Bad Wimpfen: Auch die Japaner bestehen die Faschingsprüfung

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Nur die Sonne fehlte: Weit gereiste und einheimische Narren strahlten beim 55. Wimpfener Fasnachtsumzug um die Wette - Bildergalerie

Von Klaus Thomas Heck
Drei Tage machten die Sansa-Trommel und ihre Tänzerinnen aus Shizukuishi in Bad Wimpfen Station, um beim Fasching ein besonderes lebendiges Stück deutscher Kultur kennen zu lernen.
Drei Tage machten die Sansa-Trommel und ihre Tänzerinnen aus Shizukuishi in Bad Wimpfen Station, um beim Fasching ein besonderes lebendiges Stück deutscher Kultur kennen zu lernen.

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Zum Ausklang ihrer Regentschaft wartet auf Prinzessin Sabrina die Erste Glücksstern im Zeichen der Venus und auf Prinz Christian den Ersten von Regia Wimpina nochmal ein volles Programm. Der 55. Umzug der WFG ist ihr bislang größter. 123 Gruppen, 3000 Narren, Ordner, Ordnungshüter und Kapellen versammeln sich auf dem Talmarktgelände - von den Neckarfurzern bis zu den Baseler Messingkäfern.

Im Gästehaus des Klosters beginnt um 13 Uhr der Empfang der Prinzenpaare, Symbolfiguren und Präsidenten von Erlenbach bis Güglingen. "Trinken sie was", ruft Bürgermeister Claus Brechter. "Mich kostet es nichts." Na dann. Die Tollitäten greifen gerne zu. Schließlich hilft der Sekt auch gegen die Kälte.

Für Umzugspräsident Gunther Werner (65) ist es bereits der 14. Umzug. "Der Gunther muss irgendwann mal was von der Konfettikanone abgekriegt haben", vermutet die Gundelsheimer Fraktion. "Anders ist so viel närrisches Engagement nicht zu erklären."

Punkt 14.11 Uhr setzen sich die Guggemusiker, Gardemädchen und Elferräte mit viel Bonbonregen auf der Corneliastraße in Bewegung. Allein die WFG wirft 4,8 Tonnen Lutscher, Cornflakes, Popcorn und Plüschtiere in die jubelnde Menge.

Von der einen Faschingshochburg in die andere: die Baseler Messingkäfer.
"Wir haben die Bürger von Bad Wimpfen ganz tief in unser Herz geschlossen", sagt Nobuo Oda aus Shizukuishi. Mit 34 farbenprächtigen Tänzerinnen und Sansa-Trommlern macht Herr Oda mächtig Stimmung - fast 10 000 Kilometer von seiner japanischen Heimat entfernt. Tänzerin Tokuta Ruriko ist begeistert: "Eine wunderschöne Stadt mit wunderschönen Menschen."

Dabei gibt es in Fernost gar keinen Fasching. "Wir haben nur das Setsubun-Fest, mit dem wir im Februar die bösen Geister vertreiben." Ob das reicht? Claus Brechter hat die Gäste vorher zum Fasnachts-Test gebeten, um gemeinsam das "Helau" zu üben. Drei Versuche genügen, dann ist Brechter zufrieden: "Sie haben die Prüfung bestanden."

Über die Neutorstraße geht's ins Zentrum, wo sich die Menschenmassen dicht an dicht drängen. Immer wieder reißt der Tross ab, weil die Narren zu oft mit dem Publikum schäkern. Die erste Reihe der Morschbachdeifel verliert vor lauter Aufregung sogar kurz ihre Schellen.

Und überall dröhnt Musik. Hier der "Holzmichel", dort "Schnappi". Doch nicht immer passt die Unterhaltung zu den Kostümen. So sind die Herbolzheimer als Ritter am Start - mit Discomusik. Auch dass gleich zwei Motivwagen den deutschen Michel zeigen, stört das Bild.

Nach zwei Stunden endet das Spektakel und hinter den Talheimern räumt der städtische Bauhof mit Kehrmaschinen und Sammelwagen den Müll weg. Das dauert vermutlich länger als der Umzug. 2004 waren es vier Stunden.

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