70.000 Euro an Spenden: Pfarrer geht baden
Thomas Beck löst seine Wettschuld am Sonntag ein - Finsterroter See ist noch zugefroren

Er gibt ein Bilderbuch-Foto ab, der Finsterroter See zu Beginn der Woche: strahlend blauer Himmel, die Sonne glitzert auf der komplett zugefrorenen Oberfläche. Das Thermometer zeigt an, wie klirrend kalt das Wasser ist: Es hat gerade mal zwei Grad. Brrrrr. Aber für Pfarrer Thomas Beck gibt es kein Zurück. Er will natürlich seine Wettschuld einlösen. Schließlich haben die Wüstenroter die Erwartungen weit übertroffen. Statt 25 000 Euro für den geplanten Neubau des evangelischen Gemeindehauses - so die Summe aus der Wette - sind in knapp einem halben Jahr 70 000 Euro an Spenden zusammengekommen.
Bammel
"Eisbaden ist Eisbaden", sagt Beck, und das klingt gelassener, als es der Seelsorger der evangelischen Kirchengemeinde Wüstenrot ist. Ein bisschen Bammel hat er schon vor dem Eintauchen am Sonntag bei vorhergesagten drei Grad Celsius und steifen Böen.
Unter den 70.000 Euro sind große Spenden von Privatleuten, wie eine Zuwendung über 20 000 Euro, aber auch viele kleine Beträge. "Die haben zu dieser hohen Summe beigetragen", freut sich Beck über die Spendenbereitschaft. "Das ist für ein Dorf wie Wüstenrot ein erstaunlicher Betrag." Die Summe zeige, welchen Rang die kirchliche Arbeit habe, ist er dankbar. Schmunzelnd meint er: "Es ist ärgerlich. Ich hätte mich wesentlich teurer verkaufen, die Latte drei mal so hoch setzen können." Auch dann hätten die Wüstenroter über ihren Wettkandidaten wohl obsiegt. Er habe sie wohl unterschätzt.
Als Saunagänger kennt der Pfarrer eiskalte Abkühlung. Zudem haben ihn Ostsee oder Teiche mit unter zehn Grad noch nie abgeschreckt. Dennoch hat er sich vorbereitet. Im Dezember hat er den Finsterroter See getestet, in dieser Woche gibt es eine Generalprobe. "Damit man das Gefühl kennt", sagt der Familienvater, für den es Ehrensache ist, keinen Neoprenanzug zu tragen. "Gut aufwärmen", lautet die Devise. Das will Beck tun, indem er zum See joggt. Und nach dem Eisbad geht es sofort in eine Wärmestube, einen geheizter Bauwagen.

Die Kirchengemeinde steht in den Startlöchern, im ersten Halbjahr soll laut Bürgermeister Timo Wolf die Schwäbische Waldhalle abgerissen sein. Beck ist dankbar, dass die bürgerliche Gemeinde für die kirchlichen Gruppen und Kreise Übergangslösungen, etwa im Alten Rathaus, bereit stellt.
Zu den vom Oberkirchenrat geforderten 290.000 Euro Eigenkapital fehlen nur noch 10.000 Euro. Der Pfarrer hofft auf einen Baubeginn am alten Standort in der Jahnstraße im Herbst, spätestens im Frühjahr 2016. Im Januar möchte er den Nutzungsvertrag mit der Gemeinde unterzeichnen. Dann gilt es, die Frage der Jugendräume zu klären. "Das muss für mich im März erledigt sein", sagt der Seelsorger. Steigt die Gemeinde, die ja auch einen neuen Jugendtreff benötigt, mit ein? Das wäre ein überzeugendes Argument, dass der Oberkirchenrat separate Räume für diese Zielgruppe im Untergeschoss des Neubaus genehmigen und seinen Zuschuss erhöhen könnte. Allein kann die Kirchengemeinde die zusätzlichen 120.000 Euro nicht schultern.
Jugendräume
Spätestens in der Februar-Sitzung wird sich laut Bürgermeister der Gemeinderat damit befassen. Gespräche laufen zudem mit der Martha-Maria Altenhilfe, von ihr das K 4 wieder als Jugendtreff anzumieten. "Das wäre kostenmäßig günstiger", ist sich Wolf bewusst. Auch die Kirchengemeinde ist mit Martha-Maria wegen zweier möglicher Objekte im Gespräch. Der Gemeinderat, so Wolf, müsse diskutieren, ob er die langfristige Perspektive sehe und sage, dass ihm Jugendräume im evangelischen Gemeindehaus eine weitere finanzielle Beteiligung wert seien.
Eisbaden & Finanzen
Das Eisbaden von Pfarrer Thomas Beck wird zu einem Event für ganz Wüstenrot. Am Sonntag, 11. Januar, steigt der Seelsorger um 12 Uhr ins Wasser. Ab 11.30 Uhr wird am Finsterroter See bewirtet. Es gibt Glühwein und Würste sowie koreanische Kimchi-Suppe von Wul-Song Krause, der früheren Löwen-Wirtin.
Etwas mehr als 400.000 Euro muss die evangelische Kirchengemeinde als Eigenanteil für den 740 000 Euro teuren Neubau ihres Gemeindehauses aufbringen. 280.000 Euro an Rücklagen und Spenden sind zusammen. Etwa 100.000 Euro Kredite sollen aufgenommen werden, 6000 Euro werden als Eigenleistung erbracht. Der Oberkirchenrat hat einen Zuschuss über 173.000 Euro zugesagt, vom Evangelischen Kirchenbezirk Weinsberg gibt es 28.000 Euro. Die Gemeinde Wüstenrot bezahlt 120.000 Euro dafür, dass sie oder Vereine Räume mitnutzen können und öffentliche Toiletten im Untergeschoss, die für Veranstaltungen auf dem Dorfplatz nötig sind, eingebaut werden.
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