Wie die Polizei auf den Hund kommt
Gute Manieren sind Erziehungssache: Zu Besuch bei der Unterländer Polizeihundeführerstaffel

Von Helmut Buchholz
Ann-Sophie Huthmann ist zwar erst zehn Jahre alt, hat ihren Traumjob aber schon gefunden: Hundeführerin bei der Polizei. Der Grund: Sie liebt Vierbeiner. Am meisten Labradore, „weil die so süß sind“.
Das Mädchen aus Heilbronn hat zwar noch keinen Hund, bekam aber im Lesersommer bei der Diensthundeführerstaffel in Offenau einen Eindruck, wie man das macht: einen Hund richtig führen. Günter Eckert und seine Kollegen wundern sich oft darüber, wie Herrchen, die nicht wie sie von Amts wegen mit den Tieren umgehen, im Alltag ihre Hunde erziehen und halten. „Viele Hunde gehorchen nicht“, sagt der Leiter der Staffel „Das liegt aber weniger am Tier, mehr am anderen Ende der Leine.“
Ganz anders die Hundeführer der Polizei, die mit der Erziehung schon bei der Auswahl der Hunde beginnen. Im Prinzip sind nur zwei Rassen für die Polizeiarbeit geeignet: belgische und deutsche Schäferhunde. Sie bringen den starken Alpha-Charakter mit. Eckert braucht pro Jahr mindestens zwei Ersatzhunde, denn von den zurzeit 15 Diensthunden gehen in dieser Zeit einige in Pension. Hund und Herrchen sind über die Jahre ein unzertrennliches Paar geworden. Die Hundeführer nehmen die Tiere am Feierabend mit heim. Hier verbringen ausgediente Tiere auch ihren Ruhestand. Vorher sind sie Eigentum des Landes, das während den Dienstjahren auch für alle Kosten der Haltung aufkommt.
Eckert reist auf der Suche nach Welpen tausende Kilometer pro Jahr durch Deutschland. „Es ist schwierig an geeignete Hunde zu kommen.“ Sie müssen noch recht jung sein. „Denn was in der Prägungsphase, die bis zur siebten Woche geht, in der Erziehung versäumt wurde, ist verloren.“ Deshalb sollten auch Privathalter nur Hunde von Züchtern ihres Vertrauens kaufen. Die Polizeihunde dürfen keine Wesenskrüppel sein, die blind auf Menschen losgehen, müssen aber auch ein gewisses Maß an Aggression mitbringen. Außerdem wichtig: der Spieltrieb. Denn über diesen Trieb lernen und spezialisieren sich die Tiere nach einjähriger Ausbildung zum Sprengstoff- oder Rauschgiftsuchhund. Eckert räumt auch mit einem populären Irrtum auf: „Wir machen die Rauschgifthunde nicht drogenabhängig.“ Vielmehr nutzen die Polizisten nur die Triebe und die natürlichen Eigenschaften der Vierbeiner aus. Dabei hilft die phänomenale Nase der Tiere: Sie können 500 000 verschiedene Gerüche unterscheiden, der Mensch nur 2000.
Unter www.stimme.de gibt es eine Bildergalerie über den Besuch bei der Hundestaffel.

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