Das Gartentempelchen über den Dächern von Heilbronn

Tag des offenen Denkmals in Gärten und Parks: „Rasen, Rosen und Rabatten“ ergänzt Heilbronn mit „Reben“ und besichtigt zwei Weinberghäuschen

Von Gertrud Schubert

Das Gartentempelchen über den Dächern von Heilbronn
Nach dem Vortrag ergeht sich das Publikum im Gartenbelvedere und zieht dann weiter zum nächsten Denkmal, dem schlichten Sandstein-Weinberghäuschen von Ulrich Friedrich Brecht, erbaut 1744. (Foto: Gertrud Schubert)
„Rasen, Rosen und Rabatten“ waren Thema gestern am Tag des offenen Denkmals in ganz Deutschland. In Heilbronn hätte sich ohne weiteres noch ein viertes R für die Reben hinzugesellen dürfen. Vier von einst sehr vielen „Weinberghäuschen dieser Art“ existieren noch, sagte Dr. Joachim Hennze.

Doch das Thema „historische Parks und Gärten“ eröffnet ja noch weitere Perspektiven. Deshalb lockte Hennze die Denkmalfans auch auf den alten Böckinger Friedhof mit seiner mit historischen Baustilen spielenden Kapelle von 1905 und in den Prachtgarten der neoklassizistischen Bürgervilla, die ein Oberlehrer Winker Ende der 1920er Jahre „Im Gemmingstal“ bauen ließ.

 Allein hier fanden sich zur Schlussrunde am Denkmalstag 150. interessierte Besucher ein. insgesamt ist Joachim Hennze, der in der Stadt für Denkmal-Bauten und -Anwesen zuständig ist, über die Resonanz glücklich: 300 Besucher, das kann sich sehen lassen.

Das Gartentempelchen über den Dächern von Heilbronn
Groß waren Interesse und Andrang im Garten der Villa Winker: 150 Denkmal-Freunde kamen zum letzten Termin am Tag des offenen Denkmals. Insgesamt waren es 300 neugierige Gäste bei den Führungen. (Foto: Dittmar Dirks)
Sogar ein Ehepaar aus Aglasterhausen hat den Weg in den Seniorengarten am Nordberg gefunden. Mit Glück allerdings. Es fragte Radfahrer an irgendeiner Kreuzung in der Stadt. Die hatten zufällig dasselbe Ziel im Labyrinth der Wartberg-Weinbergwege vor sich: das Gartenbelvedere, das Architekt Adolf Braunwald 1911 für den reichen Heilbronner Bürgersohn Rudolf Sperling angelegt hatte. Selbst Heilbronner gestehen, dass sie sich nicht leicht getan haben, das Kleinod ausfindig zu machen.

Punkt 13 Uhr indes umstehen doch 70 Gäste im Halbrund das barock anmutende, achteckige Tempelchen mit seinem grünen Kupferdach. Einige haben hier oben schon zu Mittagessen, der eine und die andere war auch beim Gottesdienst im Grünen, mit dem hier der schönen Sonn(en)tag begonnen hat.

Jetzt aber sind alle ganz Auge und Ohr für Sperlings sonderbares Anwesen und seine Geschichte. Das Grundstück gleicht einem grünen, langen Handtuch. Von ein paar Obstbäumen bestanden, links und rechts des Tempelchen gewaltige Walnussbäume wohl aus den Anfangsjahren, entbehrt der Garten doch nicht eine gewisse barocke Symmetrie.

Das Gartenhaus selbst lässt sich nach drei Seiten mit großen Türen öffnen. Unter den wie Seitenflügel angehängten, einst sicher mit Wein und Rosen berankten Pergolen, versammelten der junge Rudolf Sperling Verwandtschaft und Freundesschar. Hier erfrischten sie sich bei einem Gläschen Wein vom schweißtreibenden Aufstieg und genossen den weiten Blick über die Stadt ins noch unverbaute Land.

Sperling zählte 1914 zu den Kriegfreiwilligen. Er fiel im September. Seine Base, die Krankenschwester Irmgard Link, erbte das Anwesen und vermachte es in den 70er Jahren der evangelischen Gesamtkirchengemeinde für die Senioren. Deshalb ist hier der Seniorengarten.