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Woher der Imker weiß, dass der Rapshonig Rapshonig ist

Wenn 1000 Bienen zum Nektarsammeln ausfliegen, könnte einiges durcheinanderkommen, sollte man meinen - Ein Heilbronner Imker sagt, wie's geht

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INTERVIEW Wie kommt die Akazie in den Akazienhonig? Besser: Woher weiß der Imker, woraus der Honig ist?



Bodo Peter: Wenn man unterm Mikroskop die Pollen, also den im Honig enthaltenen Blütenstaub betrachtet, kann man die Pollenstruktur erkennen. Das kann man sich vorstellen wie Wolken, freie Formen, die in Flüssigkeit schwimmen und in die man Phantasiebilder hinein interpretieren könnte. Anhand der Struktur kann man die Honigsorte erkennen: weil Rapspollen ganz anders aussehen als Ahorn- oder Lindenpollen.
Und wenn nun jede Biene an eine andere Art Blüte flöge? Richtet ein Imker sein Volk ab, damit es die passende Sorte Honig produziert?
Peter: Die Biene hat eine Eigenschaft, die man "blütenstet" nennt. Wenn die Biene jetzt morgens ausfliegt und beispielsweise Kirschblüten findet, dann fliegt sie den ganzen Tag zum Kirschbaum und wieder zurück. Und nicht nur sie. In der Bienensprache berichtet sie den tausend anderen Bienen nicht nur, wo der Baum steht, sondern auch, mit wie viel Tracht, also Nektar, er lockt. Dann fliegen alle dorthin. Im Gegensatz zur Hummel, die ganz gemütlich vom Löwenzahn zur Rose und übers Gänseblümchen zur Wegwarte fliegt.
Woher aber weiß der Imker vom Kirschbaum?
Peter: Bienen fliegen bis zu drei Kilometer vom Bienenstock weg, der Imker kann also nicht alles wissen. Aber wenn man zum Beispiel ein Bienenvolk mit leeren Honigwaben in einen blühenden Lindenwald stellt oder in ein blühendes Rapsfeld, dann sind die Bienen so überwältigt, dass man nachher zu 80 Prozent Linden- oder Rapshonig in den Waben hat. Ist die Tracht groß, kann man reinen Honig ernten.
Gucken Sie Ihren Honig jedesmal unterm Mikroskop an?
Peter: Nein, natürlich nicht. Es könnte vorkommen, dass der Stock im Rapsfeld stand, ich den subjektiven Eindruck "Rapshonig" habe, die Bienen aber waren in den Horkheimer Tabakblüten: Dann wäre mein Honig falsch deklariert. Das würde aber nichts an seiner Reinheit oder Qualität ändern.
Muss Akazienhonig zu hundert Prozent aus Akazien stammen?
Peter: Nein. Sortenhonige sind dann richtig deklariert, wenn der überwiegende Anteil von Pollen im Honig von der bezeichneten Blüte oder Pflanze stammt.
Wie heißen Ihre Sorten?
Peter: Weil ich keine Sorten anstrebe, lasse ich die Honige lang im Stock, dadurch sind sie gut gereift und stammen aus Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen: vom Krokus über die Obstblüte bis hin zum Löwenzahn. Im Spätfrühjahr ernte ich "Blütenhonig", im Sommer "Waldhonig", einen sehr würzigen Honig, in dem auch Himbeer- und Brombeernektar sind.
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