Unruhe um Stilles Örtchen im Heilbronner Hauptbahnhof
Die hochmoderne Toiletten-Anlage im Untergeschoss des Heilbronner Hauptbahnhof schließt bereits um 22 Uhr. Eine Stadträtin übt daran laute Kritik: So erzieht man Kinder zum Wildpinkeln, meint sie.

Toiletten, WCs, Aborte – egal, wie man sie nennen mag: Sie stehen für jeden zivilisierten Menschen auf der Tagesordnung. Doch außerhalb der eigenen vier Wände, speziell auf Reisen, treten diesbezüglich immer wieder Probleme auf. Aushäusige Heilbronner und vor allem auswärtige Besucher können davon ein Lied singen: seit die Stadt 1996 aus Kostengründen die meisten öffentlichen Toiletten geschlossen hat, spätestens seit dem 2010 besiegelte Aus der futuristischen Klo-Kapseln.
Die Initiative „Nette Toilette“, über die sich Gastronomen bereit erklären, auch Passanten bei sich aufs Klo zu lassen, konnte die Situation ansatzweise verbessern: zuletzt am Busbahnhof Karlstraße, wo nach dem Abbau des Klohäuschens Reisende im Umfeld ihr Geschäft verrichteten. Erst nach einem Aufschrei von Nachbar Michael Rossi, über den die Stimme berichtete, hängte die Stadt Wegweiser zur nächsten Toilette auf.
Vier Monate Bearbeitungszeit für enttäuschende Antwort
Auf einen anderen Missstand macht Stadträtin Bettina Koehnle (FWV) aufmerksam: Die WC-Anlage auf dem Hauptbahnhof ist nach 22 Uhr geschlossen. Bereits Ende 2016 fragte sie im Rathaus nach – und bekam erst vier Monate später eine Antwort. Doch nicht nur die lange Bearbeitungszeit „enttäuscht mich, viel enttäuschender“ sei die Antwort.
Wie die Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen erklärt, sei für die Betreuung des Hbf das Bahnhofsmanagement Mannheim zuständig. Laut dessen Leiter Hans-Jürgen Vogt werde die WC-Anlage am Hbf von einer Privatfirma betrieben, der Firma Hering, die sich auf den Bau und Betrieb solche Einrichtungen spezialisiert habe. Längere Öffnungszeiten hätten für sie einen „erheblichen Mehraufwand“ zur Folge, der durch die relativ geringen Einnahmen nach 22 Uhr nicht gedeckt wären. So verursache eine Öffnung nach 22 Uhr 50 Prozent höhere Personalkosten.
Auch eine andere Form der Öffnung, beispielsweise durch Münzeinwurf, sei aufgrund der „örtlichen Gegebenheiten“ nicht realisierbar. Für bestimmte Ereignisse oder Events, etwa zum Weindorf, könnten jedoch längere Öffnungszeiten vereinbart werden, sagt Vogt.
Andere Städte in der Region haben Alternativen geschaffen
Köhnle will sich mit dieser Stellungnahme nicht zufrieden geben, sie sei „eigentlich unglaublich und einer Großstadt nicht würdig“ – zumal hier bald die Bundesgartenschau stattfinde. Die FWV-Frau fragt sich und das Rathaus: „Sollen die Kinder zu Wildpinklern erzogen werden oder Erwachsene, auch Taxifahrer unsere schöne Stadt zusätzlich verschmutzen?“ Wie Köhnle weiß, sind bei solchen Verstößen 35 Euro Bußgeld fällig. Andere Städte wie Bad Rappenau, Bad Wimpfen, Weinsberg und Karlsruhe hätten bereits Alternativen geschaffen und seien gegen eine geringer Gebühr bereit, ihre Örtlichkeiten zu öffnen.
Stimme.de