Steinschlag an Kilianskirche: Bruchstücke kommen unters Mikroskop

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Heilbronn - Auch die Nachschau der Experten vom Landesdenkmalamt hat am Dienstag keine Aufhellung gebracht: Warum am Sonntag mehrere Sandsteinbrocken einer Kreuzblume vom Turm der Kilianskirche herabstürzten, ist weiterhin unklar.

Von Carsten Friese





Heilbronn - Auch die Nachschau der Experten vom Landesdenkmalamt hat gestern keine Aufhellung gebracht: Warum am Sonntag mehrere Sandsteinbrocken einer Kreuzblume vom Turm der Kilianskirche herabstürzten, ist weiterhin unklar.

"Der Stein weist keine sichtbaren Vorschädigungen auf, es gibt keine Klebeverbindungen, keine Risse, keine Fugen", teilt Kirchenpfleger Rolf Krieg mit. Der Sandstein stammt aus der neuesten Sanierung zwischen 2002 und 2005 und wurde offenbar als komplett neues Stück eingesetzt. Krieg: "Deshalb sind wir ja so ratlos, weil es im Moment keinen Sinn ergibt." An zwei Stellen war der Sandstein abgebrochen.

Spezialhubsteiger

Nun soll die Materialprüfungsanstalt Stuttgart im Auftrag des Landesdenkmalamtes die Bruchstücke unter dem Mikros-kop genau untersuchen und auch die Bruchstelle am Turm überprüfen. Die Kirchengemeinde will "die ungeklärte Geschichte" zudem zum Anlass nehmen, den Turm durch einen Steinexperten im Spezialhubsteiger abzufahren. Wahrscheinlich nach Ostern soll diese Sonderkontrolle erfolgen.

Absperrmaßnahmen stuft die Kirche nicht als notwendig ein. Keiner der Experten sehe derzeit eine Gefahr, teilt Krieg mit. Weil Fachleute sich künftig öfter im Turm aufhalten werden, sollen zunächst einmal keine Turmbesteigungen für Besucher angeboten werden. Am Sonntag, als die Bruchstücke hinabfielen, war Einkaufstag in der City. Der Turm war an dem Tag geöffnet.



Ingrid Helm-Rommel, Ulms Münsterbaumeisterin, kennt Probleme mit Steinschlag. Vom noch nicht restaurierten Nordturm des Münsters seien öfter Steine heruntergebrochen, auch in diesem Frühjahr nach starkem Wechsel von Frost und Erwärmung. An diesem Turm ist ein Fangboden als Schutz angebracht, ein Holzboden mit Netzen am Rand, der Steine auffängt. "Das wird man aber nicht an einem restaurierten Turm tun." Sechs Jahre seien für eine Restaurierung "kein Alter", stuft sie den Heilbronner Fall als "ungewöhnlich" ein.

Dass man den Heilbronner Sandstein der Kilianskirche nicht pauschal als verwitterungsanfällig einstufen dürfe, mahnt Harald Holz an, Steinmetz aus Eppingen-Mühlbach. Er arbeitet mit dem Material, das er als langlebig einstuft. Die Sandsteinquader "fallen ihnen in 1000 Jahren nicht runter", sagt er. Filigrane Verzierungen seien dagegen von allen Seiten der Witterung ausgesetzt.

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