Das Kreiswehrersatzamt schließt die Türen zu

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Ab Juli gibt es in Heilbronn keine Bundeswehr-Zivilverwaltung mehr - 220 000 junge Männer in 50 Jahren gemustert

Von Joachim Friedl
Die Tage des Kreiswehrersatzamtes an der Lenaustraße 2 in Heilbronn sind gezählt. Am 30. Juni werden die Schlüssel übergeben. (Foto: Dittmar Dirks)
Die Tage des Kreiswehrersatzamtes an der Lenaustraße 2 in Heilbronn sind gezählt. Am 30. Juni werden die Schlüssel übergeben. (Foto: Dittmar Dirks)

Von Joachim Friedl

Die Zeitrechnung der Bundeswehr-Zivilverwaltung begann in Heilbronn am 13. September 1956 als „Kreiswehrersatzamt Schwäbisch Hall mit Dienstsitz in Heilbronn“. Die damals acht Mitarbeiter waren in angemieteten Gebäuden der stillgelegten Konservenfabrik Neckarring GmbH an der Ecke Salz- und Brüggemannstraße untergebracht. Zwei Jahre später wurde die Dienststelle sinnigerweise in „Kreiswehrersatzamt Heilbronn“ umbenannt.

In den fünf Jahrzehnten hieß es für die Mitarbeiter - in Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 90 Personen in der Verwaltung - immer wieder, Umzugskisten zu packen. Stationen nach der Salzstraße waren die Hundsbergstraße, Frankfurter Straße, Badstraße und verschiedene Gebäude an der Bismarckstraße. 1996 zog das Kreiswehrersatzamt in das einstige Reichswehr-Kasino an der Lenaustraße beim Silcherplatz.

Zuständig war das Kreiswehrersatzamt für die Musterung und Einberufung junger Männer aus der Region Heilbronn-Franken. „In den 50 Jahren wurden mehr als 220 000 Musterungen vorgenommen“, rechnet Oberregierungsrat Dr. Torsten Schmidt hoch. Eingestellt wurde die Wehrdienst-Tauglichkeitsprüfung am 10. Oktober 2005, nachdem im November 2004 der damalige Verteidigungsminister Peter Struck völlig überraschend das Aus des Kreiswehrersatzamtes zum 30. Juni 2006 erklärt hatte. Als Gründe wurden damals „rein wirtschaftliche Überlegungen“ genannt.

Geregelt wurde in den vergangenen Monaten die Zuständigkeitsfrage. Für die Musterung und Einberufung junger Männer aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn ist künftig das Kreiswehrersatzamt Stuttgart federführend. Angehende Soldaten aus den Landkreisen Hohenlohe und Schwäbisch Hall werden von Schwäbisch Gmünd, die Wehrpflichtigen aus dem Main-Tauber-Kreis vom Kreiswehrersatzamt Würzburg betreut. „Die Beschäftigten des Heilbronner Amtes konnten alle, soweit sie nicht aus dem aktiven Dienst ausschieden, sozialverträglich in umliegenden Bundeswehr-Dienststellen untergebracht werden“, betont Torsten Schmidt die Fürsorgepflicht des Bundes seinen Beschäftigten gegenüber. Zum Schluss zählte die Dienststelle noch 63 Mitarbeiter.

Dennoch herrscht Wehmut an der Lenaustraße 2. Günter Major, ein Urgestein des Kreiswehrersatzamtes Heilbronn, bringt die Stimmung wenige Tage vor der Schlüsselübergabe auf den Punkt: „Es tut schon weh. Wir waren ein wirklich tolles Amt.“ Das Gebäude Lenaustraße 2 geht jetzt in das Grundvermögen des Bundes über. „Die Stadt Heilbronn hat kein Kaufinteresse“, wie Helmut Semenass, Leiter des Liegenschaftsamtes, erklärte.

Nach dem Kreiswehrersatzamt Heilbronn schließt im September der Bundeswehrstandort Külsheim, Mitte 2007 wird die Kaserne in Tauberbischofsheim aufgelöst. Bestehen bleiben die Kasernen Walldürn und Hardheim.

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