In heißem Fett bläst sich das Küchle auf

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Fasching in Omas Küche in Obereisesheim: Khadija und Amira backen „Fasnachtsküchlen“

Von Gertrud Schubert
Gar nicht einfach, die aufgeblasenen Küchle auf den Bauch zu drehen.
Gar nicht einfach, die aufgeblasenen Küchle auf den Bauch zu drehen.

Von Gertrud Schubert

Fasnacht ohne Küchle? Unvorstellbar. Doch Christel Welk (57) und ihre Mutter Lonny Bauer (82) müssen zugeben, dass sie die schöne Tradition zwar schätzen, aber nicht immer hoch gehalten haben. Die Uroma hatte das fettige Fasnachtsgebäck einfach im Haus - ihr Mann war Bäcker in Obereisesheim. So kam es, dass die Christel im eigenen Haus mit den eigenen Kindern das Küchlebacken erst einmal anfangen musste. Und jetzt zeigt sie den Enkelinnen wie aus einer Kugel Hefeteig die schmotzigen Narrenteilchen werden.

„Man nehme“, das war Khadija schon klar, sie bäckt schließlich manchmal mit ihrer Mutter Hefezopf: Milch, Mehl, einen halben Würfel Hefe, Zucker, Butter, ein Ei. Damit sie ja nichts verpasst von dem Backvergnügen, hat sie sogar bei ihrer Oma übernachtet. Und so streben die beiden am ersten Faschingsferienmorgen schon um 8 Uhr zum Einkaufen in den Supermarkt. Ein Stündchen später ist der Teig geknetet. Während er geht, räumen Oma und Enkelin die Küche auf.

Jetzt wird ausgewellt. Und während ein Kilo Pflanzenfett in einer gar nicht so hohen Pfanne langsam vor sich hin schmilzt und leis zu brodeln anfängt, fährt Khadija mit dem Backrädle über den Teig. Sie schneidet Rauten aus. Warum? „Weil’s schöner aussieht.“ Rund sind doch bloß die Berliner. Und da bleibt beim Ausstechen so viel Rest.

Vorsichtig trägt sie ein Teigstückle ums andere vom Tisch zum Herd und versenkt es im heißen Fett. „Wenn sie ewig unten liegen bleiben, ist das Fett zu kalt“, erklärt die Oma. Doch sie hat zuvor den Test mit dem Kochlöffelstiel gemacht, es ist heiß genug, ganz viele Bläschen steigen am Holz auf.

Und der Teig geht unter. Aber bloß ganz kurz. Dann taucht das noch weiße Teilchen langsam wieder auf, schwimmt auf dem Fett und bläst sich mächtig auf. Khadija ist begeistert: „Das ist die Hefe.“ Die ganze Faschingsküchenphysik („Der Auftrieb ist gleich dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeit“), wollen die beiden Mädchen noch nicht so wirklich kapieren. Aber Badewannenexperimente werden sich bestimmt anschließen.

Inzwischen ist nämlich auch Amira da und steht furchtlos und kurzärmelig vor der Fettpfanne und versucht, mit dem Kochlöffel die Küchle zu wenden. Sie sollen doch auf beiden Seiten schön braun werden. Dann bugsieren die Mädchen die fetttriefenden Fasnachtsküchlen auf einen mit Küchenkrepp belegten Teller - zum Abtropfen. Die Oma streut Zucker und Zimt darüber. Fertig.

Amira nimmt das Küchle wieder mit spitzen Fingern vom Teller und tunkt es fest ins Apfelmus. An Fasnacht darf man mit den Händen essen. Das sind doch einfach tolle Tage. Guten Appetit!

Christel Welk wälzt den letzten Teig-rest auf. Uroma Lonny schaut zu.
Christel Welk wälzt den letzten Teig-rest auf. Uroma Lonny schaut zu.
„Ich zeig es dir.“ Khadija (links) darf „rädeln“, gleich ist Amira dran.
„Ich zeig es dir.“ Khadija (links) darf „rädeln“, gleich ist Amira dran.
In heißem Fett bläst sich das Küchle auf
In heißem Fett bläst sich das Küchle auf
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