Weiße Flaschen, blaue Schatten

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25 Jahre lehrt Gisela Radu in der Volkshochschule die Kunst des Malens

Von Gertrud Schubert
Ein Bild frei nach einem Dirks-Zeitungsfoto. Gisela Radu (r.) lobt das winterliche Licht- und Schattenspiel, das Hannelore Lintzen-Fuchs gelungen ist.
          Foto: Dittmar Dirks
Ein Bild frei nach einem Dirks-Zeitungsfoto. Gisela Radu (r.) lobt das winterliche Licht- und Schattenspiel, das Hannelore Lintzen-Fuchs gelungen ist. Foto: Dittmar Dirks

HEILBRONN - Radu? Gisela Radu? „Das ist die Frau mit dem blauen Schatten.“ Kein Laienmaler in Heilbronn und Umgebung, der sie nicht kennt. Seit 25 Jahren lehrt die Künstlerin in zahllosen Kursen die Kunst, den Pinsel bewusst und effektvoll über die Leinwand zu führen. Ihre Schülerschar ist groß und treu. Und doch mischt sich immer wieder ein neues Gesicht in den Kreis der Radu-Fans. So beginnt dreimal im Jahr - im Februar, an Ostern und in den Herbstferien - in jedem Kurs aufs Neue die Lehre von „Licht, Schatten und Raum“.

Auch in diesen Ostertagen streben die Zeichenlehrlinge jeden Morgen in den lichten Malsaal im Deutschhof-Mittelbau. Das neue Atelier im Dachgeschoss des renovierten Volkshochschulbaus ist den Malerinnen - ein Mann hat sich dieses Mal zu ihnen gesellt - zu finster für ihr nuancenreiches Spiel mit dem Licht. Wer will schon hören: „Komm, Mädchen, das kannst du nicht machen“? In freundschaftlichem Du öffnet Gisela Radu den Menschen hinter der Leinwand die Augen fürs eigene Schaffen und befähigt sie zu ansehnlichen Werken.

Weiße Flaschen Am Anfang, 1985 war das, die Zahnärztin Hannelore Lintzen-Fuchs gesteht es ohne zu zögern, da hatte sie keine Ahnung von Raum und Perspektive. Auch sie saß, wie alle Radu-Lehrlinge, vor den weißen Flaschen und kämpfte mit Licht und blauem Schatten. „Ich habe fast drei Jahre nur Flaschen gemalt“, erzählt Else Gutbrod von der schier endlosen Geduldsprobe zu Beginn ihrer jetzt 17-jährigen Mal- und Zeichenlehre. Vor ihr liegen sieben Stufen, gerahmt von Goldmohn - selbst gemalt natürlich. Das vermag die erfahrene Hobbymalerin Charlotte Seyfang sicher zu trösten. Sie hat gerade ihre ersten Flaschen in Arbeit. Aber sie war gewarnt worden: „Da muss man durch.“

„Ohne ein gewisses Maß an Regeln geht es nicht“, Gisela Radu beruft sich in ihrem Credo auf den Maler Gerhard Richter. Der Musiker lernt Noten, der Sportler einen guten Laufstil, und genauso braucht der Maler ein Grundwissen, das ihm den Einstieg erleichtert. Wenn dann noch, wie bei Gisela Radu seit Jahr und Tag üblich, in Eitempera zu Werke gegangen wird, sind alle Hemmungen weggeblasen. Diese Farbe macht das Bild korrigierbar, das nimmt den Stress, alles gleich richtig machen zu müssen.

„Ich bringe alle Bilder ins Laufen“, das geschieht mit einem ersten Rundgang, wenn die Kursteilnehmer ihre begonnenen Werke auf die Staffeleien gestellt haben. Anschließend widmet sich Gisela Radu der Anfängerin und alle lauschen nochmals und jedes Mal wieder aufs Neue den Grundregeln von Licht, Schatten und Raum.

Dreimal lachen Jeder, der kommt, soll seine Idee verwirklichen können. Ob Blumenwiese, Leuchtturm oder Winterlandschaft - auf die Motivwahl nimmt die Mallehrerin keinen Einfluss, wohl aber auf die Lichtführung. „Es muss eine Richtigkeit im Bild sein“, sagt Gisela Radu. Gleichzeitig achtet sie auf eine gelöste Atmosphäre im Kurs. Sonst ist Kritik unerträglich. „Ich will, dass jeder bei mir mindestens drei Mal am Tag lacht. Nur dann hat er auch gut gemalt.“ Nicht nur das Werk soll gelingen, sondern auch der Tag, an dem es entsteht.

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