Zuckerfest macht seinem Namen Ehre

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Wie Muslime das Ende des Fastenmonats Ramadan feiern, einen der wichtigsten Feiertage im Jahr. Die Heilbronner Fatih-Moschee in der Goppeltstraße macht am Sonntag, 28. Oktober, von 11 bis 20 Uhr einen Tag der offenen Tür

Von Helmut Buchholz
Üppig gedeckte Tafel: So wie bei Ferhat Dag zu Hause wird an diesem Wochenende in vielen muslimischen Familien gefeiert.Foto: Guido Sawatzki
Üppig gedeckte Tafel: So wie bei Ferhat Dag zu Hause wird an diesem Wochenende in vielen muslimischen Familien gefeiert.Foto: Guido Sawatzki

Heilbronn - Said Dag ist glücklich. Nicht nur, weil er nach einem Monat jetzt wieder bei Tageslicht essen und trinken darf. Es gibt auch viele Geschenke. Denn für den fast 13-jährigen Muslim und seine Glaubensbrüder- und -schwestern in der ganzen Welt ist das Ende des Fastenmonats Ramadan das, was für seine christlichen Altersgenossen Weihnachten bedeutet: einer der wichtigsten Feiertage im Jahr.

So ist es Brauch: Der kleine Mann trägt seine festlichste Kleidung. Freude bereitet ihm wie allen Kindern auch, dass neben den Geschenken traditionell jede Menge Süßigkeiten gereicht werden. Weshalb das Fest im Deutschen auch Zuckerfest heißt.

Der Imam, der Vorbeter in der Fatih-Moschee, hat Said Dag und allen anderen jungen Gläubigen eine Tüte voller Bonbons, Schokoriegel und weiterer Leckereien in die Hand gedrückt. „Das ist die schönste Feier im ganzen Jahr“, sagt der Junge, der am Freitag extra von der Schule freibekommen hat. „Zum Glück stand keine Klassenarbeit an“, sagt sein Vater Ferhat Dag.

Die Moschee in der Heilbronner Goppeltstraße ist am frühen Morgen so voll wie fast an keinem anderen Tag im ganzen Jahr. Die Gläubigen sitzen bis in die Flure hinaus. Rund 2000 Muslime sind gekommen. In der Ditib-Moschee in der Weinsberger Straße mussten die Gottesdienstbesucher mit den Gebetsteppichen bis auf den Parkplatz vor dem Gebäude ausweichen. Solches Gedränge herrscht hier sonst nur beim Opferfest, dem zweiten hohen Feiertag im Islam.

Jeder, der an Allah glaubt, wird an diesem Wochenende auf den Beinen sein. Denn das Morgengebet in der Moschee ist nur der Auftakt von vielen Festessen und Besuchen. In den Häusern der Muslime herrscht Hochbetrieb. Die Tafeln sind reich gedeckt. Bei Ferhat Dag scharen sich über ein Dutzend Gäste aus drei Familien beim Frühstück nach dem Moscheebesuch um den Tisch. Später wird sein Sohn mit seinen Freunden noch von Tür zu Tür ziehen, und um Gaben bitten. Meist erhalten sie Süßigkeiten. Eine Bescherung fast wie an Weihnachten.

„Mein Sohn hat Taschengeld bekommen“, sagt Erdinc Altuntas, der die Ditib-Moschee besucht. Seine Mutter bekam eine Winterjacke, der Vater ein Hemd. Muslime denken in diesen Tagen jedoch auch an Glaubensgeschwister, die nicht mobil sind. Sie besuchen muslimische Häftlinge im Heilbronner Gefängnis und Kranke in der Klinik. Alle rücken ein bisschen zusammen - um sich und ihrem Gott ganz nah zu sein.

Info Die Heilbronner Fatih-Moschee in der Goppeltstraße macht am Sonntag, 28. Oktober, von 11 bis 20 Uhr einen Tag der offenen Tür.

Nach oben  Nach oben