Physik, Chemie und Bio heißen NWA
Die Bildungsreform in der Realschule beginnt nach den Sommerferien für die Klasse 5 bis 7
Was ändert sich? Das lässt sich selbst vom Realschul-Experten im Heilbronner Schulamt, Alfred Zwickl, an einem Abend nicht umfassend erklären. Genauso wenig, wie sich die Reform mit einem Ruck im Herbst durchsetzen wird. Der Anfang wird gemacht, in allen Realschulen von Klasse 5 bis 7. Die Schulen müssen die Bildungsreform für alle Klassenstufen durchdacht haben. Doch ist es nicht zwingend, wie beispielsweise die Heilbronner Helene-Lange-Realschule (Hela) alles auf einen Schlag umzukrempeln.
Wobei die etwa 80 Mütter und Väter in der Vortragsveranstaltung erleichtert aufhorchen, als die routinierte Schulreformerin von der Hela, Doris Chatelain-Grabherr, nach fast zwei Jahren Erprobungsschule freudvoll erste Bilanz zieht. Was hat sich nicht alles getan! Allein im Blick auf die Kinder: Die persönliche und soziale Verantwortung jedes einzelnen hat sich spürbar verbessert. Wie selbstverständlich gestalten sie den Unterricht mit. Die Lehrerrolle ist völlig neu. Allein die Absprachen sind in fachlicher und sozialer Hinsicht ein Gewinn.
Alfred Zwickl fasst das Wesentliche der Reform für die Realschule so zusammen: Es kommt nicht mehr auf den stofflichen Input an, sondern auf die Kompetenzen, Fähig- und Fertigkeiten, auch auf inhaltliche Kenntnisse, die die Schüler erwerben und in drei zentralen Tests zu Ende der sechsten, achten und zehnten Klasse nachweisen. Zwei Kern- und ein Nebenfach werden überprüft, die Schule sagt, welche.
Statt 14 gibt es nur noch elf Fächer. Neu ist der Unterricht in Fachverbünden: Physik, Chemie und Biologie sind in NWA, naturwissenschaftliches Arbeiten, zusammengefasst. Erdkunde, Wirtschaft und Gemeinschaftskunde heißt künftig EWG. NWA ist neben Mathe, Deutsch und Englisch ein Kernfach. Pro Jahr und Kernfach gibt es vier Klassenarbeiten. Vier themenorientierte Projekte sind vorgeschrieben: Wirtschaft, Verwalten, Recht (WVR), Berufsorientierung (Bors), Soziales Engagement (SE) und Technisches Arbeiten (TA).
179 Wochenstunden Unterricht hat ein Schüler in seinem Realschulleben. Die Zahl der Stunden pro Fach sind in der Kontingentstundentafel vorgeschrieben, nicht aber in welcher Klassenstufe der Unterricht erteilt wird. 24 Stunden Mathematik gibt es zum Beispiel. Da kommt es dann auf die Schule an, wann sie das Schwergewicht auf dieses Fach legt.
Der Güglinger Realschulrektor Michael Ledermann beschreibt die Vorzüge dieses Stundenplan: Er ist flexibel. Man kann rein- und rauslassen. Je nach Bedarf der Klasse - oder auch nach Lehrer in der Schule. Ob dadurch bei einem Schulwechsel nicht riesige Probleme entstehen, wollen die Eltern wissen. Die Lehrer sagen nein. Die Schüler müssten auf dem gleichen Stand der Dinge sein. Der wird schließlich dreimal evaluiert und nicht erst am Ende eines Schülerlebens.
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