Als der Heilbronner DGB-Chef den kapitalen Hirsch vertrieb

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Karl Vierling aus dem Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur Heilbronn verabschiedet - Rückblick auf 24 Jahre Arbeit für Beschäftigung in der Region

Von Heiko Fritze

Er ist 74 - und er hat immer noch eine Sechs-Tage-Woche. "Ich bin fast jeden Tag unterwegs", erzählt Karl Vierling. Zwar ist der langjährige Leiter der landwirtschaftlichen Betriebe der Südzucker AG seit neun Jahren im Ruhestand, doch seitdem fungiert er als vereidigter Sachverständiger für die Bewertung landwirtschaftlicher Betriebe, etwa wenn es um Übergaben oder Verkäufe geht. "Ich habe fast mehr Druck als früher in meinem Beruf", sagt der Diplom-Landwirt.Zumindest ein wenig Zeit mehr hat er seit kurzem: Dem neuen Verwaltungsausschuss der Arbeitsagentur Heilbronn gehört er nicht mehr an. 24 Jahre lang saß Vierling in dem Gremium, das sich aus je vier Vertretern der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der öffentlichen Hand zusammensetzt. Unter anderem entscheidet es über die Verwendung des Geldes, das der Agentur zur Verfügung steht, und wirkt bei Personalentscheidungen mit. Und dieses Gremium ist hochkarätig besetzt: Derzeit gehören ihm DGB-Chef Bernhard Löffler, IG-Metall-Chef Rudolf Luz und Verdi-Chefin Marianne Kugler-Wendt an, auf der Arbeitgeberseite sitzt unter anderem Südwestmetall-Geschäftsführer Rolf Blaettner. Auch bundesweit bekannte Unterländer wie Lidl-Gründer Dieter Schwarz und IG-Metall-Bundesvorsitzender Klaus Zwickl wirkten hier mit."In meiner ersten Sitzung 1980 bin ich direkt angeeckt", erinnert sich Vierling. Damals kam er ein wenig zu spät und gestand: "Ich habe noch mit Paul Maier etwas besprochen." Das fanden seine Arbeitgeberkollegen gar nicht komisch - was hat der Neue mit dem DGB-Chef zu tun? Die Antwort ist harmlos: Vierling war einige Wochen zuvor auf der Jagd gewesen, hatte auf einen Rothirsch angesessen. Just als der kam, marschierte ein Spaziergänger vorbei und vertrieb den Hirsch. Der Wanderer war Paul Maier - das stellte Vierling fest, als er frustriert in die Dorfkneipe einkehrte. "Seitdem wusste er, dass es für Rothirsch-Jäger zehn heilige Tage im Herbst gibt", sagt Vierling und schmunzelt.Zum Abschied gab es Lob von allen Seiten: Blaettner lobte Vierling als "Kämpfer im Dienste der zu verbessernden Arbeitsmarktstrukturen", Agentur-Chef Martin Diepgen bescheinigte dem Gremium eine "konstruktive Atmosphäre", während Marianne Kugler-Wendt den Wert dieser Selbstverwaltung für den öffentlichen Frieden hervorhob. Die Verdi-Chefin ist nun alleinige Rekordinhaberin: Mit Vierling zog sie 1980 ins Gremium ein - aber gehört ihm weiter an.

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