Bei der biederen Bahn bleibt alles beim Alten
Auf den Schienen von Heilbronn nach Öhringen fahren künftig neben der Stadtbahn weiterhin alte Dieseltriebwagen

Bis Dezember 2002 fuhren auf der Enztalbahn von Pforzheim nach Bad Wildbad Nahverkehrszüge mit Dieselbetrieb, die vom Komfort her zu wünschen übrig ließen. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2002 verkehren auf dieser Strecke elektrische Stadtbahnen mit einer komfortablen Innenausstattung. So hieß es jüngst in einer Pressemitteilung des Landes zum überaus erfolgreichen Stadtbahnverkehr im Enztal. Dasselbe könnte man auch über die Bahnlinie von Heilbronn nach Öhringen sagen - bis auf den Unterschied, dass dort auch weiterhin parallel zur Stadtbahn genau jene alten Dieselzüge tuckern sollen.
Neben den regulären Stadtbahnen der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) sollen künftig wieder alle zwei Stunden schnelle RegionalExpress-Züge von Heilbronn über Schwäbisch Hall nach Crailsheim rollen. Dort besteht dann Anschluss in Richtung Nürnberg. Wir werden diese Züge auch weiterhin mit VT 628 fahren , sagt Peter Rumpf, Leiter der verantwortlichen DB Regio in Baden-Württemberg.
Einzige Ausnahme: ein elektrisches Zugpaar der DB pendelt morgens und abends als zusätzlicher RegionalExpress zwischen Heilbronn und Öhringen. Diesen Zug fahren wir mit E-Lok und normalen Wagen , ergänzt Rumpf. Alle DB-Züge benutzen in Heilbronn zwischen Pfühlpark und Hauptbahnhof weiterhin die alte Bahnstrecke, die im Rahmen des Stadtbahnausbaus ebenfalls eine elektrische Oberleitung erhielt. Bei Bedarf können hier auch Stadtbahnen fahren.
Da die Elektrifizierung der Hohenlohebahn bislang nur bis Öhringen-Cappel reicht, können auch in Zukunft nur Dieselzüge weiter in Richtung Schwäbisch Hall fahren. Die nun wieder zum Einsatz kommenden VT 628 haben oft schon Jahrzehnte auf dem Buckel und sind bei Fahrgästen wegen zerschlissener und durchgesessener Sitze berüchtigt. Fachleute bezeichnen die einmotorigen Züge gerne auch als lahme Enten .
Von modernen komfortablen Dieseltriebwagen, wie sie in anderen Bundesländern bereits flächendeckend im Einsatz sind, ist jedoch in ganz Nordwürttemberg bislang kaum eine Spur auszumachen. Lediglich im Süden von Baden-Württemberg sind eine Vielzahl kleiner Triebwagen vom Typ Regio-Shuttle unterwegs.
Bahnchef Rumpf macht auch keine Hoffnung, dass in absehbarer Zeit DB-Fahrgäste im Unterland mit komfortableren Zügen rechnen können. Die Beschaffung moderner, spurtstarker und leiser Dieseltriebwagen ist von DB Regio nicht geplant - es sei denn, die Kommunen oder das Land würden für die Züge bezahlen.
Hatte sich der DB-Konzern schon beim Streckenausbau nicht gerade übermäßig engagiert und die Finanzierung weitgehend den Kommunen überlassen, so muss sich auch die Verkehrstochter DB Regio künftig zwischen Heilbronn und Öhringen nicht mehr besonders anstrengen. Der gesamte Stadtbahnbetrieb wird nämlich in einem Konsortium von AVG und DB Regio organisiert, die nicht zu verachtenden Einnahmen werden partnerschaftlich aufgeteilt - egal ob neue oder verschlissene Züge fahren.
Stimme.de