Erstmals sitzt eine Frau aus Hohenlohe im Landtag
Die CDU verliert auch im ländlich geprägten Hohenlohe das Direktmandat. Der Grünen Catherine Kern gelingt die doppelte Überraschung. Jetzt ist Hohenlohe grün und weiblich.

Die Landtagswahl 2021 ist eine denkwürdige für den Hohenlohekreis. Erstmals verliert die CDU ihr Direktmandat. Und erstmals zieht mit Catherine Kern (59) eine Frau für Hohenlohe auf direktem Weg in den Landtag ein. Catherine Kern hat 28,7 Prozent der Stimmen geholt. Damit hat sie ihr Ergebnis von 2016 um 1,6 Prozentpunkte verbessert.
Klar geschlagen
Der CDU-Bewerber und bisherige Landtagsabgeordnete Arnulf von Eyb (66), der vor fünf Jahren nur ein Prozentpunkt vor Catherine Kern gelegen war, kommt nur auf 24,4 Prozent der Stimmen und ist damit klar geschlagen. 2016 war er mit 28,1 Prozent als knapper Sieger ins Ziel gekommen.
Im Vergleich zur letzten Wahl muss Anton Baron (AfD) Federn lassen, er holt mit 14,1 Prozent drei Prozentpunkte weniger. Die SPD mit Patrick Wegener (26) kann kaum zulegen und kommt jetzt auf 11,9 Prozent. Hans-Jürgen Saknus hatte 11,5 Prozent geholt. Die FDP mit ihrem Kandidaten Uwe Wirkner holt ebenfalls nur geringfügig auf und liegt nun bei 10,9 Prozent. 2016 hatte Stephen Brauer 10,0 Prozent erreicht. Unklar war bis Redaktionsschluss, wer ein Zweitmandat erhält. In der letzten Legislaturperiode war das Anton Baron (AfD) gelungen.
Lange Gesichter im Landratsamt
Es ist kurz vor 19 Uhr, als der CDU-Kandidat Arnulf von Eyb das Foyer im Landratsamt betritt. Zwei Minuten zuvor war das erste Ergebnis an die Stellwände gepinnt worden. Es kam aus Gerabronn. Und es zeigt bereits, wohin die Reise geht: Die Grünen liegen mit Abstand vor der CDU. "Und das, obwohl man da Catherine Kern gar nicht so kennt", wundert sich Arnulf von Eyb beim Blick auf die Zahlen.
Zu diesem Zeitpunkt liegen die CDU und die Grünen kreisweit noch knapp gleichauf. Im Jagsttal ist der in Dörzbach lebende CDU-Kandidat vorne. Doch Öhringen, Waldenburg und Künzelsau sind allesamt Städte, in denen die Grünen den Landestrend bestätigen. Mit jeder weiteren ausgezählten Gemeinde vergrößert sich der Vorsprung von Catherine Kern auf Arnulf von Eyb.
Keine dritte Legislaturperiode
"Es gibt bei der CDU keine Landesliste", erklärt von Eyb, der zwei Legislaturperioden in Stuttgart war, die Ticket-Vergabe seiner Partei. Eventuell doch noch nach Stuttgart kommt, wer im Regierungspräsidium im Vergleich viele Stimmen holte. Ob ihm das gelungen ist?
Als "desaströs" bezeichnet die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann die Wahlschlappe ihrer Partei. Es sei die vergangenen zehn Jahre immer weniger gelungen, die Menschen zu mobilisieren. Der früher tiefschwarze Hohenlohekreis macht hier keine Ausnahme. Längst sind die Zeiten vorbei, als der Blaufeldener Landwirt Karl Östreicher für die CDU aus heutiger Sicht Traumergebnisse holte. Und auch Jochen K. Kübler bewegte sich bei 50 Prozent. Im ersten Anlauf mit 40,7 Prozent gestartet, holte von Eyb 2016 nur noch 28,1 Prozent.
Spiel um Platz drei
"Ich spiele um Platz drei", erklärte SPD-Kandidat Patrick Wegener beim HZ-Wahlforum. Tatsächlich aber muss er diese Position seinem Mitbewerber und Gemeinderatskollegen Anton Baron (AfD) überlassen. Der hat in einigen Öhringer Stadtteilen weit über 20 Prozent geholt. Auch in Pfedelbach ist der blaue Balken fast so hoch wie der grüne und der schwarze. Die Chancen, wieder über das Zweitmandat ins Parlament zu kommen, sind nicht unrealistisch. Trotz seines engagierten Wahlkampfes mit vielen Vor-Ort-Terminen ist es Patrick Wegener nicht gelungen, ihm diese Position streitig zu machen. Ein starkes Ergebnis holt die FDP in Pfedelbach.t Kandidat Uwe Wirkner (Jahrgang 1964) erntet, was Michael Schenk in vielen Jahren Gemeinderatsarbeit gesät hat. Nicht über die fünf Prozent hat es die Linke von Simon Brecht (22) geschafft.
Strahlende Siegerin
Die große Siegerin des Abends, Catherine Kern, wollte ebenfalls ins Landratsamt kommen. Vermutlich wurde aber länger gefeiert. Denn groß wird bei ihr die Freude sein, nach drei engagierten Wahlkämpfen und nach vielen Jahren Basisarbeit als Stadt- und Kreisrätin nun das Ticket für Stuttgart zu haben.


Stimme.de
Kommentare