Heilbronner Landtagsabgeordnete Susanne Bay: "Es gibt keinen Leerlauf"
Der Sieg im Kampf um das Heilbronner Direktmandat war deutlich: Susanne Bay zieht erneut in den Landtag ein. Warum das beim zweiten Mal leichter ist und welche Themen auf ihrer Agenda stehen, erklärt die 56-Jährige im Interview mit Stimme.de.

Die Arbeit geht nahtlos weiter: Zum zweiten Mal hat Grünen-Politikerin Susanne Bay das Direktmandat im Wahlkreis Heilbronn gewonnen. Ein Gespräch über bestehende Strukturen, kommende Herausforderungen, Verantwortung und Rückenwind.
2016 sind Sie in den Landtag eingezogen. Jetzt haben Sie das Direktmandat erneut gewonnen. Was ist bei einem Wiedereinzug anders?
Susanne Bay: Es ist fast leichter, weil ich bereits eine Arbeitsbasis habe. Die Strukturen sind schon da, vor fünf Jahren hatte ich nicht mal einen Rechner. Aber ich sehe auch die Größe der Aufgabe. Es gibt viele wichtige Themen, es gibt keinen Leerlauf.
Fast 30 Prozent der Wähler haben für Sie gestimmt. Gibt das Rückenwind?
Bay: Ja, das empfinde ich total als Rückenwind. Es zeigt, dass die Leute schon schätzen, was ich tue. Sie wollen, dass es weitergeht. Dieser Verantwortung bin ich mir bewusst.
Wie haben Sie den Wahlabend erlebt?
Bay: Es war total spannend. Wir hatten unsere Helferinnen und Helfer zu einer virtuellen Wahlparty eingeladen, eine Konferenz mit verschiedenen Räumen. Vorher haben wir allen, die angemeldet waren, Sekt und Blumen zum Dank geschickt, egal wie es ausgeht. So konnten wir gemeinsam anstoßen.
Ihr Vorsprung gegenüber Thomas Strobl betrug am Ende sieben Prozentpunkte. Haben Sie mit einem so deutlichen Ausgang gerechnet?
Bay: Definitiv nicht, eher mit einem knappen Ergebnis. Man hofft natürlich und wünscht sich ein positives Ergebnis. Außerdem wusste ich, dass ich das Direktmandat brauche, um in den Landtag zu kommen. Aber ich habe auch erwartet, dass Thomas Strobl über den Landesschnitt der CDU kommt.
Haben Sie auf die richtigen Themen gesetzt?
Bay: Als Fraktionssprecherin für Bauen und Wohnen weiß ich, dass das Thema die Menschen bewegt. Aber ich habe im Wahlkampf auch andere wichtige Themen bearbeitet und mich nicht auf einen personalisierten Wahlkampf eingelassen. Es gab viele inhaltliche Veranstaltungen, das war mir wichtig.
Ist Heilbronn jetzt tatsächlich grün oder hat Ihnen Kretschmanns Popularität den Sieg gebracht?
Bay: Ganz viele Menschen haben mir vor der Wahl gesagt, dass wir mehr für den Klimaschutz tun müssen. Die Leute haben erkannt, was es geschellt hat. Natürlich ist Winfried Kretschmann unser Zugpferd, aber er hat das auch nicht alleine geschafft. Wir haben eine breite Basis und die Menschen vertrauen ihren Abgeordneten, weil wir viele Themen beackern. Sonst hätten wir vor Ort nicht acht Leute im Gemeinderat. Da findet ein Umdenken statt.
Hat also im Jahr 2022 ein Vertreter der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Heilbronn Chancen?
Bay: Das weiß ich nicht, Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen. Bevor man etwas zur Bewerberlage sagen kann, muss sich Harry Mergel erklären, ob er nochmal antritt. Beim letzten Mal haben wir den jetzigen Amtsinhaber unterstützt. Es geht darum, dass unsere Themen umgesetzt werden, da haben wir klar gesagt, was wir erwarten. Wie es nächstes Jahr wird, werden wir sehen.
Stichwort Wohnungsbau. Sollte es dafür ein eigenes Ministerium geben?
Bay: Das Thema hat großes Gewicht und es muss noch größer gedacht werden. Wie das aussehen wird, wird sich zeigen. Da bin ich im Austausch mit dem Ministerpräsident. Aber auch das Land als Gesundheits- und Wirtschaftsstandort und natürlich der Klimaschutz müssen eine große Rolle spielen.
Welche Rolle werden Sie in der künftigen Landesregierung spielen?
Bay: Jetzt wird erstmal verhandelt, mit wem wir regieren. Bei den Koalitionsverhandlungen geht es darum, zu schauen, welche Inhalte wichtig sind. Aber das Thema Bauen und Wohnen ist prioritär, dafür möchte ich mich weiter einsetzen.
Welchen Koalitionspartner wünschen Sie sich?
Bay: Wir haben in etlichen Dingen gut mit der CDU zusammengearbeitet, in anderen nicht. Ich kann mir auch eine andere Konstellation vorstellen. Allerdings bin ich nicht der größte Fan der FDP, weil ich gerade beim Wohnen nicht denke, dass der Markt alles regelt. Aber es ist eine Frage der Verhandlung. Da bin ich offen, entscheidend ist, dass die Themen gut besetzt werden.
Die Region schickt so viele Abgeordnete wie nie zuvor nach Stuttgart. Wie ist die Zusammenarbeit ?
Bay: Wenn es bei Grün-Schwarz bleibt, bin ich die einzige Regierungsabgeordnete aus Heilbronn. Da ist jetzt spannend, wer in der Opposition arbeitet. Aber natürlich hat die Region eine starke Stimme, weil jeder von uns sein Thema hat, für das er sich stark macht. Und wenn man sich einig ist, zieht man auch an einem Strang. Das war zum Beispiel bei der Buga so, da hat zwischen mich und die Kollegen von FDP und SPD kein Blatt gepasst. Was die Nachbarkreise angeht, bin ich froh, dass es dort jetzt grüne Abgeordnete gibt. In der vergangenen Legislaturperiode habe ich den Wahlkreis Neckarsulm als Ansprechpartner mit betreut. Da gab es viele Kontakte, aber wenn wir uns jetzt gegenseitig unterstützen können, ist das natürlich toll.
Was steht für Sie als nächstes an?
Bay: Zuerst bin ich gespannt auf die Sondierungsgespräche. Und dann freue ich mich auf die Arbeit, auch wenn ich den Wahlausgang noch gar nicht richtig gefasst habe und immer noch unter Anspannung stehe.
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