Jetzt fahren sogar Taxis als „Käthchen“
Nach Geranien, Pralinen, Sekt: Neckarsulmer erreicht beim Patentamt Markenschutz auf vier Rädern

Die pfiffige Idee entwickelte Helmut Götz mit seinem Vater Erwin bereits vor rund einem Jahr. Der Taximarkt ist umkämpft, „man muss neue Ideen haben“, sagt Helmut Götz. Das knallgelbe Outfit seiner Taxis und das Logo mit dem Käthchen-Kopf und den Zöpfen in Heilbronner Stadtfarben war ihm einiges wert. Rund neun Monate hat es gedauert, bis der Markenschutz genehmigt war. Durch das beantragte Eilverfahren und die Anwaltskosten hat er rund 2000 Euro bezahlt, überschlägt Götz. Als Sympathieträger will Götz die Kleist'sche Theaterfigur Käthchen von Heilbronn nutzen. „Ich hoffe“, sagt der 32-Jährige schmunzelnd, „auf mehr Arbeit.“
Kein Aufschrei kommt von der Heilbronn Marketing Gesellschaft (HMG) ob der neuen Käthchen-Offensive auf vier Rädern. „Wir können nur Bereiche, in denen wir tätig sind, schützen“, sagt Geschäftsführer Bernhard Winkler. Einen allumfassendes Namensschutz gebe es nicht. „Das ist rechtlich nicht möglich.“ Wenn der Käthchen-Name positiv eingesetzt werde, ist es für Winkler kein Problem. „Das ist für die Stadt doch ein Werbeträger.“
Vor rund vier Jahren war das noch etwas anders. Da lagen die Heilbronner Marketing-Strategen im Clinch mit der Unternehmerin Ute Rossi-Wolter aus Schwaigern, die sich rund 50 Bereiche - vor allem Nahrungsmittel, zum Beispiel Pralinen in geflochtener Form, aber auch eine Reihe von Veranstaltungen - unter dem Titel „Käthchen von Heilbronn“ gesichert hatte. Die Stadt hatte dies nicht und fürchtete bei Veranstaltungen das Nachsehen oder teure Lizenzgebühren. Am Ende gab es eine gütliche Einigung. Die Unternehmerin trat die Rechte für Veranstaltungen an die Stadt ab.
Zehn „Käthchen“-Titel sind beim Deutschen Patentamt geschützt, darunter eine Heilbronner Geranie und Sekt der Kurpfalz-Sektkellerei Speyer. Warum Speyer? „Wir haben den Namen für unseren Kunden Löffelhardt schützen lassen“, verweist Kurpfalz-Vorstand Gunther Butz auf eine ganz pragmatische Seite. Er kennt das Käthchen von Heilbronn nur aus einer Fernseh-Dokumentation. „Hübsch soll sie gewesen sein“, hat er erfahren.
So ganz unbeobachtet lässt die HMG Markenschutzbestrebungen anderer beim Deutschen Patentamt jedoch nicht. Wenn eine Marke der positiven Käthchen-Figur widerspreche, „würden wir einschreiten“, sagt Winkler. Ein beauftragtes Büro prüft Neuanmeldungen. 59 Euro kostet dies die Stadt im Jahr.
Unternehmer Helmut Götz kann dies alles ganz gelassen sehen. Sein Markenschutz fürs „Käthchen-Taxi“ gilt zunächst für zehn Jahre.
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