"Ich war froh, als alles vorbei war"

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Michelle Schulz aus Heilbronn nahm an The Voice teil. Im Interview spricht sie über Nico Santos und ihre Zukunftspläne.

Von Lisa Könnecke

Michelle Schulz (22) sang sich bei „The Voice of Germany“ im vergangenen Jahr mit Coach Nico Santos bis in die BattlesBereits in der sechsten Staffel von The Voice war sie dabei, wurde damals aber von keinem der Coaches gebuzzert. Der Schock saß tief. Ein halbes Jahr lang hat sie keine Musik mehr gemacht. Bis sie merkt, dass sie ohne einfach nicht leben kann. "Mit der Musik und mir ist das wie bei echten Freundschaften: Die Beziehung hält ein Leben lang, auch wenn es vielleicht mal Pausen gibt", erzählt sie.

Bei ihrem zweiten Anlauf bei The Voice vergangenes Jahr hat sich das Blatt dann gewendet: Mit ihrem Blind-Audition-Song "Vincent" von Don McLean holt sich die gebürtige Heilbronnerin nicht nur drei Buzzer, sondern auch viel Lob von der Jury. Mark Forster (37) verglich Michelle mit Superstar Billie Eilish, und Nico Santos schwärmte: „Wenn das jetzt im Radio laufen würde, ich würde sofort lauter machen, weil mich deine Stimme so interessiert.“ Seit gut zwei Jahren wohnt Michelle Schulz in Berlin. Ab und zu ist sie noch in Heilbronn, um ihre Familie zu besuchen. 

Im Interview mit Stimmt!-Schreiberin Lisa Könnecke blickt die gebürtige Heilbronnerin auf das TV-Abenteuer zurück und erzählt, warum sie so gerne Straßenmusik in Heilbronn gemacht hat.

Michelle, erzähl mal, wie war es, sich selbst im Fernseher zu sehen?

Michelle: Tatsächlich habe ich keinen Fernseher zuhause (lacht). Aber mein bester Freund Keye Katcher, auch ein Kandidat der zehnten Staffel von the Voice of Germany, wohnt im gleichen Haus wie ich. Er hat sich extra einen neuen Beamer und eine große Leinwand gekauft. So haben wir dann unsere Auftritte verfolgt.

Ein paar Monate sind seit der Ausstrahlung vergangen. Wie hat sich dein Leben nach The Voice verändert? 

Michelle: Ich muss ehrlich sagen, dass ich erst mal froh war, als alles vorbei war. Ich habe mich gefreut, in mein normales Leben zurückzukehren, weil ich wusste, dass das die Realität ist. Mein Leben mag ich auch ohne diesen Lifestyle und dieses Gefühl, für kurze Zeit berühmt zu sein. Darüber schätze ich mich sehr glücklich, weil ich mitbekommen habe, dass es nicht allen Kandidaten so ging. Und was die Musik angeht, bin ich motivierter und kreativer geworden. Ich habe das Gefühl, dass noch so viel in mir steckt, ich es aber noch nicht gar nicht ausgeschöpft habe.

Michelle: Das ist schwierig, ich hatte so viele Highlights (überlegt). Ich glaube, es war der Moment als ich in den Blind Auditions meine Augen geöffnet und realisiert habe, dass sich jemand umgedreht hat.

Sogar gleich drei Coaches haben sich für dich umgedreht und wollten mit dir arbeiten. Warum hast du dich für Nico Santos entschieden?

Michelle: Ich habe seinen Namen gekannt, aber nicht seine Musik. So habe ich mir noch kein Bild von ihm als Menschen machen können und war unvoreingenommen. Ich dachte mir, das könnte interessant werden. Nico ist ja auch noch relativ jung. Die Art, wie wir miteinander geredet haben, war, als würden wir uns schon länger kennen. Er war wie ein Kumpel und hat gleich erkannt, wo meine Schwachstellen liegen.

Wo liegen deine Schwachstellen?

Michelle: Meine Nervosität ist mein größtes Laster. Bei meinem Auftritt waren meine Beine wie Wackelpudding und ich konnte das Mikro gar nicht richtig festhalten. Ich muss mehr Bühnenerfahrung sammeln. Im Nachhinein merke ich selbst, dass ich auf der Bühne aussehe, als ob ich Angst hätte.

Nach ihrem Auftritt bei The Voice plant Michelle Schulz, mit ihrer Musik Geld zu verdienen.
Nach ihrem Auftritt bei The Voice plant Michelle Schulz, mit ihrer Musik Geld zu verdienen.  Foto: Foto: Mario Berger

Nach der ersten Teilnahme bei The Voice vor fünf Jahren bist du eine Art Loch gefallen. Was hat dich dazu bewegt, ein zweites Mal mitzumachen? 

Michelle: Es hat mir gefehlt, meine Musik mit anderen Musikern zu teilen. Die vergangenen Jahre habe ich mir beigebracht, was ich konnte und bin dann an einem Punkt angekommen, wo ich von anderen lernen wollte. Mein eigenes Wissen war ausgeschöpft. Es ging mir bei meiner zweiten Teilnahme nicht nur darum, zu zeigen, was sich getan hat, und dass ich an mir gearbeitet habe, sondern vor allem auch darum, neue Musiker kennenzulernen.  

Du arbeitest seit September 2020 als Stuckateurin. Ist da überhaupt noch Zeit für die Musik?

Michelle: Definitiv. Das Gute am Handwerk ist, man fängt früh an zu arbeiten und hat dementsprechend auch früh Feierabend. Das Erste, was ich mache, wenn ich von der Arbeit nachhause komme, ist, mich ans Klavier zu setzen und zu spielen. Es zieht mich einfach an. Ich muss jeden Tag Musik machen, und wenn es nur zehn Minuten sind. Manchmal sitze ich auch fünf Stunden da und lerne ein Lied auf dem Klavier, so lange bis meine Arme weh tun (lacht).

Wie können junge Musiker mit Musik Geld verdienen?

Michelle: Für mich persönlich war die Straße ein Weg, meine Musik zu zeigen, zu üben und Feedback zu bekommen. Und man kriegt noch extra Taschengeld. Das ist irgendwo auch eine Wertschätzung. Ich habe schon in vielen Städten Straßenmusik gespielt. Aber in keiner Fußgängerzone fühle ich mich so zuhause wie in Heilbronn. Ich glaube, das hat auch viel mit den Menschen zu tun, die da hoch und runter laufen.  

Inwiefern?

Michelle: Ich habe das Gefühl, sie verstehen mich und hören mir auf eine andere Art und Weise zu.

Was würdest du jungen Menschen, die ebenfalls Musik machen wollen, mit auf den Weg geben? 

Michelle: Als junger Musiker ist es wichtig, seine Musik auf vielen Wegen den Menschen nahe zu bringen. Je mehr Menschen auf einen aufmerksam werden, desto größer ist die Chance, dass jemand auf einen zukommt. In Zeiten von Corona ist es außerdem perfekt, Songs zu schreiben. Jedes Mal, wenn ein Lied gespielt wird, verdient der Songwriter damit Geld, und wenn es nur Centbeträge sind. Trotzdem finde ich es wichtig, ein zweites Standbein zu haben. Ich will mich nicht nur auf die Musik verlassen, um Geld zu verdienen. Mein Fokus liegt auf meiner Ausbildung. Die liebe ich genauso sehr.  

Was sind deine musikalischen Pläne für die Zukunft?

Michelle: Dieses Jahr will ich endlich was Eigenes rauszubringen. Ich möchte anfangen, meine Musik zu verkaufen. Ansonsten steht noch etwas an, das ich noch nicht verraten kann.




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