Als erster Deutscher sah er in einem Nebelloch die Invasion
Rommel hatte gesagt: "Hier kommen sie!" - Der Verteidiger vom "Omaha-Beach" - Wunsch erfüllt sich: Freund und Feind gedenken gemeinsam
In einem Nebelloch sah ich, mein Atem stockte, alles voller Schiffe", notierte Werner Pluskat am 6. Juni 1944. Er war der erste Deutsche, der die Schiffe der alliierten Invasion entdeckte. Der Wunsch des späteren Wahlheilbronners, dass Freund und Feind von damals gemeinsam an den D-Day und seine Toten erinnern, geht zum 60. Jahrestag am Sonntag in der Normandie endlich in Erfüllung.Als Major der deutschen Wehrmacht war er damals Kommandeur der 1. Abteilung des 352. Artillerie-Regiments. Mit 180 Mann und 20 Geschützen verteidigte er den Küstenabschnitt, der als "Omaha-Beach" in die Geschichte der Invasion einging.Sein Kriegstagebuch wurde von der US Army erbeutet. Der Schriftsteller Cornelius Ryan, der Pluskat in den 60er Jahren mehrfach in Heilbronn besuchte, schilderte danach die deutsche Seite in seinem Buch "Der längste Tag". Hollywood verfilmte das Buch mit großem Staraufgebot; Hans-Christian Blech spielte die Rolle von Pluskat.Erwartet wurde die Invasion. Unklar war nur, wann und wo sie stattfinden sollte. Feldmarschall Rommel hatte auf den Pluskat-Abschnitt getippt. In Anspielung auf die Landung der US-Truppen in Italien hatte Rommel zu Pluskat gesagt: "Das ist die Bucht von Salerno. Hier kommen sie wieder!" Dagegen beharrte Feldmarschall von Rundstedt darauf, die Invasion erfolge über die Straße von Calais.Als am 6. Juni kurz nach Mitternacht feindliche Bombergeschwader über den Atlantikwall ins Landesinnere fliegen, erkundigt sich Pluskat beim Divisionsstab. "Wahrscheinlich nur ein gewöhnlicher Luftangriff", heißt es. Tatsächlich sind es die Vorboten der Invasion. Dazu gehören Lastensegler, deren Besatzung nach der Landung die spätere Pegasus-Brücke über den Ornekanal bei Caen stürmen. Einer der Toten auf deutscher Seite ist Berthold Probst aus Heilbronn.Der Gefechtsstand von Pluskat ist ein 30 Meter über dem Strand in die Klippen getriebener Bunker. Angestrengt sucht er durch das Scherenfernrohr das Meer und den Horizont ab. Der Nebel wird dichter. In seinen Gefechtsbericht schreibt er: "Das Meer ist so unheimlich still und ruhig. Es kann doch wirklich kein Schiff vor uns liegen." Tatsächlich bewegt sich das größte Landungsunternehmen der Weltgeschichte mit fast 7000 Schiffen auf die Normandie zu.Allmählich kriecht die Dämmerung über der Bucht herauf. Gegen 3.35 Uhr wird wahr, was Rommel gesagt hat. Pluskats Gefechtsbericht: "Das gesamte Meer ist voll von Schiffen aller Art." Mehrere Telefonate führen Pluskat bis zum Führerhauptquartier in Berchtesgaden, bis man ihm glaubt: "Die Invasion hat begonnen."Am Omaha-Beach beginnt nach der Landung der GIs das Sterben. "Bloody Omaha" nennen die GIs später diese Bucht. 3000 von ihnen werden am "blutigen Omaha" getötet oder schwer verletzt. Aber die Invasion ist nicht aufzuhalten.Pluskat geriet im April 1945 in Magdeburg in US-Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung zog der Ostpreuße ins Unterland, leitete in Siglingen ein Zementwerk des Dyckerhoff-Konzerns und lebte seit 1972 in Heilbronn, wo er 2002 starb.Bei Gesprächen in Heilbronn betonte er stets, Deutschland hätte nach der Invasion den Waffenstillstand anbieten müssen. "Es war ein Wahnsinn, dass dies nicht geschah. Erst danach wurden die deutschen Städte ausradiert." Am 4. Dezember 1944 war Heilbronn dran.
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