Der Weg zu der eigenen Gemeinde war weit
100 Jahre Matthäusgemeinde in Sontheim - Höchster Anteil an Jugendlichen in Heilbronn - Festgottesdienst mit Prälat Dieterich am 30. April

Von Matthias Treiber
Der Weg zur eigenen Gemeinde war weit. So wohnten 1827 gerade einmal 80 Protestanten im ehemaligen Deutschordensdorf Sontheim, die in Horkheim Schule und Kirche besuchten. Mit der Industrialisierung - allen voran der Firma Ackermann - wuchs die Zahl der evangelischen Einwohner rapide an. So zählte man 1882 bereits 500 Menschen, die nun in einem bereitgestellten Saal einen eigenen Gottesdienst am Ort feiern konnten.
Mit dem Bau der Matthäuskirche erhielt die Filialgemeinde 1899 ihr geistliches Zentrum. Der „Kirchenberg“ in der Lauffener Straße bleibt jedoch vorerst noch leer. Erst 1908 entstehen dort der Kindergarten „Ackermannstift“ mit Gemeinderäumen und das Pfarrhaus. Schon 1906 war man allerdings eine selbständige Gemeinde geworden.
Die Geschichte der Matthäusgemeinde ist dabei von großer Kontinuität gekennzeichnet, die sich nicht zuletzt darin zeigte, dass die Sontheimer Geistlichen allesamt längere Zeit am Ort wirkten. Der erste Pfarrer Bernhard Fricker (1906 bis 1920) stand dabei vor der Aufgabe, die evangelische Gemeinde aufzubauen. Kindergottesdienst, Pressearbeit und der „Jünglingsverein“ sowie dann die Christlichen Pfadfinder waren die ersten Schritte dazu. Nach einem kurzen Intermezzo des späteren Diakonissenpfarrers Karl Oschmann zog 1922 Wilhelm Gruner ins Sontheimer Pfarrhaus ein. Der Großvater der Ehefrau des zukünftigen Prälaten von Heilbronn, Hans-Dieter Wille, gründete den Sontheimer CVJM und den Kirchenchor, der heute noch in Gestalt des „Matthäuschors“ alle Altersgruppen von Konfirmanden bis Senioren in seinen Reihen vereint.
Eine Zeit rasanten Wachstums
Mit Theophil Brendle begann 1935 die Zeit der ökumenischen Zusammenarbeit. Unter dem Druck des Nazi-Regimes, das Brendle 1937 das Erteilen des Religionsunterrichts verbot, entwickelte sich die Tradition gegenseitiger Hilfe und Zusammenarbeit der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde in Sontheim. Nach 27 Jahren verließ Brendle 1962 die Matthäusgemeinde, die nun unter Philipp Kempf (1963 bis 1984) eine Zeit rasanten Wachstums erlebte. In diesen Jahren wurden die Matthäuskirche grundlegend saniert und das Gemeindehaus oberhalb der Kirche gebaut. Im Stadtteil Sontheim-Ost entstand - ab 1982 mit dem zweiten Pfarrer Gerhard Raff an der Spitze - das Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum, das 1991 zum Mittelpunkt der nun selbständigen Bonhoeffer-Gemeinde wurde.
Zur Zeit von Pfarrer Gerhard Wacker (1984 bis 1994) stand die Matthäusgemeinde vor der Herausforderung, diese Wandlungen nachzuvollziehen. Dabei war mit dem Bau der beiden Pflegeheime und den betreuten Seniorenwohnungen der Altersdurchschnitt zunächst deutlich gestiegen. Zeitgleich mit dem Aufzug des gegenwärtigen Pfarrers Matthias Treiber 1994 hat sich Sontheim aber auch im „alten“ Ortsteil laufend verjüngt, so dass sie inzwischen die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen im Stadtgebiet von Heilbronn ist. Im Jubiläumsjahr zeigt sich die Verjüngung der Gemeinde. Waren zur ersten Konfirmation vor 100 Jahren 37 Kinder angemeldet, so sind es im Jahr 2006 trotz des allerorts beklagten Geburtenrückgangs 40 Jugendliche, die mit dem „Konfis“ beginnen.
Die Matthäusgemeinde feiert ihr Jubiläum mit einem Festgottesdienst am Sonntag, 30. April, 9.30 Uhr, in der Matthäuskirche in Sontheim, Lauffener Straße 1.
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