Qualität und Herz gegen den Trend

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Branche stagniert, der Textilreinigermeister Kai Kölle expandiert

Von Manfred Stockburger
Gut gelaunt: Wäscherei-Chef Kai Kölle und sein Team in der Reinigung im Kaiser’s Turm. Sie wurde mit dem „Goldenen Kleiderbügel“ ausgezeichnet.Foto: Ralf Seidel
Gut gelaunt: Wäscherei-Chef Kai Kölle und sein Team in der Reinigung im Kaiser’s Turm. Sie wurde mit dem „Goldenen Kleiderbügel“ ausgezeichnet.Foto: Ralf Seidel  Foto: Ralf Seidel

Heilbronn - Die Branche schrumpft: Nur noch 2500 Reinigungen gibt es in Deutschland. Dass Kai Kölle vor zwei Jahren dennoch den Gegenwert eines Einfamilienhauses in einen 300 Quadratmeter großen Betrieb beim Kaiser’s Turm investiert hat, sorgte in der Branche für Aufsehen. Für das unternehmerische Konzept hat er jetzt den „Goldenen Kleiderbügel“ verliehen bekommen – eine hohe Auszeichnung in der Welt der chemischen Reinigung. Der 27-jährige Textilreinigermeister setzt konsequent auf Dienstleistung, um neue Kundenschichten für das Unternehmen zu erschließen. Der elterliche Betrieb in der Kernerstraße läuft parallel weiter.

Ein moderner Maschinenpark, die eigene Wäscherei, Parkplätze und Kapazität auch für Firmenkunden – so hat sich der Junior auf die Zukunft eingerichtet. Die Zahlen sind beeindruckend: 200 bis 300 Hemden wäscht und bügelt Kai Kölle mit seinem Team pro Tag, dazu kommen 300 bis 400 Kilo Wäsche. Dies macht die Hälfte des Umsatzes aus, die anderen 50 Prozent kommen aus dem klassischen Geschäft der chemischen Reinigung.

Kai Kölles Konzept liest sich wie die Umsetzung der Empfehlung der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege mit Sitz in Bönnigheim, die Wachstumspotenziale für Reinigungen vor allem im höherpreisigen Dienstleistungsbereich sieht. „Das Umsatzvolumen aus der Gruppe der Durchschnittsverdiener stagniert und einiges spricht dafür, dass es sinken wird“, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Schließlich sind heutzutage viel mehr Durchschnittstextilien waschbar als früher. Und der klassische Sonntagsanzug ist längst aus der Mode gekommen.

An Arbeit mangelt es dem Jungunternehmer dennoch nicht. Oberbekleidung, Hemden, Brautkleider, Abendgarderobe, Gardinen, Federbetten, Mangelwäsche: In allen Farben und Formen hängen Textilien in der Reinigung. Sieben Mitarbeiter sind dort damit beschäftigt, Dreck und Flecken aller Art zu entfernen. „Dass wir alles selber machen, sichert die Qualität und ermöglicht schnelle Lieferzeiten“, sagt Kölle, der seine Kunden zusammen mit seiner Frau Stefanie persönlich bedient. Der Espresso ist inklusive.

„Auch ein Privatwäsche-Service gehört zu unserem Konzept“, sagt Kai Kölle. 40 Stammkunden hat er hier inzwischen, die ihre Wäsche im Sack bringen und die sauberen Sachen fertig zusammengelegt zurückbekommen. Abgerechnet wird nach Kilogramm. Berufstätige Paare mit wenig Zeit nehmen diesen Service an, erzählt er. Aber auch Alleinerziehende, die sich nicht auch noch um die Wäsche kümmern wollen.

„Knochenarbeit“ „Textilreinigung ist Knochenarbeit“, sagt Mutter Hannelore Kölle, die mit ihrem Mann Richard den Stammbetrieb in der Kernerstraße 1974 eröffnete. Jahr um Jahr haben die beiden hart gearbeitet – und ganz bescheiden eine beachtliche Marktposition in Heilbronn erreicht: Natürlich aus dem Heilbronner Osten kommen die Kunden in die Kernerstraße. Aber auch aus Ilsfeld, Öhringen und Neuenstadt.

„Reichtümer kann man damit nicht scheffeln. Aber man kann gut leben“, sagt die Mutter. Ihr Sohn ist zuversichtlich, dass dies mit seinem neuen Konzept auch in Zukunft noch gilt. Die zwei Jahre seit der Eröffnung am Kaiser’s Turm bestätigen ihn: „Menschen, die Spaß an gepflegter Kleidung haben, gibt es immer.“

Nach oben  Nach oben