inzwischen sammeln sogar schon die Nachbarn der beiden Rentner fleißig mit.

Liebevoll ziehen die Gartenliebhaber die Tierchen groß. Während die Hausherrin auf dem Küchentisch das Essen zubereitet, fressen sich die kleinen Würmer durch das Grünzeug. Einige rangeln sich an einem Schaschlikspieß nach oben und funktionieren ihn zu einem Verpuppungs-Spieß um. Sie befestigen sich an zwei Fäden, die aus ihren Körpern hervorsprießen - einer davon ist am Kopf.

Plötzlich fangen einige an, die ersten Millimeter ihrer Haut abzustreifen. Ganz langsam. Zehn Minuten brauchen die Raupen, bis sie mit ihrem Schwanz die zusammengeschrumpelte Haut abschütteln. Sogar ihre Beine, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind, verlieren die Tierchen mit der Haut. Durch die Lupe wird deutlich, welchen Kraftaufwand sie dazu betreiben müssen, damit sie ihre gesamte Oberfläche loswerden.

Heraus schlüpft aber noch nicht der Schmetterling, sondern eine zweite, grüne Hautschicht. Streifen sie diese Haut auch noch ab, kommt ein geschwächter Schwalbenschwanz-Schmetterling hervor. „Die Flügeln hängen ihm herunter, weil erst noch das Blut in die Adern fließen muss“, erklärt Erich Rausenberger. Anhand von Videoaufnahmen zeigt er, wie der Schmetterling mit den gelb-braunen Flügeln die ersten Flugversuche startet und davon fliegt. „Das dauert aber mindestens einen halben Tag“, beschreibt er die Zeitspanne zwischen dem Abstreifen der zweiten Hautschicht und dem Moment, an dem der Schmetterling davonflattert.

Die Rentner entlassen alle Tiere in die Freiheit. Von einer der Blumen auf dem Balkon fliegen sie davon. Dann haben die Raupen-Sammler ihr Ziel erreicht und Erich Rausenberger ist zufrieden: „Wir nehmen sie nur auf, damit sie überleben.“

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