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Polizei hat Trinkerszene im Blick

An manchen Tagen fallen sie ins Auge: Die Treppe der Kilianskirche und die Bänke der Bushaltestelle sind bevölkert mit jungen Punkern

Von Bärbel Kistner
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Heilbronn - An manchen Tagen fallen sie ins Auge: Die Treppe der Kilianskirche und die Bänke der Bushaltestelle sind bevölkert mit jungen Punkern. In der Eichgasse vor dem Stadtarchiv und unter den Platanen in der Fleiner Straße sitzen Menschen unterschiedlichen Alters, die Bierflaschen kreisen. Die Hemmschwelle, öffentlich zu trinken, ist gesunken. An anderen Tagen wiederum ist niemand an den bekannten Treffpunkten der Trinkerszene. „Wann wie viele kommen, ist schwer einzuschätzen, es liegt nicht unbedingt am Wetter“, sagt Rüdiger Muth, stellvertretender Ordnungsamtsleiter in Heilbronn.

Fakt ist: Die Trinkerszene in der Heilbronner Innenstadt ist kein schöner Anblick. Doch bei der Einschätzung der Situation gehen die Meinungen in der Öffentlichkeit weit auseinander - für die einen ist die Trinkerszene in Heilbronn sichtbarer, die anderen sehen eine Entspannung. Entsprechend kontrovers wurde der aktuelle Lagebericht im Heilbronner Gemeinderat diskutiert.

Folgt man der Einschätzung der Polizei, dann gibt es 2007 weniger Beschwerden als in den Vorjahren: drei bis einschließlich August, sieben im Vorjahr und 17 im Jahr 2005. Damals war vor allem der Kiliansplatz ein Brennpunkt, der das Innenstadtbild stark prägte. Maßnahmen wie der Tagestreff in der Grünanlage am Europaplatz haben nach Einschätzung der Verwaltung die Lage dort entschärft.

Dass die Ordnungshüter mit Platzverweisen und Aufenthaltsverboten vorgehen gegen jene, die pöbeln, an die Hauswand urinieren oder Flaschen zerdeppern, „das spricht sich in der Szene rum, man vermeidet es aufzufallen“, sagt Andreas Mayer, Leiter des Polizeireviers Heilbronn. „In Einzelfällen wurde Zwangshaft angeordnet, auch 2007 ist das schon vorgekommen“, berichtet Rüdiger Muth.

Doch solange Trinker nicht aggressiv sind, fehlt die rechtliche Handhabe. Ungepflegtes Aussehen alleine reiche eben nicht, erläutert der Revierleiter. Ohnehin sieht die Polizei ihr Kerngeschäft in der Bekämpfung von Straftaten, etwa im Drogenbereich. Intensive Kontrollen der Trinkenszene blieben angesichts einer „dramatischen Personalsituation“ beim Polizeirevier Heilbronn auf der Strecke, bedauert Andreas Mayer.

Ihrer ordnungspolitischen Linie will die Stadt treu bleiben: hart und entschieden gegen Störer vorgehen und andererseits Hilfen anbieten. Die rechtliche Situation lasse den Kommunen wenig Spielraum, bedauert Ordnungsbürgermeister Harry Mergel. Ganz davon abgesehen könne eine Stadt alleine nicht die Probleme der Gesellschaft lösen.

 

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