Sehr britisch, herrlich kompliziert und nicht nur was für alte Damen

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In der Volkshochschule in Sontheim wird Bridge gelernt - Kopfrechnen ist Trumpf beim Spiel mit Coeur und Treff - Eingefleischte Skatspieler müssen dabei ganz schön umdenken

Von Monika Kech
Zuerst heißt es Kopfrechnen: Wie stark ist das Blatt? Zum Reizen legt man eine Karte aus der Bidding-Box auf den Tisch.  (Foto: Monika Kech)
Zuerst heißt es Kopfrechnen: Wie stark ist das Blatt? Zum Reizen legt man eine Karte aus der Bidding-Box auf den Tisch. (Foto: Monika Kech)

Ja, was denn nun? Ein bisschen "british" ist Bridge ja schon. Es gibt ganz einfache Grundregeln, aber viele Ausnahmen und Spezialbestimmungen. Ein Spiel für alte Damen? Ein Blick in die Runde beim Anfängerkurs der Volkshochschule in Sontheim: lauter Frauen . . . Aber: "Wir haben in unserem Brigdeclub keinen einzigen Fall von Alzheimer", erzählt die Kursleiterin Annemarie Jerichow. Da gibt es über 80-Jährige!

Bridge wird zu viert gespielt, meistens an einem quadratischen Tisch, und zwar mit einem französischen Blatt aus 52 Karten. Die Spieler, die sich gegenüber sitzen, bilden als Nord/Süd und Ost/West Partnerschaften. Jeder Spieler bekommt 13 Karten. Soweit so einfach.

Die Spielerinnen ordnen ihre "Hand" nach Farben. Aufpassen! Hier muss ein Skatspieler gleich umdenken. "Kreuz" heißt "Treff" und rangiert ganz unten auf der Wertigkeitsskala. Also umstecken. Die höchste Farbe ist Pik, gefolgt von Herz (das beim Bridge "Coeur" heißt), dann kommt Karo. Und dann erst Kreuz, äh - Treff.

Jedes Bridgespiel läuft in zwei Teilen ab. Zuerst kommt das Reizen, dann das Abspiel der Karten. Beim Reizen haut man sich aber nicht wie beim Skat die 18 - 20 - Zwo um die Ohren, sondern legt vornehm eine Biet-Karte aus der "Bidding-Box" auf den Tisch. Zudem hat das Reizen auch eine ganz andere Funktion.

"Mit der Reizung beschreibt man dem Partner sein Blatt", erklärt die Bridgelehrerin. Wie das? Natürlich kann man nicht sagen: "Lieber Partner, ich habe 12 Figuren-Punkte und fünf Coeur-Karten." Der Bridgespieler übermittelt die Information in einem sprachlichen Code. Für ein solches Blatt bietet man schlicht "Ein Coeur". Der Partner weiß nun genau Bescheid. Der Gegner allerdings auch.

Die Punktzahl ist ein Maß für die "Stärke" des Blattes und errechnet sich aus den "Figuren" auf der Hand. Dazu kommen noch Längenpunkte ab der fünften Karte einer Farbe. Also Kopfrechnen! Für ein "Vollspiel" brauchen die Partner zusammen mindestens 25 Punkte.

"Passe!" Die Gegenpartei reizt auf den Kontrakt "Drei Sans Atout", spielt also ohne Trumpf und muss daher drei Stiche mehr als die ohnehin vorausgesetzten sechs, also neun Stiche machen. Beim Bridge geht es nur um die Anzahl der Stiche, die eine Partnerschaft erreicht. Wie viele "Augen" drinliegen, ist unerheblich. Auch ganz anders als beim Skat.

"3 SA" also bei Ost/West. Nord spielt aus. Und was jetzt kommt, unterscheidet Bridge von sämtlichen anderen Kartenspielen: Da legt Ost doch tatsächlich alle seine Karten offen auf den Tisch! West ist "Alleinspieler" und spielt mit seiner eigenen Hand und den Karten des "Dummys". Deswegen ist es ja so wichtig, das Blatt vorher genau zu beschreiben! Der Alleinspieler muss klug kalkulieren und immer wieder einen Übergang - eine Brücke - zu den Tischkarten finden. Daher kommt der Name des Spiels. "Bridge" heißt Brücke.

Ganz schön schwierig. Und dennoch - Die Anfängerin beginnt zu ahnen: Wenn man durch das verschlüsselte Bietsystem mal durchsteigt, wenn man dann noch gelernt hat, gegen As und König zu schneiden und die kleinen Karten hochzuspielen, wenn man gegnerische Verlierer am Tisch schnappen und die eigenen Verlierer entsorgen kann - dann ist Bridge ein überaus spannendes und vielfältiges Spiel.

Mal ehrlich: Wie lange muss man denn Tennis oder Schach oder Klavier oder Auto fahren üben, bis man es wirklich kann? Und beim Bridge lernt man nie aus. . .

InfoKontakt zu Bridgeclubs in Heilbronn: Gusti Dieterich, 07131 /175485, Eva Hausch, 179097. Im Herbst gibt es wieder einen Einführungskurs der VHS Sontheim.

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