Dr. Auffällig ist einfach nicht zu stoppen
Die AOK geht zum zweiten Mal gegen einen Arzt in Heilbronn vor, der oft und lange krankschreibt
AOK-Chef Thomas Weber wünscht sich mehr Möglichkeiten, gegen schwarze Schafe unter der rzteschaft vorzugehen. "Was wir an Waffen haben, ist ein stumpfes Schwert." Das macht das Beispiel eines Arztes in Heilbronn deutlich, gegen dessen vergleichsweise spendables Krankschreibe-Verhalten nicht anzukommen ist.
Schon 1999 hat die AOK versucht, dem im Volksmund Doc Holiday genannten Doktor einen Riegel vorzuschieben. Der Arzt stellte damals in seiner Praxis rund 200 gelbe Krankmelde-Bescheinigungen im Monat aus. Seine Kollegen in der Region Heilbronn kamen im Schnitt dagegen nur auf etwa 40. Auch die Dauer der Krankheitstage fiel aus dem Rahmen. Dr. Auffällig schrieb die Arbeitnehmer doppelt so lange krank wie in seiner Zunft üblich. AOK und Kassenärztliche Vereinigung versuchten dem Vielkrankschreiber daraufhin die Kassenzulassung zu entziehen. Doch das scheiterte. Der Doktor durfte weiterhin krankschreiben - allerdings unter Auflagen. Heute ist der Mediziner wieder auf seinem Krankschreibelevel von 1999 angelangt. Die AOK prüft derzeit, ob sie abermals ein Verfahren einleitet, um ihm die Zulassung zu entziehen. Ob das klappt, ist ungewiss. Zuständiges Gremium für den Entzug der Zulassung oder andere Strafen ist ein Ausschuss, in dem Vertreter der Krankenkassen und der rzte sitzen.
Dr. Nikolaus Boesen, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung, glaubt jedenfalls nicht daran, dass die auffällige Häufigkeit von Krankschreibungen ausreicht, einem Arzt die Zulassung zu entziehen. "In den letzten 15 Jahren ist das jedenfalls noch nie passiert." Denkbar seien höchstens ein Disziplinarverfahren, ein Verweis oder eine Geldstrafe. Generell gelte, "dass wir uns in solchen Fällen schwer tun, was wir sehr bedauern". Die Schwierigkeit liege in der Beweisführung vor Gericht, wo die Fälle meist landen. Denn ein Zulassungsentzug greife in die Freiheit der Berufsausübung ein. Auch stellten sich kaum Arztkollegen oder Krankgeschriebene als Zeugen zur Verfügung. Letztere profitieren ja von dem Verhalten des Doktors.
Keine Stellungnahme zu dem Fall will Kreisärztesprecher Dr. Thomas Gehrig abgeben, "bis Ergebnisse auf dem Tisch liegen". Er habe einen Brief an die Kassenärztliche Vereinigung und die AOK geschrieben und sie darin aufgefordert, den "Auffälligkeiten nachzugehen".
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