Dem Heidelberg-Mensch auf der Spur

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Bohrung an Sandgrube Ingelfinger bei Frankenbach soll Auskunft über Klima vor 700 000 Jahren geben

Von Heiko Fritze

Die Fundstelle von Mauer gibt's nicht mehr. "Leider", bedauert Wolfgang Hansch. 1907 wurde dort, unweit von Heidelberg, in einer Sandgrube der Unterkiefer eines urzeitlichen Menschen gefunden, nach jüngsten Schätzungen etwa 700 000 Jahre alt. Dieser "homo heidelbergensis" gilt heute als mit das älteste europäische Fossil des Menschen. Und in der näheren Umgebung sind nur noch in der ehemaligen Sandgrube Ingelfinger bei Frankenbach Schichten erreichbar, die zeitlich mit jenen von Mauer übereinstimmen.

Grund genug also für eine Forschergruppe rund um Hansch, Leiter des Heilbronner Naturhistorische Museums, eine Bohrung in unmittelbarer Nähe zur Grube niederzubringen. Insgesamt 60 Meter tief werden die Arbeiter in den nächsten Tagen vordringen und Bohrkerne nach oben befördern. Säuberlich nummeriert lagern sie bis April im Heilbronner Hagenbucher-Bau, ehe die Forschergruppen sie mit diversen Methoden analysieren. Beteiligt sind unter anderem die Universität Bayreuth, die Außenstelle Weimar des Senckenberg-Instituts, das Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum, Geowissenschaftler der TU Darmstadt sowie das Leibniz-Institut für Geophysik aus Hannover. Oberstes Ziel ist, eine lückenlose und ungestörte Schichtabfolge zu bekommen. Unter anderem werden die Proben dann auf Pollen untersucht, um Hinweise auf die Pflanzen bestimmter Zeiträume zu erhalten. "Wenn wir sogar Knochen- oder Zahnreste von Tieren fänden, wäre das ein großer Erfolg", sagt Hansch.

Die Ergebnisse der Bohrung sollen beim internationalen Kongress anlässlich des 100. Jahrestages des Mauer-Fundes präsentiert werden. "Es wird dann auch Exkursionen geben, und eine wird nach Frankenbach führen", kündigt Hansch an.

Noch aber ist es nicht so weit. Die Bohrung ist ohnehin nur ein erster Schritt. Dass sie überhaupt vorgenommen wird, geht auf die Eiszeit-Ausstellung im Naturhistorischen Museum vor drei Jahren zurück: Damals erfuhr die breite Öffentlichkeit in einem Beitrag des Mannheimer Wissenschaftlers Wilfried Rosendahl erstmals, dass die Sandgrube das einzige noch existierende Fenster zur Cromerzeit (vor 900 000 bis 500 000 Jahren) ist, in der jener Heidelberg-Mensch lebte. Der Arbeitskreis Naturhistorisches Museum mit seinem Leiter Fritz Ruf machte sich daran, Sponsoren für die Bohrung zu suchen, und fand sie in der Kreissparkassen- und der Dieter-Schwarz-Stiftung sowie im Förderverein der Städtischen Museen und dem Oberrheinischen Geologischen Verein. Hansch hofft noch auf weitere Mittel: "Dann können wir einen Teil der Wand in der Sandgrube freilegen." Dabei könnten womöglich größere Fossilien geborgen werden. Knochen von Waldelefanten, Bibern, Elchen und Bisons wurden dort ja schon gefunden.

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