Pioniere verlassen Postpassage
Nach 27 Jahren verabschiedeten sich am Wochenende Inge und Günter Barwig von der Postpassage in Heilbronn. Sie zählten mit ihrem Friseursalon zu den Pionieren, die 1980 in den Untergrund zogen

Auch wenn diese Worte wehmütig klingen, so freut er sich doch auf die jetzt kommende neue Ära: Da die Postpassage wie berichtet in ein, zwei Jahren geschlossen wird, eröffnet das Friseur-Ehepaar am 15. September an der Deutschhofstraße 33 einen Damen- und Herrensalon. In unmittelbarer Nähe zur ECE-Stadtgalerie verspricht sich Günter Barwig von diesem Standort einiges: „Das Einkaufscenter wird zu einem Magneten und der Aufgang der Tiefgarage liegt fast vor unserem Geschäft.“ Zu überbrücken gelte allerdings die Phase bis zur Eröffnung des ECE im Frühjahr 2008.
Lange Tradition Auch wenn es fast drei Jahrzehnte zurückliegt, ist Günter Barwig als Friseur das Arbeiten im Tageslicht gewöhnt: 1973 übernahm er von seinem Vater Helmut den Salon. Gegründet wurde das Geschäft 1956 in den baulichen Überresten des am 4. Dezember 1944 ausgebombten so genannten „Braunen Hauses“ - hier befindet sich heute C & A. 1958 zog der Handwerksbetrieb in die Götzenturmstraße und blieb an diesen Standort, bis 1980 die Postpassage rief.
Mittlerweile sind die Tage dieser großen Unterführung und der wenigen noch ansässigen Geschäfte gezählt. Im Frühjahr des kommenden Jahres, ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant, soll der Überweg von der Titot- in die Kilianstraße geschaffen werden, so wie er bis 1965 als Zebrastreifen existierte. Die Folge davon wird sein, dass die Frequenz in der Postpassage weiter stark nachlassen wird. Mit den Nutzern hat die Stadt eine relativ problemlose Aufhebung der Pachtverträge vereinbart.
Auf der Suche Doch was kommt dann? Diese Frage stellt sich Helmut Semenass derzeit auch. „Die Nutzung der Passage ist völlig offen“, sagt der Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes. Er hat die undankbare Aufgabe, eine Folgenutzung zu finden, die der Stadt keine Kosten verursacht. Deshalb scheidet auch der von den Heilbronner Grünen ins Spiel gebrachte Fahrrad-Parkplatz aus. Der Rückbau der Unterführung, technisch gesehen eine Brücke, kommt ebenso wenig in Betracht: „Der Abbruch käme teurer als der Bau damals gekostet hat“, argumentiert Semenass. Ausgebaut werden lediglich die vier Rolltreppen.
Die einfachste, aber unattraktivste Lösung wäre, die Postpassage vandalensicher dicht zu machen. Interessanter klingt da schon die Ansiedlung eines Lebensmittlers oder von Bereichen wie Freizeit, Wellness und Gastronomie. Auch eine Disco kann sich Semenass vorstellen: „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal.“ Allerdings legt er sich auch fest: „Wer sich hier engagiert, muss richtig Geld in die Hand nehmen.“
Stichwort
Post-Unterführung
Nach 15-monatiger Bauzeit wurde die 2000 Quadratmeter große Passage am 19. Juni 1980 eingeweiht. Sie war die dritte von vier Unterführungen in der Allee. Zwischenzeitlich sind zwei die Allee- und die Harmonie-Passage geschlossen. Die Baukosten lagen seinerzeit bei 8,7 Millionen Mark, die 14 Geschäfte investierten 1,5 Millionen Mark. Verarbeitet wurden 3000 Kubikmeter Beton und 220 Tonnen Stahl. Tiefe unter Straßenniveau: 4,50 Meter. Die Firmen der ersten Stunde waren: Blumenhaus Schneider, Friseur Barwig, Boutique Libre, Boutique Maha-Rani, Papeterie Laumen, Spielkiste Zürn, Briefmarken Wartmann, Café Reinecker, Foto und Bild, Elektro-Handel Seydter, Frankenstube, Klosterkeller, Reisebüro Gross, Bäckerei Mitterer. jof
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