Wunderkammer der Alltagsdinge
Heilbronn - Premiere in der Wilhelm-Hauff-Schule. Gespannt schauen Kinder und ihre Eltern auf die Leinwand. Sie entdecken sich selbst.

Heilbronn - Premiere in der Wilhelm-Hauff-Schule. Gespannt schauen Kinder und ihre Eltern auf die Leinwand. Sie entdecken sich selbst. "In den Dingen" heißt der Film und zeigt Drei- bis Zehnjährige bei eigenwilliger Welterkundung. Fünf Hauff-Kinder und ihre Familien sind auch dabei. 18000-fach geht die DVD über die Weltwissen-Vitrine der Kinderforscherin Donata Elschenbroich jetzt in Grundschulen und Kindergärten von Baden-Württemberg. Der Film soll zum Nachmachen anregen.
"Weltwissen-Vitrine, das klingt doch ein bisschen hochtrabend", Schauschrank, Glasschrank wäre vielleicht leichter zu verstehen. Brigitte Heinle, Lehrerin von Erstklässlern, hat in der Hauff-Schule so eine Sammlung mehr oder weniger alltäglicher Dinge.
Kaffeemühle
Immer dienstags, vorausgesetzt es sind nicht alle Gegenstände in Umlauf, versammeln sich fünf, sechs Kinder vor der Vitrine und beratschlagen, was sie gerne ausleihen würden. Den Schneebesen vielleicht? Diese komische Metallharfe, die sie Eierschneider nennen? Apfelausstecher und Nudelholz, Springseil und Kaffeemühle stehen da und warten nur darauf, genau erkundet zu werden. Das heißt, die Kaffeemühle ist fast nie in der Vitrine, so begehrt wie sie ist.
In der Kindertagesstätte Charlottenstraße gleich gegenüber gibt es auch so einen Glasschrank voller Alltagsdinge. Schule und Kindergarten arbeiten seit anderthalb Jahren als eines von 33 Bildungshäusern in Baden-Württemberg eng zusammen. Elschenbroichs Weltwissen-Vitrine ist ein bunter Mosaikstein in dieser Bildungskooperation.
John (jetzt 6, im 2008 gedrehten Film entsprechend jünger) hat eine Schere mit Griffen für vier Finger ausgewählt und eine Zickzackschere: "Ich habe etwas mitgebracht. Wir haben Hausaufgaben." Sein Vater Alexej Trynx probiert mit ihm die Geräte aus. John malt, was er erfahren hat. Sein Papa schreibt in Ich-Form auf, was sein Junge ihm diktiert. Im Kindergarten erzählt John, was er alles gemacht hat. Dabei hält er den Gegenstand fest in der Hand, das erleichtert das Reden.
Familie Gül, Nilüfer (9), Ogulcan (10), Nazlican (15) und ihre Eltern, ließen einen Tischtennisball auf dem Luftstrom einen Föhns tanzen. Und Yüsre (8) kam mit einer Balkenwaage heim, wog Äpfel und Zwiebeln. Ihre Mutter Gülezar Günes wunderte sich nicht so sehr über die alte Waage, so eine hatten sie zuhause in ihrem kurdischen Dorf auch. So kam sie ins Erzählen.
Küchenschrank
Beim Filmanschauen sagt eine Mutter plötzlich: "Ich habe daheim ja auch eine Weltwissen-Vitrine", den Küchenschrank. Nelli Trynz findet die Idee "einfach genial": "Man denkt immer, dass die Kinder das schon wissen" − und merkt plötzlich, dass das gar nicht stimmt. Ihr Mann ist fasziniert: "Das bringt Eltern und Kinder näher zusammen. Man verbringt mehr Zeit miteinander." Die Mama von Evelyn (5), Gabriele Dick, hat sich selbst beobachtet: "Man sieht die Sache aus der Kinderperspektive."
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