Sondierungsgespräche gehen nächste Woche weiter - FDP zuversichtlich
Nach den Sondierungsgesprächen der Grünen in Baden-Württemberg mit CDU sowie SPD und FDP ist vor allem das große Schweigen angesagt. Kommende Woche gehen die Gespräche in die nächste Runde. Die Liberalen zeigten sich zuversichtlich.
Das Haus der Architekten in Stuttgart ist nicht nur als Gebäude, sondern auch wegen seiner Halbhöhenlage sehenswert. Südöstlich der Innenstadt gelegen hat man vom Park aus einen herrlichen Ausblick auf den Stuttgarter Kessel. Kürzlich ist das Gebäude sogar Drehort eines SWR-Tatorts gewesen.
Für politische Spannung sorgt am Mittwoch die erste Runde der Sondierungsgespräche nach den Landtagswahlen – eben im Haus der Architekten. Die Grünen sind die Gastgeber – oder besser gesagt die umworbene Braut. Und die trifft einen Verehrer nach dem anderen, um in dem Bild zu bleiben. Und das sind um 10.30 Uhr die CDU, um 14 Uhr die SPD und um 16 Uhr schließlich noch die FDP.
Doch nach den Sitzungen ist vor allem das große Schweigen angesagt. So verlässt die CDU-Verhandlungsgruppe um Landeschef Thomas Strobl, der am Mittwoch seinen 61. Geburtstag feiert, Fraktionschef Wolfgang Reinhart, General Manuel Hagel sowie Fraktionsvize Nicole Razavi und die Sigmaringer Landrätin Stefanie Bürkle nach dem Treffen das Gebäude wortlos. Sie hatten zuvor mit den Grünen strenges Stillschweigen vereinbart.
Unter Journalisten kursieren trotzdem die Gerüchte, die CDU sei in dem Gespräch sehr zugewandt gewesen. Strobl gilt als Vertrauter Kretschmanns. Er will die CDU unbedingt in eine weitere Koalition als Juniorpartner der Grünen führen – und das Zustandekommen einer Ampelkoalition verhindern.
SPD und FDP sehen das natürlich ganz anders. Ihr Ziel ist es, eine Ampelkoalition mit den Grünen zu bilden. Nach dem Gespräch gibt sich die SPD ebenfalls wortkarg. Auch ihr Verhandlungsführer, Landeschef Andreas Stoch, kommentiert das Sondierungsgespräch nicht. „Wenn wir bei den Gesprächen vereinbart haben, zu einem so frühen Zeitpunkt noch nichts mitzuteilen, dann kann man sich darauf auch verlassen“, sagt er lediglich.
Rülke: Keine unüberbrückbaren Differenzen
Die FDP ist heute die einzige Partei, die sich ausführlicher äußert. „Alles ist offen, alles kann angesprochen werden“, bleibt Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke im Vorfeld des Treffens im Allgemeinen. Und nach dem Gespräch teilt er mit, dass es keine unüberbrückbaren Differenzen gegeben habe. Es hätten sich weder thematisch, noch atmosphärisch Probleme aufgetan.
Rudi Hoogvliet, Sprecher von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), hatte im Vorfeld der Sondierungen gesagt, dass man sich erst einmal „ordentlich Abtasten“ wolle. „In Corona-Zeiten sollte man sich aber nicht zu nahe kommen“, erwidert FDP-Landeschef Michael Theurer augenzwinkernd. Mehr ist heute nicht zu hören. Die Gespräche sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.
Zeitplan
Der neue Landtag von Baden-Württemberg soll erstmals am 11. Mai zusammentreten. Einen Tag später soll dann der 72-jährige Winfried Kretschmann zum dritten Mal zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Die Grünen hatten die Landtagswahl am vergangenen Sonntag mit 32,6 Prozent gewonnen. Die CDU stürzte auf 24,1 Prozent ab. Die SPD kam auf genau elf, die FDP auf 10,5 und die AfD auf 9,7 Prozent.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare