Das Geschäft mit der Schönheit reizt

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Die plastische Chirurgin Karin Biefel aus Heilbronn kritisiert die "Billig-Medizin" von Arzt-Kollegen

Von Helmut Buchholz
Zum Beispiel Brust-OP: Das Geschäft mit der Schönheit lohnt sich. Dass sich allerdings jeder Arzt "Schönheitschirurg" nennen darf, das würden die Fachärzte der plastischen Chirurgie gerne ändern. (Foto: Archiv)
Zum Beispiel Brust-OP: Das Geschäft mit der Schönheit lohnt sich. Dass sich allerdings jeder Arzt "Schönheitschirurg" nennen darf, das würden die Fachärzte der plastischen Chirurgie gerne ändern. (Foto: Archiv)

"Ich habe nicht jahrelang eine Ausbildung gemacht, um diese Billig-Medizin zu billigen", sagt Dr. Karin Biefel. Die Heilbronner Fachärztin für plastische Chirurgie hat jeden Monat etwa drei Patienten im Wartezimmer sitzen, die mit Komplikationen aus einer Erstbehandlung zu ihr kommen. Dabei handele es sich nicht nur um Leute, die sich zum Schnäppchenpreis in Afrika oder in Osteuropa die Brust vergrößern ließen. Nein, sagt die Ärztin, auch Medizinerkollegen im Unterland - "quer durch alle Fachgebiete, mit und ohne Fachausbildung" - entdecken Schönheitsoperationen als neue Einnahmequelle. Der Grund: "Die Kollegen kämpfen finanziell ums Überleben." Schönheitsoperationen bringen gutes und bares Geld, da sie in der Regel vom Patienten selbst bezahlt werden.

Unter plastischen Chirurgen kursiert laut Karin Biefel sogar ein Fachbegriff für die unliebsame Konkurrenz: "Schwarz schlachten". Allerdings hat das Ganze nichts mit Schwarzarbeit zu tun. Denn dass selbst Heilpraktiker ästhetische Eingriffe vornehmen, ja sogar offensiv dafür werben, ist rein rechtlich gesehen nicht unbedingt illegal. Das Problem ist, dass lediglich der Facharzt für plastische Chirurgie rechtlich geschützt ist. Doch "Schönheitschirurg" darf sich faktisch jeder Arzt nennen, auch wenn er nur einen Wochenendkurs im Faltenunterspritzen besucht hat. Das ist dem Verband der deutschen Plastischen Chirurgie (VDPC) schon lange ein Dorn im Auge. "Jeder Klempner muss einen Meisterbrief haben, um bestimme Arbeiten ausführen zu können", sagt Dr. Marita Eisenmann-Klein, VDPC-Vizepräsidentin. "Nur bei uns soll jeder Arzt alles dürfen", sagt die Plastische Chirurgin aus Regensburg. Schließlich sei die Zahl der Kunstfehler bei unzureichend qualifizierten Operateuren "sehr, sehr hoch". Die Menge dieser Fälle "hat explosionsartig zugenommen".

Dr. Ralph Marquetand ist wahrscheinlich einer der unliebsamen Kollegen von Biefel und Eisenmann-Klein. Der Heilbronner Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg hat schon seit sieben Jahren Erfahrung mit der ästhetischen Medizin - hauptsächlich Falten-Beseitigung. Die Vorwürfe, die die plastischen Chirurgen gegen ihn und seine Facharztgruppe richten, hält er allerdings für überzogen. "Das ist schon ein sehr hohes Ross, auf das die sich setzen." Gleichwohl stellt der Mediziner ebenso "einen gewissen Wildwuchs fest". Allerdings will er die Fachausbildung gegenüber der Lehre, die die Praxis mit sich bringe, nicht so hoch hängen. Die plastische Chirurgie "würde ich nicht so eng fassen".

Kreisärztesprecher Dr. Thomas Gehrig findet nicht gut, "wenn ein nicht qualifizierter Arzt Schönheitsoperationen macht". Allerdings sei ihm kein einziger Kollege bekannt, der das im Stadt- oder Landkreis Heilbronn tun würde. Dasselbe sagt übrigens der auch Zahnärztesprecher Dr. Bernd Krämer aus Heilbronn. Gehrig: "Frau Biefel sollte Ross und Reiter nennen, wenn sie schon solche Vorwürfe erhebt."

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