Anfangs hatte auch „die Joy“ keine Freude am Computern
Internet & Co: Die Computerkurse von Joy Maier an den Volkshochschulen der Region sind populär - Jährlich kommen etwa 500 Teilnehmer

Joy Maier rechnet. So 500 Frauen, Männer und Kinder werden es schon sein, die sich Jahr für Jahr in ihren zahllosen Kursen bei den Volkshochschulen Heilbronn, Neckarsulm und Unterland tummeln. Internet, Excel, Powerpoint, Microsoft Office, Word in allen Variationen und Raffinessen oder auch allererstes Ausprobieren „der Kiste“ - kein Anwendungsthema bleibt ausgeklammert. Die jüngsten Computerschüler kommen in „Kidskurse“ und sind etwa neun Jahre alt. Die ältesten Lehrlinge von Joy Maier (52) zählen 70, 75 Lenze - Senioren, die es endlich wissen wollen.
Ganz am Anfang, Joy Maier gesteht es unumwunden, hatte sie überhaupt keine Freude am Computern. Als junge Bibliothekarin sollte sie für die Umstellung des Leihsystems auf EDV die Daten erfassen und hielt sich schlicht für „zu dumm dafür“. Die Welt der Bibliothek schien ihr sowieso bald langweilig, sie wechselte ins Hotelfach und wanderte schließlich vermittelt von einer Zeitarbeitsfirma von Büro zu Büro - und war jedes Mal mit einem neuen Textsystem konfrontiert. Maier: „Ich wurde kurz eingewiesen, was ich zu tun habe, das war's.“ Da musste sie schon manchmal am Feierabend das Benutzerhandbuch wälzen. Doch jetzt war Joy Maier fasziniert, „weil alles so logisch war“.
Irgendwann Ende der 80er Jahre machte es klick und die Autodidaktin sich selbstständig: „Das kann ich alleine auch“, sagte sie sich und vermittelte sich selbst als Krankheitsvertretung und Springerin in Betriebe. Sie schaffte sich privat ihren ersten Computer an, bearbeitete daheim Texte aller Art. „Ich habe mich da reingewurschtelt“, beschreibt sie heute ihren Lernprozess. Und als sie immer häufiger in Betrieben gefragt wurde „O, Frau Maier, kommen Sie mal her, wie geht denn das?“, machte es wieder klick: Joy Maier gab in einer Firma ihren ersten Computerkurs.
Bei der Volkshochschule Heilbronn heuerte sie 1990 im Frauenprogramm „Zurück in den Beruf“ an. Sie war die ideale Besetzung, „weil ich eine Frau bin“, ganz einfach. Noch heute bietet die Volkshochschule Frauen Extra-Computerkurse an. Aus guten Gründen.
„Frauen“, sagt die Computerlehrerin, „haben einen praktischen Zugang zum PC.“ Sie wollen, bevor sie auf einen Knopf drücken, die volle Konsequenz wissen von dem, was sie da tun. „Männer machen's anders. Sie probieren rum und merken sich den Weg, auch wenn er noch so umständlich ist“, sagt Joy Maier. Das mehr systematische Vorgehen der Frauen hält sie für erfolgreicher: „Das Wissen sitzt auch.“
In nicht gemischten Kursen sind die Teilnehmer freier. Maier: „Frauenkurse sind lebhafter, da wird viel gefragt, viel gelacht. Die Stimmung ist grundsätzlich anders.“ Keine hat Angst, sich zu blamieren. Diese Angst, so beobachtet Joy Maier immer wieder, kennen Männer am Computer übrigens auch.
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