Erstes eigenes Gräberfeld für Muslime

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Auf dem Böckinger Westfriedhof sollen Mohammedaner aus dem Stadt- und Landkreis beerdigt werden

Von Helmut Buchholz
Letzte Ruhestätte ausschließlich für Muslime aus dem Unterland: Auf dem Böckinger Westfriedhof gibt es jetzt ein Gräberfeld für Bestattungen nach islamischer Tradition. (Foto: Ulrike Kugler)
Letzte Ruhestätte ausschließlich für Muslime aus dem Unterland: Auf dem Böckinger Westfriedhof gibt es jetzt ein Gräberfeld für Bestattungen nach islamischer Tradition. (Foto: Ulrike Kugler)  Foto: red

"Wir tragen damit dem hohen Bevölkerungsanteil der Muslime in Heilbronn Rechnung", erklärt Hans-Peter Barz, Heilbronns Grünflächenamtsleiter. Auch die muslimische Gemeinde in der Region ist nun zufrieden. "Für uns ist nach einjährigen Verhandlungen ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen", erklärt Abdulhamid Tittus, Vorsitzender des islamischen Dachverbandes in Heilbronn. Damit könnten seine Glaubensbrüder und -schwestern die Verstorbenen würdevoll und nach Islamischen Richtlinien bestatten.

Bisher mussten die Hinterbliebenen nach einer geeigneten Grabstelle suchen, um den islamischen Bestattungsvorschriften zu genügen. Muslime werden vor ihrem letzten Gang rituell gewaschen und sollen mit dem Kopf gen Mekka beerdigt werden. Die Waschung wurde bisher in den Gebäuden des Heilbronner Hauptfriedhofs vorgenommen. "Nur hier haben wir auch die hygienischen Voraussetzungen dafür", sagt Barz. Da die Gräber aber nicht alle die gleiche Ausrichtung haben, "lagen die Muslime verstreut über mehrere Friedhöfe". Ein besonderes Problem stellt der Sargzwang dar. Denn in Deutschland ist der Sarg vorgeschriebenen. Nach islamischer Tradition sollen die Toten jedoch lediglich in ein Tuch eingewickelt mit Kontakt zur Erde begraben werden. "Wir müssen uns behelfen", meint Tittus. Die Muslime würden den Sarg mit Erde füllen, um so den Erdkontakt herzustellen. Tittus: "Diese Lösung ist für uns aber nicht das Optimum."

Wie viele Muslime in Böckingen bestattet werden, können weder Tittus noch Barz prognostizieren. Jedenfalls sei der Friedhof auch für "Auswärtige" aus dem Landkreis offen. Bis dato gab es nur ein spezielles islamisches Gräberfeld in Neckarsulm auf dem "Friedhof am Wald" - allerdings nur für Mohammedaner aus Neckarsulm. Obwohl das Angebot dort schon seit rund drei Jahren besteht, habe erst eine muslimische Beerdigung stattgefunden, sagt Roland Mehrer von der Stadtkämmerei. "Die meisten lassen sich wohl immer noch in ihrer Heimat beerdigen." Platz wäre jedenfalls für 38 Gräber. In Heilbronn-Böckingen sind theoretisch 82 Erwachsenen- und 20 Kindergräber möglich. Tittus glaubt, dass die Zahl der muslimischen Beerdigungen auf dem Westfriedhof zunimmt. "Das ist ein Generationenproblem, die ersten Gastarbeiter hängen noch mehr an ihrem Geburtsland, die zweite und dritte Generation fühlt sich mehr in der Region Heilbronn heimisch."

Gegen ein eigenes muslimisches Gräberfeld habe es in der Heilbronner Stadtverwaltung keine Bedenken gegeben, erläutert Amtsleiter Barz. "Wir verstehen uns schließlich als Dienstleister. Er sehe seine Aufgabe auch darin, Wünsche so weit wie möglich zu erfüllen. Auch jüdischen Mitbürgern werden bei ihren Bestattungsriten Zugeständnisse gemacht, Gleiches gelte für Sinti und Roma. Außerdem sei der Friedhof auch eine Einnahmequelle für die Stadtkasse. Auch dieser Gedanke habe eine Rolle gespielt.

 

Nach oben  Nach oben