Katzenköpfe und Kleiderhaken meiden

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Gartenbauexperte kritisiert in Heilbronn Gehölzschnitt in öffentlichen Parks und Friedhöfen

Von Bärbel Kistner
Platanenschnitt auf dem Heilbronner Hauptfriedhof in der Kritik: „Das ist nicht baumtypisch“, findet der auswärtige Gartenexperte. (Fotos: Dittmar Dirks)l
Platanenschnitt auf dem Heilbronner Hauptfriedhof in der Kritik: „Das ist nicht baumtypisch“, findet der auswärtige Gartenexperte. (Fotos: Dittmar Dirks)l

Von Bärbel Kistner

Defizite bei Praktikern sind offenbar groß. Die „Werkstatt Gehölzschnitt“ der Gartenbauakademie Baden-Württemberg war im Nu ausgebucht, 25 Gärtner und Mitarbeiter aus Kommunen aus dem ganzen Land wollten vom Expertenwissen profitieren. Für den Heilbronner Grünflächenamts-Chef, Klaus-Peter Barz ist die Standortwahl ein Glücksfall. An einer von Gehölzen stark überwachsenen Böschung, die den alten und neuen Friedhofsteil trennt, sollten die Seminarteilnehmer so in den Bestand eingreifen, dass die Sicht wieder frei wird.

Ob Friedhöfe oder Parkanlagen, für Evert kommt es in erster Linie darauf an, den natürlichen Wachstumscharakter der Pflanzen zu respektieren und den Habitus zu erhalten. „Als Gärtner müssen Sie wissen, wie ein ein Baum im nächsten Jahr auf den Schnitt reagiert.“ Dieser Anspruch ist oft weit gefehlt.

Auch am Aussehen der Friedhofs-Platanen lässt Evert kein gutes Haar, „eine Katastrophe“. In fünf Jahren habe man „Riesen-Katzenköpfe“. Das sind Bäume auf dem Baum, die der Statik zusetzen. Die vielen „Kleiderhaken“, abgesägte Ast-Stumpen, sind dem leidenschaftlichen Gärtner ebenso ein Graus.

„Wir sind verantwortlich für den Murks“, erklärt Hans-Peter Barz im Falle der Platanen den schwierigen Abwägungsprozess. Weil die Bäume durch nicht sichtbaren Pilzbefall stark geschädigt seien, blieben nur diese Maßnahmen, die auch bei Barz „Unzufriedenheit“ zurücklassen. „Hier kann man nicht mehr viel richtig, nur noch viel falsch machen und nicht mehr agieren, sondern nur noch reagieren.“

Schnittexperte Evert plädiert für ein Denken in langen Zeiträumen: „Sie brauchen eine Langzeitstrategie.“ Landschaftsgärtner müssten planen und nicht den Irrglauben haben, alles Grün in einem Winter pflegen zu können. Oft wird in den Grünanlagen überall ein bisschen geschnitten und dafür nirgends richtig. Damit sparten Gärtner jedoch nichts von ihrer knappen Zeit, im Gegenteil, nächstes Jahr sei die gleiche Arbeit wieder fällig.

Dass man denkt, die Schnittarbeit auch sehen zu müssen, hält Evert für einen großen Fehler: „Man darf hinterher nicht sehen, dass Sie tätig waren. Dann haben Sie einen Super-Job gemacht“, ermuntert er die Gärtner. Auch rührseliges Erhalten eines jeden Gewächses sei bei einem Gestalter fehl am Platz: „Sie brauchen ein eiskaltes Herz und ein messerscharfes Beil.“ In diesem Sinne, um Luft zu schaffen und die gestalterische Idee wieder aufleben zu lassen, werden auf dem Friedhof fünf Hainbuchen gefällt, zwei Hecken und mehrere Büsche gerodet. Als die Gärtner fertig sind, sieht es diesmal aus, als ob es dort schon immer so gewesen sein müsste.

Um der Gestaltung willen, müssen Bäume auch mal fallen, wie fünf Hainbuchen. Das sorgt für mehr Licht und Sicht.
Um der Gestaltung willen, müssen Bäume auch mal fallen, wie fünf Hainbuchen. Das sorgt für mehr Licht und Sicht.
Klaus-Jürgen Evert: „Man darf hinterher nicht sehen, dass Sie tätig waren.“
Klaus-Jürgen Evert: „Man darf hinterher nicht sehen, dass Sie tätig waren.“
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